05.05.2019 06:00 |

Das große Interview

War es das wert, Herr Petzner?

Noch nie ist ein so schlechter Tänzer bei „Dancing Stars“ so weit gekommen wie er. Am Freitag war Schluss. Im großen Interview mit Conny Bischofberger spricht Stefan Petzner (38) über seinen Seelenstriptease - Schmerz und Tränen inklusive.

Er trägt noch immer das gelb-schwarze Streetdance-Outfit, dazu eine graue Zipfelkappe, schwarze Sonnenbrille und Stöpsel im Ohr, als er Samstagmittag das Café Rathaus betritt. Um 5.19 Uhr morgens kam sein SMS. „Bin fertig und am Ende. Bis später!“ Die vernichtenden Kritiken und die Buh-Rufe des Publikums sitzen Stefan Petzner noch in den Knochen. Trotzdem: Für einen völlig untalentierten Tänzer hat er es weit gebracht bei „Dancing Stars“. Nur nicht ins Finale.

„Krone“: Mit welchem Gefühl sind Sie heute früh aufgewacht?
Stefan Petzner: Aufgewacht? Sehr witzig. Schauen Sie mich an! Habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Bin noch immer am Analysieren. Der Showdown war brutal.

Was haben die Analysen ergeben?
Der Streetdance war nicht so schlecht. Die restliche Performance, Tonalität und Gesten, war nicht optimal. Ich schau mir das auf DVD alles hundertmal an: nicht nur den Tanz. Jedes Interview, jedes Statement. Ich bin ja ein sehr selbstkritischer Mensch.

Stimmt es, dass Sie der Jury den Mittelfinger gezeigt haben?
Das ist mir passiert. Da sind die Emotionen mit mir durchgegangen. Aber es tut mir ehrlich gesagt nicht leid.

Weil?
Weil die Jury mir meine Würde genommen hat. Ich rede nicht von den Punkten. Ich rede vom Ton. Das war noch nie da, dass eine Jurorin das Publikum auffordert, nicht für Stefan Petzner anzurufen. Oder der Balázs Ekker, der mir schon seit Wochen via Titelseiten ausrichtet, dass ich endlich rausfliegen soll.

Noch nie hat es ein - Pardon! - so untalentierter Tänzer wie Sie bei „Dancing Stars“ so weit gebracht. War das gerecht, den anderen gegenüber, die früher ausgeschieden sind?
Meiner Meinung nach schon. Viele haben leider bis heute das Konzept nicht verstanden. „Dancing Stars“ ist keine Tanzmeisterschaft, sondern eine Show, die das Publikum unterhalten und Spaß machen soll. Es geht darum, dass Promis von Profis beim Tanzenlernen begleitet werden. Ich habe immer gewusst: Übers Tanzen schaffe ich es unmöglich, weil ich einfach den Takt nicht höre. Wenn, dann schaffe ich es nur als Persönlichkeit und als Mensch.

Sind Sie jetzt enttäuscht?
Ja, aber es ist auch viel Freude und Dankbarkeit da, überhaupt so weit gekommen zu sein. Wer hätte sich am Anfang gedacht, dass Petzner es bis ins Halbfinale schafft!

Wenn so viel Freude da ist, was bedeuten dann die Tränen in Ihren Augen?
Ich bin einfach müde. Und ich hatte einen persönlichen Traum. Mir ging es nie darum, zu gewinnen, ich brauche den Plastikstern nicht. Mein Ziel war es, noch bis ins Finale zu kommen. Warum? Wir hatten für die nächste Runde ein Medley von Udo Jürgens vorbereitet, mit sehr berührenden Liedern, nicht „Griechischer Wein“, sondern Songs mit Tiefgang. „Ein Narr sagt Dankeschön“. Zu diesem Lied hätte ich gerne noch getanzt. Vielleicht nicht perfekt, aber um meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Es hätte mir sehr viel bedeutet. Es wäre ein toller Fernsehmoment gewesen. - Sucht eine Papierserviette und trocknet sich damit die Augen.

Warum hätte es Ihnen so viel bedeutet?
Weil dieses Lied meine Lebensphilosophie widerspiegelt. Aus vollem Herzen leben, jede Chance nutzen, weil das Leben so kurz ist. „Ein Narr sagt Dankeschön. Drum lass mich langsam ziehn, ich weiß auch schon wohin. Ich schlend‘re endlich hin zum gold‘nen Tor,
durch das die Freiheit weht.“

Sind Sie nicht auch erleichtert, dass Sie nicht mehr trainieren müssen?
Ich hätte diese Woche noch gerne durchgebissen. Ich war froh, dass ein Ende in Sicht ist, aber die nächste Runde wollte ich noch schaffen. Andererseits geht das natürlich an die Substanz, physisch und psychisch, wenn man so unter Beschuss steht. Ich musste Schmerzmittel nehmen, ich hatte Panikattacken.

