16.04.2019 12:10 |

Tierquälerei

Hündin erschossen: Strafen für Herrchen und Jäger

Zwei Kärntner Landwirte sind am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt wegen Tierquälerei zu sechs Monaten bedingter Haft und 3600 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Einer von ihnen, ein 67-jähriger Jäger, hatte auf Bitte seines Nachbarn dessen Hund erschossen. Der Hundebesitzer hatte behauptet, das Tier habe seinen Enkel gebissen. Beide nahmen die Strafe an, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Zehn Jahre war Mischlingshündin „Bella“ ein treuer Hofhund. „Sie war wie ein Kind für mich“, jammert der 63-jährige Landwirt aus dem Bezirk Feldkirchen vor Gericht. „Aber meine Enkerln sind mir wichtiger. Als es hieß, Bella hätte nach einem geschnappt, habe ich den Jäger gebeten, sie zu erschießen.“

Hündin mit Schrotflinte erschossen
Das Tier wurde am nächsten Tag angebunden, der 67-jährige Nachbar kam mit der Schrotflinte. „Das reicht für einen Hund“, meinte er lapidar. Der erste Schuss ging irgendwohin, „Bella“ jaulte kläglich: „Das waren normale Todesgeräusche“, sagt der Jäger. Der zweite Schuss dann erlöste die Hündin. Für Tierarzt Alexander Rabitsch, der von Richter Gerhard Pöllinger als Sachverständiger hinzugezogen wurde, ist der Fall klar: „Tiere dürfen nach dem Tierschutzgesetz nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Und auch da muss etwa bei Hunden ein Tierarzt hinzugezogen werden.“ Die beiden Angeklagten wollen sich das so nicht gefallen lassen: „Es ging um die Sicherheit von kleinen Kindern“, meinen sie. „Da kann kein Tier vorgehen.“

Hund aus Bequemlichkeit „entsorgt“
Richter Pöllinger, selbst Hundefreund und Kenner, ja sogar Richter bei Hundebewerben, lässt wiederum das so nicht gelten: „Da wurde ein alter Hund einfach entsorgt - aus reiner Bequemlichkeit.“ Um Kosten für das Tierheim oder den Tierarzt zu sparen. Umso teurer wird die Strafe: Herrchen wie Jäger müssen jeweils 3600 Euro bezahlen und bekommen auch noch sechs Monate bedingt wegen Tierquälerei aufgebrummt. Beide kamen ohne Anwalt - was wohl mit dazu beitrug, dass sie ein denkbar unglückliches Bild machten - und haben die Strafe trotzdem angenommen. „Wir sind sowieso die Blöden“, sagt einer.

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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