Fr, 16. November 2018

Grünen-Chefin geht

02.09.2018 12:13

Vassilakou: „Ich kandidiere nicht mehr“

Maria Vassilakou wird bei der nächsten Wien-Wahl im Jahr 2020 nicht mehr als Chefin der Wiener Grünen antreten. Wie sie am Sonntagvormittag im Wiener Presseclub Concordia bekannt gab, stehe sie nur mehr „bis zum Rechnungsabschluss 2018 (Anm. Juni 2019) als Stadträtin und Vizebürgermeisterin zur Verfügung“. Bis dahin soll ihre Nachfolge geregelt sein. Zuletzt waren Rücktrittsgerüchte um die Wiener Vizebürgermeisterin immer lauter geworden. Wer sie an der Spitze der strauchelnden Wiener Grünen ablöst, wird in einer internen Abstimmung entschieden.

Zuletzt hatten sich bereits zwei potentielle Nachfolger für Vassilakou in Stellung gebracht. Zum einen der Gemeinderat Peter Kraus, zum anderen der Klubchef der Wiener Grünen im Rathaus, David Ellensohn. Ellensohn hatte bereits vergangene Woche, als er seine Kandidatur für die interne Spitzenwahl bekannt gab, betont, dass Vassilakou ihr Amt noch vor der Wien-Wahl im Jahr 2020 zur Verfügung stellen solle - zumindest, sofern sie die Liste nicht weiter anführen wolle.

Grünen-Chefin tritt nach viel Kritik Rückzug an
Nun wird die Vizebürgermeisterin und Landeschefin der Grünen tatsächlich den Rückzug antreten. Vassilakou begründete ihren schrittweisen Rückzug mit jenem Versprechen, das sie, wie sie berichtete, im vergangen Jahr bei einer Landesversammlung abgegeben habe. Damals habe sie angekündigt, dass sie die Erneuerung und Öffnung der Wiener Grünen anstrebe: „Das löse ich nun ein. Und ich beginne bei mir selbst.“ Und weiter: „Jetzt sind die Nächsten am Zug und sie können sich meiner Unterstützung gewiss sein“, betonte die Ressortchefin. Für die kommenden Wochen wünsche sie sich einen fairen Wettbewerb der Ideen und Visionen: „Ich will von den Kandidaten hören, wie sie die beste Stadt der Welt weiterentwickeln wollen.“

Der Rückzug habe aber auch persönliche Grüne, berichtete die Vizebürgermeisterin. Sie sei zwar ein „genuines Zoon Politikon“, das Leben in der erste Reihe sei aber sehr intensiv. Sie werde demnächst 50 und habe immerhin die Hälfte ihres Lebens in der Politik verbracht. Wobei sie beteuerte: „Es waren 25 wunderbare, erfüllte Jahre.“ Sie sei nun gespannt, wer die anstehende Wahl bei den Grünen für sich entscheiden werde. Bis zur Übergabe werde man die „hyperaktive Frau Vassilakou“ allerdings noch „voller Lust und Tatendrang bei der Arbeit für die beste Stadt der Welt“ antreffen, versprach sie am Ende ihrer Erklärung.

Heumarkt, „Mahü“ und Citymaut
Vassilakou war in den letzten Jahren immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik gestanden - auch in der eigenen Partei. So hatte etwa die Umgestaltung der Mariahilfer Straße oder der geplante Hochhaus-Bau am Heumarkt für Missstimmung gesorgt. Auch die Forderung nach einer Citymaut oder neue Radwege, die auf Kosten von Parkplätzen geschaffen wurden, hatte die Emotionen bei Wiens Autofahrern hochkochen lassen.

Vassilakous Weigerung, den Heumarkt-Deal abzublasen, führte zu einer von Kritikern angezettelten Rücktrittsdebatte, die „die Mary“ mit der Vertrauensfrage auf der Landesversammlung im Herbst 2017 gerade noch einfangen konnte. Den Unmut von Teilen der eigenen Basis hatte sich die grüne Nummer Eins aber schon vorher mit ihrer Ankündigung vor der Wien-Wahl 2015 eingehandelt, im Fall von Verlusten für die Grünen zurückzutreten. Die Verluste kamen, Vassilakou blieb. Nun räumt die wohl polarisierendste Ressortchefin der Stadt aber doch in absehbarer Zeit den Chefsessel.

Von Athen ins Wiener Rathaus
Geboren am 23. Februar 1969 in Athen als einziges Kind einer Goldschmiedin und eines Bauunternehmers, kam Maria Vassilakou 1986 nach der Matura für ein Sprachstudium nach Wien. Die Stadt ließ sie nicht mehr los. Bald startete sie ihre politische Karriere. 1995 erfolgte der Wechsel in den Grünen Klub im Wiener Rathaus. 1996 zog sie in den Landtag ein, 2001 trat sie auf dem prominenten zweiten Listenplatz an und wurde nach dem Wahlerfolg nicht amtsführende Stadträtin. 2005 ging sie bereits als Spitzenkandidatin ins Rennen, zuvor war sie Christoph Chorherr als Klubvorsitzende gefolgt.

2010 brachte mit Rot-Grün gleich zwei neue Titel für die grüne Frontfrau: Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung sowie Vizebürgermeisterin. Als solche scheute sie auch den Zwist mit der SPÖ nicht, was sie durchaus selbstironisch in Szene setzte: Im Vorfeld der Wien-Wahl 2015 ließ sie sich als Hexe plakatieren, die den „Michi Häupl nicht immer so ärgern“ solle. Bis 2016 war sie zudem stellvertretende Bundessprecherin der Grünen.

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