War es das wert?
Das war es wert, ja. Die Motivation war immer, einmal den Menschen hinter dem Politiker zu zeigen. Und das ist gelungen.

Welcher Mensch ist da zum Vorschein gekommen?
Ein sensibler, verletzlicher Mensch. Manchmal zu emotional, aufbrausend. Einer, der sich wehrt, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Der auch laut werden kann. Einer, der sich nicht unterkriegen lässt. Die Jury - bis auf Nicole Hansen, sie war immer fair - wollte mich brechen, aber das ist ihr nicht gelungen. Ich habe zwar einmal verschlafen, aber auch die Jury hat ihren Job nicht gemacht. Das letzte Mal hat sie, statt zuzuschauen und uns zu bewerten, demonstrativ selber getanzt.

Hat die Mama sehr gelitten?
Die Mama nahm es relativ gelassen, aber der Papa hat sich aufgeregt. Er hat es einfach nicht mehr ertragen. Immer wenn die Jury mich und Rosi bewertet hat, musste er den Ton bei seinem Fernseher abdrehen. Väter haben den Beschützerinstinkt.

Wie groß war Ihre Fangemeinde tatsächlich?
Es gibt Gerüchte, wonach für mich so viele Leute angerufen haben wie für alle anderen Kandidaten gemeinsam. Man weiß es ja nicht, weil es der ORF nicht bekannt gibt. Ich habe so viel an Solidarität, an positivem Feedback und Unterstützung bekommen! Das hat mir Kraft gegeben. Ich habe immer fürs Publikum getanzt, nicht gegen andere und auch nicht für die Jury. Ich war auch immer derjenige, der am längsten oben am Küniglberg war nach den Sendungen. Jeder, der ein Selfie wollte, hat es bekommen. Rosi und ich sind die Gewinner der Herzen!

Fotoshootings mit Laufenten, Storys über Ihren Kuhstall: Haben Sie Ihre eigene Vermarktung am Schluss vielleicht ein bisschen übertrieben?
Dass ich aus dem PR-Geschäft komme und meine Medienkontakte genutzt habe, ist ja nichts Verwerfliches. Ich habe immer gewusst: wenn ich weiterkomme, dann nicht mit meinen zwei linken Füßen, sondern mit der Papperlatur. Ich habe da feine Sensoren und glaube, am Ende war es tatsächlich überhitzt.

Wird „Dancing Stars“ Ihrer Karriere nutzen?
Ich weiß es nicht. Viele Klischees - Lebensmensch, rechter Spindoktor, seelenloser Politiker - haben sich verändert. Man muss im Leben immer wieder Neues probieren, seine Ängste überwinden. Das ist wichtiger als Kalkül.

Wenn die FPÖ weltweit Schlagzeilen macht mit dem „Bevölkerungsaustausch“, wenn Harald Vilimsky mit Armin Wolf streitet, müssen Sie sich da sehr zusammenreißen, nicht Stellung zu nehmen?
Manchmal kitzelt es mich schon, auf Twitter was rauszuschießen: Wolf ist der nützliche Idiot der FPÖ, er checkt es nur nicht. Aber ich habe ja im ORF-Vertrag eine Klausel, dass ich das nicht darf. Diese politische Entgiftungskur war auch heilsam.

Was bedeutet das für Ihre Zukunft?
Dass ich vielleicht Entenhirte werde. - Lacht. - Ich stehe seit meinem 20. Lebensjahr in der Öffentlichkeit. Die Bühne ist mein Zuhause, das Scheinwerferlicht ist meine Energie. Weil ich habe nichts anderes. Das klingt ein bisschen traurig. Aber es stimmt: Ich habe nichts anderes.

Also brauchen Sie wieder eine Bühne?
Oder es kommt die große Liebe. Aber die ist im Moment nicht in Sicht. Ich möchte übrigens noch Roswitha Wieland danken. Sie ist meine Heldin. Ich sage aus tiefstem Herzen Danke.

Und wer wird Dancing Star 2019?
Die Nicole und die Lizz trainieren am härtesten und am längsten. Aber das allein reicht nicht. Der Schotti bringt neben seiner tänzerischen Leistung auch die menschliche Komponente mit: ein toller Charakter, sympathisch, intelligent, humorvoll. Einer, der sich mit dir freut und der mit dir leidet. Also ich rufe für den Schotti an.

Zur Person: Ex-Politiker und Jürgens-Fan
Geboren am 17. Jänner 1981 in Laßnitz bei Murau in der Steiermark. Publizistik-Studium an der Uni Klagenfurt, seine (unvollendete) Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Musik von Udo Jürgens. 2006 wird Petzner Landesparteiobmann des BZÖ Kärnten, 2008 Generalsekretär, Jörg Haiders Wahlkampfmanager und nach dessen Tod 2008 neuer Parteichef. Bis 2013 sitzt Petzner im Nationalrat. Zuletzt wird er aus der Partei ausgeschlossen. Seit 2013 ist er Politikberater. Seine Agentur stellt er während „Dancing Stars“ ruhend.

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