Sa, 23. Februar 2019
02.02.2019 08:35

Kontert Rappern:

Gabalier: „Solchen Kasperln keine Plattform geben“

Wie kaum ein anderer Künstler spaltet er das Land: Der Träger des Karl-Valentin-Ordens, Andreas Gabalier, spricht mit Conny Bischofberger über Nazi-Kritik, Schützenhilfe von Strache, „politisch inkorrekte“ Lieder und ein Millionenpublikum in Dirndl und Lederhose.

Donnerstagabend in der Semperoper Dresden: Die Proben für sein Konzert dauern etwas länger, deshalb wird das „Krone“-Interview mit Andreas Gabalier auf den nächsten Tag verschoben. Freitagmittag chillt der Volks-Rock’n‘Roller dann auf der Couch seines Zimmers im „Kempinski“ mit Blick auf die sächsische Staatsoper. „Ein Wahnsinns-Wochenende ist das“, sagt er zufrieden, „erst diese Mitternachtseinlage in der Semperoper. Man lässt einen österreichischen Mundartsänger beim Staatsopernball auftreten. Stellen Sie sich vor, man würde mich in Wien beim Opernball auftreten lassen! Und dann die Verleihung des Karl-Valentin-Ordens in München, wo ich einst als Newcomer in der Fraunhofer Schoppenstube vorgespielt habe.“

„Krone“: Herr Gabalier, ist das Ihr erster Orden?
Andreas Gabalier: Ja. Und für mich war immer klar, dass ich ihn natürlich annehmen werde, auch wenn manche Medien sich vor lauter Aufregung über ein paar Kritiker und natürlich ohne Rückfrage bei mir gar nicht beruhigen können. Dieser Orden bedeutet mir auch deshalb so viel, weil München für mich wirklich das Epizentrum des Volks-Rock‘n‘Roll ist. Da habe ich die allergrößten Konzerte im ausverkauften Olympiastadion gespielt, da blicke ich voller Stolz zurück. In München war es auch, wo mich die Plattenfirma vor acht Jahren in einem legendären kleinen Beisl, der „Fraunhofer Schoppenstube“, dem süddeutschen Raum als „Newcomer“ vorgestellt hat. Da hab‘ ich am Barhocker auf der Gitarre halt so fünf, sechs Lieder unplugged gesungen. Deshalb steht dieser Orden auch für meinen Erfolg, für das, was ich geleistet habe.

Im Vorfeld der Verleihung hat es große Unstimmigkeiten gegeben. Man warf Ihnen vor, mit „faschistischen Symbolen“ zu spielen, aber auch Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Nehmen Sie diese Kritik ernst?
Auf diese Vorwürfe werde ich nächste Woche ganz groß eingehen. Das kann ich so nicht stehen lassen. Man kann den Gabalier mögen oder nicht, genauso wie man Lederhosen gut finden oder ablehnen kann, aber diese Kritik ist an den Haaren herbeigezogen und absolut respektlos. Dass man über Menschen, die man gar nicht kennt, einfach so urteilt und dass Medien dann noch so drauf aufspringen, ohne dass sie mit mir geredet haben, das halte ich schon für einen Tiefpunkt des Umgangs miteinander.

Können Sie ausschließen, dass von Ihrer Seite ein Kalkül hinter dem kritisierten Plattencover stand?
Um Gottes Willen! Natürlich schließe ich das aus.

„Kid Pex und Kroko Jack“ - sagen Ihnen die was?
Nein. Was soll das schon wieder sein?

Ein Rapper-Duo, das andeutet, Sie gehören an die Wand gestellt und ersch…. 
Dazu sage ich gar nichts. Solchen Kasperln soll man keine Plattform geben.

Der ehemalige Münchner Bürgermeister ist aber kein Kasperl“, er sagte, die Verleihung sei ein „schockierender Fehlgriff“, die Chefin des Valentin-Museums meinte, es drehe ihr nicht nur den Magen um, sondern es zerspringe ihr auch das Herz.
Lassen wir doch die Kirche im Dorf. Vielleicht schmeckt mein Erfolg nicht jedem. Und denen muss ja meine Musik auch nicht gefallen. Meine Oma mochte auch kein Metallica und trotzdem waren die Stadien voll. Aber das kann man anders kundtun als mit solchen Untergriffen.

Haben Sie sich ein bisschen mit Karl Valentin beschäftigt?
Ja, natürlich kennt man den aus der Geschichte, und ich hab‘ auch einiges nachgelesen. Er wurde ja auch als Volksliedsänger bezeichnet, insofern gibt es da schon eine Parallele. Und einen gesunden Humor habe ich auch. Außerdem gab es auch bei früheren Preisträgern Aufregung. So wie die Kunstelite nicht verstanden hat, wieso Bob Dylan 2016 den Nobelpreis für Literatur bekommen hat.

Welches Zitat von Karl Valentin mögen Sie am liebsten?
Das „Mögen hätte ich schon wollen …“ Das hat mein Opa immer gesagt, als ich mit den ersten Dirndln heimgekommen bin. Da hat er geschmunzelt und sich mit Karl Valentin mit erfreut.

