Di, 17. Juli 2018

Drama in Graz

12.06.2018 22:19

Unwetter über Österreich fordern erstes Todesopfer

Heftige Unwetter haben auch am Dienstag weite Teile Österreichs in Atem gehalten. Besonders tragische Nachrichten kommen aus der Steiermark: Im Grazer Stadtpark wurde ein Mann durch einen umstürzenden Baum getötet. Der Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich musste zudem zum Katastrophengebiet erklärt werden. Auch im Burgenland und in Vorarlberg hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun.

Laut Berufsfeuerwehr Graz fiel in der Landeshauptstadt ein Baum auf einen Passanten. Nahe dem Forum Stadtpark entwurzelten orkanartige Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 120 km/h eine Föhre, die auf eine Fichte fiel. Diese stürzte ebenfalls um und traf einen 26-Jährigen am Kopf. Der junge Mann kam unter dem Stamm zu liegen und war auf der Stelle tot. Die Angehörigen werden vom Kriseninterventionsteam betreut. Der Stadtpark sowie der Schloßberg sind nun aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres gesperrt.

Die Sturmböen ließen auch Bäume und Äste auf Oberleitungen von Straßenbahnen stürzen. Im öffentlichen Verkehr kam es zu massiven Verspätungen. Die Gewitterfront zog schnell auf, war aber nach wenigen Minuten wieder vorbei. Bei der Grazer Berufsfeuerwehr gingen binnen eineinhalb Stunden rund 150 Notrufe ein. Wehren aus dem Bezirk Graz-Umgebung kamen den Kollegen in der Landeshauptstadt zu Hilfe.

Schwere Schäden an Stromleitungen
Die Energie Steiermark sprach von schweren Schäden an Stromleitungen vor allem südlich der Mur-Mürz-Furche, im Großraum Graz und im Bezirk Weiz. Rund 500 Trafostationen waren vorübergehend abgeschaltet oder ausgefallen. Sprecher Urs Harnik-Lauris zufolge hatten rund 14.000 Haushalte keinen Strom. Vor Einbruch der Dunkelheit waren es noch 9.500 und rund 250 Trafostationen.

Heftige Gewitter auch in Niederösterreich
Auch auf Niederösterreich gingen heftige Gewitter nieder. Die Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen teilte am frühen Dienstagabend mit, dass „eine Katastrophe vorliegt“. Diese Einschätzung gelte seit 15.30 Uhr. Das Bezirksfeuerwehrkommando Neunkirchen nannte am späten Abend dann mehr als ein Dutzend vom Unwetter besonders betroffene Gemeinden. Angeführt wurden Enzenreith, Feistritz a.W., Gloggnitz, Grimmenstein, Kirchberg a.W., Otterthal, Puchberg am Schneeberg, Raach am Hochgebirge, Scheiblingkirchen, Seebenstein, Pitten, Ternitz-Sieding und Warth. Neben mehreren Bundes- und Landesstraßen musste auch die Aspangbahn gesperrt werden.

Beim Roten Kreuz waren am Abend im Bezirk Neunkirchen neben 60 Personen auch doppelt so viele Notärzte wie im Normalfall im Einsatz. Die Standorte für den Regelrettungsdienst wurden erweitert, um im Notfall trotz der vielfach schlechten Fahrbedingungen schnell an Ort und Stelle sein zu können. Neben Rettungssanitätern waren auch Katastrophenhelfer und die Hundeführer der Suchhundestaffel Neunkirchen aufgeboten. 40 weitere Kräfte blieben für die Nacht in Bereitschaft.

Feuerwehrsprecher Franz Resperger berichtete am Dienstagabend von 150 Einsatzstellen in den Bezirken Neunkirchen und Wiener Neustadt. „Es werden mehr“, fügte er hinzu. Mehr als 750 Helfer waren aufgeboten. Sie beobachteten auch die Pegel der Bäche und Flüsse in der Region. Das Rote Kreuz bereitete aufgrund der weiterhin angespannten Wetterlage Notunterkünfte für die Nacht in Scheiblingkirchen, Gloggnitz, Puchberg am Schneeberg und Kirchberg am Wechsel vor. Zudem wurden 1000 Liter Getränke, 500 Würstel, 700 Semmeln, 15 Kilo Äpfel und 300 Müsliriegel zur Ausgabe verladen.

