15.07.2019 07:11 |

Sea-Watch-Kapitänin:

„Europa muss auch Klimaflüchtlinge aufnehmen“

Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete, der in Italien wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur illegalen Einwanderung ein gerichtliches Nachspiel droht (siehe auch Video oben), hat sich in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung einmal mehr für die Aufnahme von Migranten in Europa aufgesprochen. „Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land!“, sagte die Schiffsführerin. Auch Menschen, die wegen des Klimawandels aus ihrer Heimat fliehen müssen, sollten von Europa aufgenommen werden. Rackete sprach in diesem Zusammenhang von einer „historischen Verantwortung an den Umständen in Afrika noch aus der Kolonialzeit“.

Ende Juni legte das Rettungsschiff Sea-Watch 3 mit 40 aus dem Mittelmeer geretteten Menschen auf der italienischen Insel Lampedusa an - ohne Genehmigung der Regierung in Rom. Die Kapitänin wurde daraufhin verhaftet, das Schiff beschlagnahmt. Der mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzten Carola Rackete steht nun ein gerichtliches Nachspiel wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur illegalen Einwanderung bevor.

„Es gibt das maritime Gesetz, Menschen in Seenot zu retten
Derzeit hält sie sich an einem geheimen Ort in den Alpen auf - ihre Entscheidung, trotz fehlender Genehmigung anzulanden, bereut sie im „Bild“-Interview keineswegs. „Wir haben rechtens gehandelt, davon bin ich überzeugt. Es gibt das maritime Gesetz, Menschen in Seenot zu retten.“ Dieses besage auch, dass man die Menschen in einen sicheren Hafen bringen müsse - doch einen solchen gebe es weder in Libyen noch in Tunesien.

„Es gibt dort keine Asylverfahren!“, gibt Rackete zu bedenken. Nach Absagen von Malta, Frankreich und Spanien habe sie in Italien anlegen müssen. „Am Ende musste ich reagieren, weil die Situation an Bord dramatisch war und Menschen hätten sterben können.“

„Sichere Überfahrt nach Europa“ für 500.000 Migranten in Libyen
Allen Migranten, die in Libyen festsitzen, sollte Europa helfen. „Wir hören von einer halben Million Menschen, die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen. Ihnen müssen wir sofort helfen bei einer sicheren Überfahrt nach Europa“, fordert die 31-Jährige. Auch die Hilfe in Afrika selbst müsse ausgebaut werden.

Eindrücke aus einem Asylzentrum im libyschen Zawiya:

Rackete: Auch Klimaflüchtlinge sollten Asyl erhalten
Doch Rackete geht noch weiter: Auch Menschen, die wegen des Klimawandels keine Lebensgrundlage mehr haben, müsse Europa helfen. „Der Zusammenbruch des Klimasystems sorgt für Klimaflüchtlinge, die wir natürlich aufnehmen müssen. Es wird in einigen Ländern Afrikas, verursacht durch industriereiche Länder in Europa, die Nahrungsgrundlage zerstört.“

Europa beute Afrika aus und daher seien viele Menschen zur Flucht gezwungen. „Deshalb gibt es eine historische Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen, die wegen der Machtverhältnisse oder auch der Klimasituation nicht mehr in ihren Ländern leben können. Das Thema Klimaflucht ist bereits heute groß“, gibt Rackete zu bedenken.

Miriam Krammer
Miriam Krammer

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