29.09.2018 06:59 |

Olé, Olé, Olé!

„PES 2019“ im Test: Mit dem Herz auf dem Rasen

FC United of Manchester oder Austria Salzburg stehen im krassen Gegensatz zu Manchester United oder Red Bull Salzburg. Auf der einen Seite von Fans gegründete Vereine bei denen es um Tradition und den Kern des Spiels geht, auf der anderen auf Profit ausgerichtete, wie Konzerne geführte Unternehmen, die ihren Kunden - Zuschauern und Fans - ein Hochglanzprodukt anbieten. Genauso verhält es sich mit Konamis „Pro Evolution Soccer“ und „FIFA“ von Electronic Arts.

Die „PES“-Serie hat eine treue Fangemeinde, die höchstens abfällig über das Kommerz-Produkt „FIFA“ die Nase rümpft. Alle Versuche, „PES“ für den Massenmarkt zu öffnen, scheiterten. Zu viele Lizenzen hatte sich der Rivale geschnappt. Zu allem Überdruss gelang es dem Konkurrenten auch noch, auf der spielerischen Seite zu „PES“ aufzuschließen. Der größte Vorteil war somit fast dahin.

Ohne Champions League
Auch dieses Jahr beginnt mit einem Nackenschlag: Die prestigeträchtige UEFA Champions League wanderte zur Konkurrenz von EA. Der sonstige Umfang und Spielmodi bieten ebenfalls keine entscheidenden Neuerungen. Ein Story-Modus fehlt etwa weiterhin. Die hinzugekommenen Lizenzen - schottische und russische Liga - wiegen das bei Weitem nicht auf. Für die meisten ist ein Spiel gegen die East Sussex Blues eben weniger prickelnd als - wie in „FIFA“ - gegen Brighton & Hove Albion.

Dafür weiß die Ingame-Grafik zu gefallen. Mit viel Liebe zum Detail wurden die Spieler und die Stadien modelliert. Das trifft ebenso auf fast alle Animationen zu. Den Anspruch, Simulation und kein Arcade-Spiel zu sein, verdeutlichen etliche Kleinigkeiten. So kann es schon mal passieren, dass Spieler bei einer abrupten Richtungsänderung ausrutschen und ihr Gleichgewicht verlieren.

Spielwitz und Freude
Geht es um das Offensivspiel, strotzt „PES 2019“ nur so vor Spielwitz und Freude. Schon nach kurzer Zeit geht das Passspiel intuitiv in Fleisch und Blut über. Schöne Kurzpass-Stafetten, Lochpässe oder Diagonalpässe sind die Folge. Die KI gesteuerten Mitspieler attackieren konsequent die Lücken in der Verteidigung oder bieten sich in den Zwischenräumen an. Die Schönheit des Spiels wird hier auf Champions League Niveau gerade zu zelebriert. Chapeau, Konami!

Ein Hauptgrund ist, das im Gegensatz zu „FIFA“ deutlich niedrigere Spieltempo, welches aber erst die vielfältigen Möglichkeiten des Spiels so richtig zur Geltung bringen. Nicht ganz so komfortabel sind Tricks im Dribbling abzurufen, wodurch man sich meistens auf Standard-Aktionen beschränkt.

Das Verteidigen gestaltet sich dagegen mitunter etwas zäh. Fans des gepflegten Catenaccios werden daher keine rechte Freude haben. Das liegt unter anderem an den KI gesteuerten Kollegen, die sich zu oft nicht erbarmen können, die aufgehen Löcher zu stopfen. Viel lieber bleiben sie einfach stehen, wohl in der Hoffnung, der Angreifer werde schon schnurstracks in sie hineinlaufen.

Taktik-Änderung auf Knopfdruck
Schön gelöst wurde die Möglichkeit, das taktische Verhalten bei Ballverlust zu verändern. Einfach das digitale Steuerkreuz zwei Mal nach oben antippen und schon wird der Gegner vehementer attackiert. Zwei Klicks in die entgegensetzte Richtung und die Spieler lassen sich mehr fallen, um die Räume in der eigenen Hälfte enger zu machen.

Kein Wort über die Torhüter? Ein gutes Zeichen. Normalerweise werden sie erwähnt, wenn ihr programmiertes Verhalten zu Slapstick-artigen Aktionen führt. In „PES 2019“ erledigen sie ihren Job jedoch für gewöhnlich äußerst zufriedenstellend.

Fazit: „PES 2019“ ist eine Perle, wenn um die Seele und den Kern des Spiels an sich geht, allen voran das Offensiv-Spiel. Es wird allerdings, zu Unrecht, weiter eher ein Nischendasein fristen. Das liegt weniger am Umfang und der Präsentation als an den fehlenden Lizenzen. Der Durchschnittspieler möchte eben mit seinem Klub und Spielern auf Torjagd gehen. Nichtsdestotrotz: „PES 2019“ wird seinem Anspruch, eine waschechte Fußball-Simulation zu sein, vollauf gerecht.

Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Publisher: Konami
krone.at-Wertung: 8/10

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