WM in Seefeld

Doping-Skandal: „Mit Transfusion im Arm ertappt“

Die Nordische WM in Seefeld wird von einem Mega-Skandal erschüttert: Österreichische und deutsche Behörden haben am Mittwoch in einer koordinierten Aktion mit dem Namen „Operation Aderlass“ im Zusammenhang mit einem international agierenden Dopingnetzwerk bei 16 Hausdurchsuchungen insgesamt neun Personen festgenommen. Unter den Festgenommenen befinden sich Dominik Baldauf und Max Hauke - beide übrigens Polizeisportler -, die beim Teamsprint Sechste wurden.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag haben die Ermittler erste Details bekannt gegeben. Einer der fünf festgenommenen Sportler wurde in seiner Unterkunft in Seefeld „auf frischer Tat“ ertappt, sagte Dieter Csefan vom Bundeskriminalamt. „Er wurde mit einer Bluttransfusion im Arm aufgegriffen“, so Csefan. Um welche Sportler es sich dabei handelte, wollte der Ermittler unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Bestätigt wurde indes, dass es sich bei den Athleten um zwei Österreicher, zwei Esten und einen Kasachen handelte. Namen oder nähere Details zu den Identitäten wurden bei der PK nicht genannt. Österreichs Langlauf-Chef hatte zuvor jedoch bestätigt, dass es sich bei den beiden Österreichern um Baldauf und Hauke handelt.

BKA sowie Staatsanwaltschaft Innsbruck schlossen nicht aus, dass weitere Personen betroffen sein könnten. Sie sprachen von einer „geschlossenen Indizienkette“. So sei etwa in Erfurt ein komplettes Dopinglabor inklusive Equipment ausgehoben worden, das dem 40-jährigen Sportmediziner, der als mutmaßlicher Haupttäter gilt, zugerechnet wird. Die Dopingcausa dürfte indes noch weitere Kreise ziehen. „Es sind sicher auch noch andere Sportarten betroffen“, erklärte Csefan. Die „kriminelle Organisation“ sei jedenfalls seit mehr als fünf Jahren weltweit tätig.

Hier können Sie die Pressekonferenz aus Innsbruck nachlesen:

Baldauf und Hauke drohen auch dienstrechtliche Konsequenzen. Sie absolvieren derzeit die polizeiliche Grundausbildung, das könnte aber bald beendet werden. „Wir haben aufgrund der heute bekannt gewordenen Umstände - gemeinsam mit den Dienstbehörden der zuständigen Landespolizeidirektionen - eine sofortige Prüfung des Ausschlusses aus dem Kader der polizeilichen Spitzensportler sowie eine Prüfung der Beendigung der Dienstverhältnisse eingeleitet“, erklärte der Leiter der Präsidialsektion im Innenministerium, Karl Hutter, in einer Aussendung, ohne die Namen der beiden Sportler zu nennen.

Eine Entscheidung werde nach Vorliegen der Sachverhaltsdarstellungen der Staatsanwaltschaft erfolgen. „Für das BMI gilt jedenfalls das Null-Toleranz-Prinzip, wenn es um die Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken geht“, so Hutter.

Die aus Erfurt agierende kriminelle Gruppierung ist dringend verdächtig, „seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern und dadurch illegale Einkünfte zu lukrieren“, so das Bundeskriminalamts. Es wird wegen schweren Betrugs ermittelt, bis zu zehn Jahre Haft drohen. Mastermind des Dopingrings soll der ehemalige Mannschaftsarzt des Radteams Gerolsteiner sein.

Dürr-Aussagen Auslöser für Ermittlungen
Laut der Staatsanwaltschaft München waren die Aussagen des Skilangläufers Johannes Dürr Auslöser für die Doping-Ermittlungen und die Razzien in Seefeld und Erfurt. Der Niederösterreicher, der bei Olympia 2014 positiv auf EPO getestet und danach gesperrt worden war, hatte jüngst in einer ARD-Dokumentation umfassend über Dopingpraktiken im Leistungssport ausgepackt.

„Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin zunächst ein Ermittlungsverfahrens gegen unbekannt wegen der Anwendung von Dopingmethoden am Zeugen Johannes Dürr eingeleitet, dieses ist nun in ein Ermittlungsverfahren gegen konkrete Beschuldigte übergegangen“, teilte Oberstaatsanwältin Anne Leiding in einer schriftlichen Mitteilung am Mittwoch mit.

In Österreich hatte es bereits bei der Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen und beim dortigen Weltcup 2018 behördliche Aktionen gegen die Teams aus Kasachstan und Russland gegeben. 

ÖSV „schockiert“
Der ÖSV zeigte sich in einer Aussendung „schockiert, dass eine bestens vorbereitete Nordische Ski-Weltmeisterschaft nun von einem Dopingskandal überschattet wird“. Gleichzeitig bedankte sich der ÖSV bei den Ermittlungsbehörden für das „Aufdecken dieses offensichtlich seit Jahren tätigen internationalen Dopingnetzwerks und hofft, dass die Hintermänner und Drahtzieher zur Verantwortung gezogen werden“.

„Nichts ist niederträchtiger als das Erkaufen von besseren Resultaten durch illegale leistungssteigernde Methoden. Ich bin zutiefst verärgert, dass einzelne Athleten scheinbar nichts aus der Vergangenheit gelernt haben. Im ÖSV gilt Null-Toleranz gegenüber Doping“, so ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

Strache: „Kein Platz im Sport“
„Für mich hat Doping im Sport keinen Platz“, sagte Vizekanzler Heinz-Christian Strache, der betonte, dass das Sportministerium die Nationale Antidoping Agentur beim Schutz der sauberen Sportlerinnen und Sportler unterstütze. „Ich bin an der lückenlosen Aufklärung interessiert, werde aber die Ergebnisse dieser Ermittlungen abwarten, ehe geprüft wird, ob zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der sauberen und fairen Sportlerinnen und Sportler eingeleitet werden müssen“, so Strache.

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