18.11.2018 20:40 |

Klarer Final-Erfolg

Zverev lässt Djokovic bei ATP-Finals keine Chance!

Der gerade einmal 21 Jahre alte Alexander Zverev hat am Sonntag im Endspiel der ATP-Finals seinen bisher größten Erfolg gefeiert! Mit einem 6:4, 6:3 gegen den favorisierten Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic verhinderte der Deutsche den sechsten Triumph des Serben beim Saisonabschlussturnier, womit der „Djoker“ Rekordhalter Roger Federer eingeholt hätte. Federer war Zverev im Halbfinale unterlegen.

Zverev wird sich in der Weltrangliste auf Position vier verbessern. Gegen den heurigen Gewinner von Wimbledon und der US Open zeigte er nur einmal Nerven. Nachdem er den ersten Satz gewonnen und auch im zweiten gleich mit einem Break vorgelegt hatte, unterlief ihm ein schwaches Aufschlagspiel mit zwei Doppelfehlern und zwei weiteren einfachen Fehlern. Er fing sich jedoch sogleich wieder und nahm Djokovic das dritte Aufschlagspiel in Folge ab. Auf dem Weg in das Finale hatte der zehn Jahre ältere Serbe kein Service-Game abgeben und nur zwei Breakbälle abwehren müssen. Zverev schlug aber wie gegen Federer exzellent auf und hielt überraschend auch in den langen Ballwechseln von der Grundlinie mehr als nur mit. Und plötzlich wirkte Djokovic, der seit Wimbledon 35 von 37 Matches gewonnen - und nie gegen einen Top-10-Spieler verloren - hatte, wieder menschlich und verletzlich.

Er leistete sich ungewohnt viele Fehler und schien auch physisch nicht ganz auf der Höhe zu sein. In der Vorrunde war Zverev von Djokovic noch mit 6:4, 6:1 deklassiert worden. Diesmal drehte der Sohn des ehemaligen sowjetischen Tennisprofis Alexander Zverev senior dieses Ergebnis aber fast um. „Ich glaube, mein Vater wird bis zum Ende des Jahres mit dem Weinen nicht mehr aufhören“, sagte Zverev bei der Siegerehrung. „Das ist natürlich der größte Erfolg in meiner Karriere. Ich kann es noch gar nicht fassen.“ Ein brillanter Rückhand-Passierball brachte Zverev nach nur 80 Minuten den Sieg. Die Statistik sprach eine klare Sprache. Zverev ließ sich auf den blauen Untergrund fallen und schlug ungläubig die Hände vor sein Gesicht.

Danach ging er in seine Box und fiel seinem Vater und seinem Coach Ivan Lendl um den Hals. Zverev schlug mehr Winner (20:7) und beging weniger unerzwungene Fehler (18:23). Er ist nun der bisher jüngste Gewinner des Turniers und der erste Deutsche seit dem Erfolg von Boris Becker im Jahr 1995. In der Vergangenheit gab es immer wieder überraschende Finals-Sieger wie David Nalbandian (ARG), Nikolai Dawydenko (RUS) oder im vergangenen Jahr Grigor Dimitrow (BUL). Ein wichtiges Puzzleteil ist Lendl, der erst im Juni als Coach zu Zverevs Team stieß. „Das läuft doch ganz okay“, meinte der Deutsche bei der Siegerehrung an die Adresse Lendls gerichtet. Dies entlockte der stoischen ehemaligen Nummer 1 den Anflug eines Lächelns.

Das Doppel-Endspiel war zuvor an Mike Bryan/Jack Sock gegangen, die US-Amerikaner besiegten die Franzosen Pierre-Hugues Herbert/Nicolas Mahut 5:7, 6:1, 13:11. Beim sechsten Matchball der Amerikaner unterlief Herbert ein Doppelfehler, nachdem die Franzosen zuvor selber eine Chance zum Sieg gehabt hatten. Der 40-jährige Mike Bryan ist nun der älteste Masters-Sieger der Geschichte. Die Bryan-Brüder hatten gemeinsam von 2006 bis 2014 insgesamt 16 Grand-Slam-Titel geholt. Nach vier Jahren ohne großen Triumph musste sich Bob im Juli an der Hüfte operieren lassen. Deshalb tat sich der Rechtshänder Mike mit Jack Sock zusammen - mit durchschlagendem Erfolg. Mike Bryan hatte sich sowohl mit seinem Zwillingsbruder als auch mit Sock für die ATP Finals qualifiziert. Im Einzel ist der letztjährige Masters-Halbfinalist Sock nach einem miserablen Jahr aus den Top 100 gefallen.

