31.07.2019 06:00 |

Mord am Bahnhof

ÖBB-Chef: „100 Prozent Schutz kann es nie geben!“

Wer nach dem kaltblütigen Mord an einem achtjährigen Buben in Frankfurt einen Bahnhof betritt, hat verstörende Bilder im Kopf. Und doch übersteigt die erschütternde Bluttat in Deutschland jegliche Vorstellungskraft. Parallel dazu drängen sich reflexartig Fragen auf: Wie sicher sind eigentlich unsere Bahnhöfe? Kann so etwas auch in Österreich passieren?

Die Antwort auf letztere Frage lautet wohl Ja, denn „hundertprozentigen Schutz kann es vor den unberechenbaren Attacken solcher Einzeltäter nie geben“, gibt sich auch ÖBB-Generaldirektor Andreas Matthä keinen Illusionen hin. Die Bundesbahnen können letztlich nur versuchen, das Risiko so gering wie möglich zu halten. „Wir schicken jetzt aber noch mehr Sonderstreifen los. In Zügen sind Polizisten in Zivil bereits unterwegs“, so Matthä.

Lokalaugenschein auf dem Wiener Hauptbahnhof: Die Überwachungskameras sind ebenso zahlreich wie die Notruf-Säulen. Im Leitstand der ÖBB laufen die Informationen zusammen - nicht nur jene vom Hauptbahnhof, sondern von der gesamten S-Bahn-Stammstrecke in Wien.

Sonderstreifen, Überwachungskameras etc.
Österreichweit sind Tausende Kameras auf das Geschehen in den 1100 Bahnhöfen und Haltestellen gerichtet. Die 500 Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sind an den Verkehrsknotenpunkten unterwegs. Und es sollen noch mehr werden, kündigt Matthä an. Dennoch kommt es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen, etwa als im Jahr 2015 in Oberösterreich ein Kinderwagen auf die Gleise rollte.

Noch ein Appell der ÖBB, unabhängig von der Schreckenstat in Frankfurt: Bei durchfahrenden Zügen so weit wie möglich zurücktreten, Kinder immer an die Hand nehmen und das Umfeld im Auge behalten! Das empfiehlt auch ÖBB-Sicherheitschef Roman Hahslinger (siehe Video oben).

Neue Wiener U-Bahn bekommt Schleusen
Übrigens: Es ist bereits länger geplant und dient nicht nur als Schutz vor Schubsern - die neue Wiener U-Bahn-Linie 5 wird an allen Bahnsteigen durchsichtige Schleusen erhalten. Grund: Die Fahrzeuge sind vollautomatisch, also ohne Fahrer unterwegs. Die Schleuse trennt den Gleisbereich vom Bahnsteig und verhindert, dass jemand (auch unbeabsichtigt) auf die Schienen stürzt.

Erst wenn der Zug eingefahren ist und an der richtigen Stelle steht, öffnen sich die Türen und die Passagiere können aus- oder einsteigen. International ist das System mehrfach erprobt. In London, Kopenhagen & Co. findet der Fahrgastwechsel bereits in dieser Form statt.

Oliver Papacek, Ed Ricker, Mark Perry und Alex Schönherr, Kronen Zeitung

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