Mehrere Ortschaften teilweise auch abgeschnitten
Mehre Orte seien nur über Umwege erreichbar, teilte das Rote Kreuz weiter mit. Ortschaften seien teilweise auch abgeschnitten. Gerettet werden mussten auch in anderen Teilen Niederösterreichs vor allem gehbehinderte Menschen. Gemeinden, die vom Unwetter besonders stark getroffen wurden, waren unter anderem Otterthal, Raach am Hochgebirge und Warth. Die Feuerwehren brachten Hunderte Sandsäcke in die betroffenen Ortschaften. In der Gemeinde Enzenreith wurde eine Brücke über den Syhrnbach weggerissen. Bundes- und Landesstraßen wurden in einigen Gemeinden im Bezirk teilweise hüfthoch überschwemmt und mussten gesperrt werden.

Kleine Bäche seien zu reißenden Flüssen geworden, sagte Resperger. In einer Mure sei ein Rettungswagen mit einem Notfallpatienten stecken geblieben. Die Helfer mussten das Fahrzeug befreien. Die Aufräumarbeiten in den vom Unwetter getroffenen Gemeinden werden laut dem Feuerwehrsprecher jedenfalls bis Mittwoch dauern.

Heftige Regenfälle: Mehr als 100 Einsätze auch in Krems
Heftige Regenfälle haben am Dienstag auch die Feuerwehren im Bezirk und insbesondere im Stadtgebiet von Krems gefordert. Ab 17 Uhr rückten die Helfer zu mehr als 100 Einsätzen aus. Dutzende Keller und Liftschächte mussten ausgepumpt werden, Straßen waren teilweise bis zu 40 Zentimeter hoch überflutet (siehe Video oben), vorübergehende Sperren waren die Folge. Besonders betroffen war laut Freiwilliger Feuerwehr Krems der Stadtteil Mitterau. Dort waren die Helfer in 16 Hochhäusern im Einsatz. Einige Gebäude waren kurzzeitig ohne Strom.

Zahlreiche Häuser waren auch entlang der Ringstraße betroffen. Im Bundesrealgymnasium Krems drang Wasser über Klassenräume in das Stiegenhaus ein. Aus der Altstadt wurden Wassereintritte in eine Apotheke, ein Hotel, eine Arztpraxis und mehrere Restaurants gemeldet. Im Bereich der Langenloiserstraße gab eine Weingartenmauer nach. Am Campus drang Wasser in den Keller ein, im Bereich der Kläranlage musste als Vorsichtsmaßnahme eine Barriere mit Sandsäcken errichtet werden. Zu den letzten Einsätzen wurde die Feuerwehr gegen 19 Uhr gerufen. Insgesamt 150 Helfer waren aufgeboten.

Besonders fordernd sei die große Anzahl an Einsätzen gewesen, die gleichzeitig zu absolvieren waren, sagte der Kommandant der Feuerwehr Krems, Gerhard Urschler. Verletzt wurde niemand, allerdings blieben einige Autofahrer liegen, die mit ihren Fahrzeugen durch die Wassermassen gefahren waren. Außerhalb der Stadt Krems stand die Feuerwehr in Mautern, Lengenfeld und Langenlois im Unwettereinsatz.

Einsatzkräfte auch im Burgenland gefordert
Ein Gewitter hatte am Dienstagnachmittag auch im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland für überflutete Keller und Straßen gesorgt. Laut der Landessicherheitszentrale waren die Feuerwehren in den Gemeinden Kobersdorf, Weppersdorf, Neckenmarkt und Deutschkreutz mit Auspumparbeiten sowie mit dem Freimachen von Verkehrswegen beschäftigt. Im Bezirk Güssing war St. Michael betroffen.

Feuerwehrmann filmte kleinen Tornado im Salzkammergut
Im Salzkammergut filmte ein Feuerwehrmann einen kleinen Tornado mit seinem Mobiltelefon. Die Windhose demolierte ein Geländer und habe in der Wiese eine Schneise hinterlassen, teilte das Bereichsfeuerwehrkommando des Bezirks Liezen in einer Aussendung mit. Ein massiver Holzboden, bestehend aus Kantern und Pfosten, sei auf einer Fläche von etwa 30 Quadratmetern weggerissen worden. Die Trümmer flogen laut Feuerwehr bis zu 100 Meter weit durch die Luft.

Zahlreiche Einsätze auch in Vorarlberg
In Vorarlberg war besonders das Kleinwalsertal betroffen. Die Kleinwalsertalstraße wurde teilweise überschwemmt. Weil dort die Gefahr eines Hangrutsches bestand, habe man eine Fahrbahn sperren müssen, berichtete die Polizei. Laut Bürgermeister bleibt die Sperre vorsorglich vorerst aufrecht - zur Gefahreneinschätzung soll ein Geologe herangezogen werden.

 krone.at
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