Alle Sieger der ATP Finals im Einzel seit 1990
1990 (Frankfurt): Andre Agassi (USA) - Stefan Edberg (SWE) 5:7, 7:6, 7:5, 6:2
1991 (Frankfurt): Pete Sampras (USA) - Jim Courier (USA) 3:6, 7:6, 6:3, 6:4
1992 (Frankfurt): Boris Becker (GER) - Jim Courier (USA) 6:4, 6:3, 7:5
1993 (Frankfurt): Michael Stich (GER) - Pete Sampras (USA) 7:6, 2:6, 7:6 ,6:2
1994 (Frankfurt): Pete Sampras (USA) - Boris Becker (GER) 4:6, 6:3, 7:5, 6:4
1995 (Frankfurt): Boris Becker (GER) - Michael Chang (USA) 7:6, 6:0, 7:6

1996 (Hannover): Pete Sampras (USA) - Boris Becker (GER) 3:6, 7:6, 7:6, 6:7, 6:4
1997 (Hannover): Pete Sampras (USA) - Jewgenij Kafelnikow (RUS) 6:3, 6:2, 6:2
1998 (Hannover): Alex Corretja (ESP) - Carlos Moya (ESP) 3:6, 3:6, 7:5, 6:3, 7:5
1999 (Hannover): Pete Sampras (USA) - Andre Agassi (USA) 6:1, 7:5, 6:4
2000 (Lissabon): Gustavo Kuerten (BRA) - Andre Agassi (USA) 6:4, 6:4, 6:4
2001 (Sydney): Lleyton Hewitt (AUS) - Sebastien Grosjean (FRA) 6:3, 6:3, 6:4

2002 (Shanghai): Lleyton Hewitt (AUS) - Juan Carlos Ferrero (ESP) 7:5, 7:5, 2:6, 2:6, 6:4
2003 (Houston): Roger Federer (SUI) - Andre Agassi (USA) 6:3, 6:0, 6:4

2004 (Houston): Roger Federer (SUI)- Lleyton Hewitt (AUS) 6:3, 6:2
2005 (Shanghai): David Nalbandian (ARG) - Roger Federer (SUI) 6:7, 6:7, 6:2, 6:1, 7:6
2006 (Shanghai): Roger Federer (SUI) - James Blake (USA) 6:0, 6:3, 6:4
2007 (Shanghai): Roger Federer (SUI) - David Ferrer (ESP) 6:2, 6:3, 6:2
2008 (Shanghai): Novak Djokovic (SRB) - Nikolaj Dawydenko (BLR) 6:1, 7:5
2009 (London): Nikolaj Dawydenko (BLR) (RUS) - Juan Martin del Potro (ARG) 6:3, 6:4
2010 (London): Roger Federer (SUI) - Rafael Nadal (ESP) 6:3, 3:6, 6:1
2011 (London): Roger Federer (SUI) - Jo-Wilfried Tsonga (FRA) 6:3, 6:7, 6:3
2012 (London): Novak Djokovic (SRB) - Roger Federer (SUI) 7:6, 7:5
2013 (London): Novak Djokovic (SRB) - Rafael Nadal (ESP) 6:3, 6:4
2014 (London): Novak Djokovic (SRB) - Roger Federer (SUI) w.o.
2015 (London): Novak Djokovic (SRB) - Roger Federer (SUI) 6:3, 6:4
2016 (London): Andy Murray (GBR) - Novak Djokovic (SRB) 6:3, 6:4
2017 (London): Grigor Dimitrow (BUL) - David Goffin (BEL) 7:5, 4:6, 6:3
2018 (London): Alexander Zverev (GER) - Novak Djokovic (SRB) 6:4, 6:3

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