Aprops Dirndl: Sie tragen gerne Tracht, stehen - wörtliches Zitat - „als Manderl noch auf Weiberl“ und finden nichts dabei, wenn Frauen bei ihren Kindern zu Hause bleiben. Zählen Sie zu einer aussterbenden Sorte Mann?
Lacht.- Nein, ganz im Gegenteil! Schaut euch doch einmal die Realität draußen an! Die Leute draußen sind nicht so, wie sich manche Herrschaften das wünschen. Die machen sich selber ihr Bild. Da wird medial vieles verherrlicht und in den Himmel gejubelt, nur weil es politisch korrekt ist! Ich stehe dazu, politisch inkorrekt zu sein. Auch wenn die sogenannte Kunstszene es nicht verstehen kann, dass ich mit meinem konservativen Standing Erfolg habe. Wer füllt die Stadien? Wer holt eine Million Menschen ab mit seinen Liedern? Da gibt es nur einen. Die Mehrzahl spielt auf Kleinkunstbühnen und Festivals bei freiem Eintritt. Ganz so verkehrt können meine Äußerungen also nicht sein, sonst wären die Hallen nicht bis auf den letzten Platz besetzt.

Warum polarisieren Sie dann so?
Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es Angst. Weil ich Massen mobilisiere. Angst vor Andersdenkenden vielleicht. Aber letztendlich überwiegt für mich die Vorfreude auf dieses Wochenende. Diese Auszeichnung, mit der zehn Jahre harte Arbeit belohnt werden.

Im Lied Eine Meinung haben singen Sie über Demokratie. Ist die Musik letztlich doch politisch?
Nein, alles gut. Die Musik ist nicht politisch. Die Musik ist die Erholung von der Politik. Weil die Leute ohnehin die ganze Woche nichts Anderes hören als Politik. Sie haben mittlerweile die Schnauze voll. Deshalb kaufen sie sich einmal im Jahr eine Eintrittskarte für ein Konzert von mir, machen sich schon drei Tage vorher fesch, gehen zum Friseur, lassen sich die Nägel machen und buchen einen Urlaub, um mich singen zu hören. Da ist es nicht meine Aufgabe, dass ich von der Bühne herab auch noch Politik predige.

Freuen Sie sich, wenn FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache Sie verteidigt?
Nein, ich freue mich überhaupt nicht. Aber ich wehre mich auch nicht dagegen. Es soll jeder tun, was er will. Ich würde mir niemals anmaßen, dass ich irgendwem sage, er darf meine Musik nicht hören. Tausende Fans hüpfen gerade volle Kanne auf sämtlichen Facebook-Seiten in die Bresche, weil sie sagen: „Das kann‘s ja wohl nicht sein, was du dir da bieten lassen musst.“

Lieben Sie im Innersten auch ein bisschen die Provokation?
Nein, die liebe ich überhaupt nicht. Mein Urgedanke, nach dem Tod von meiner kleinen Schwester, war, einfach Musik zu machen. Andern damit Freude zu bereiten. Und dann tauchen auf einmal aus dem Nichts heraus deine Gegner auf. Wenn mir was nicht gefällt, dann lasse ich es einfach links liegen. Aber es würde mir nicht einfallen, jemanden durch den Dreck zu ziehen, nur weil das, was er macht, nicht mein Geschmack ist.

Till Eulenspiegel, der Vater der Narren, sagte: Ich bin euer Spiegel. Sind Sie ein Spiegel unserer Zeit?
Sagen wir so: Ich singe jedenfalls nicht an den Leuten vorbei. Ob das jetzt ein Spiegel der Zeit ist, lassen wir dahingestellt. Was ich aber sehr wohl bin: Ich bin ein großer Wirtschaftsfaktor geworden. Die Leute kommen auf Urlaub nach Schladming zu Zigtausenden alle Jahre. Oder ins Happel-Stadion, da pilgern Menschen herunter von Deutschland, von der Tschechei, von Südtirol, aus ganz Österreich nach Wien. Die kaufen sich zu Hunderttausenden Tracht. Wer hätte in Hamburg, in Bremen, in Sylt, in Kiel vor fünf Jahren ein Dirndlkleid im Kasten gehabt? Heute kommen sie im Dirndl zu meinen Konzerten. Auch in Frankfurt hat kein Mensch jemals eine Tracht getragen. Auf meinen Konzerten siehst du keine einzige Jeans mehr seit zwei, drei Jahren.

Apropos Wirtschaftsfaktor: Haben Sie den Multimillionär schon geschafft?
Andreas Gabalier hat es jetzt plötzlich sehr eilig. - Drunten in der Lobby wartet schon wieder jemand auf mich. Wir müssen Schluss machen. Nur eine Bitte hätte ich noch.

Welche wäre das?
Gebt nicht jedem Krautschädl, den vorher keiner gekannt hat, eine Plattform, nur weil er den bösen, bösen Gabalier nicht mag.

2019 KNACKT ER DIE MILLIONENGRENZE
Geboren am 21. November 1984 in Graz als zweitältestes Kind von Wilhelm und Huberta Gabalier. Andreas studiert zunächst Jus und startet seine Volksmusiker-Karriere 2009 beim „Musikantenstadl“. Innerhalb von zwei Jahren nehmen sich sein Vater und seine Schwester das Leben. Das Lied „Amoi seg‘ ma uns wieder“ ist ihnen gewidmet. Seine Konzerte sind ausverkauft, 2019 wird er den einmillionsten Zuhörer begrüßen. Vielfach ausgezeichnet („Bambi“, „Echo“, „Amadeus Award“). Liiert mit Moderatorin und Designerin Silvia Schneider.

Conny Bischofberger, Kronen Zeitung

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