Sa, 23. Juni 2018

Streit ums Essen

28.05.2018 15:18

50 Asylwerber gegen Polizei: Ramadan als Auslöser

Bei einem Einsatz in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Dresden waren am Wochenende - wie berichtet - etwa 50 Asylwerber auf Polizisten losgegangen. Der Übergriff endete mit drei Verletzten, zwei davon Polizeibeamte, und vier Festnahmen. Hieß es zunächst bloß, ein Streit bei der Essensausgabe sei eskaliert, hat sich nun herausgestellt, dass der islamische Fastenmonat Ramadan Auslöser des Konflikts in dem Asylheim war. Zumindest in Dresden laut den Behörden leider kein Einzelfall.

Am Freitagabend waren in der Erstaufnahmeeinrichtung in Dresden die Fetzen geflogen: Was als Streit bei der Essensausgabe begann, eskalierte zu einer handfesten Auseinandersetzung. 50 Bewohner, darunter mehrere Georgier, warfen dabei mit glühenden Zigaretten nach den Einsatzkräften, traten und schlugen die Beamte. Ein Angreifer soll sogar versucht haben, die Beamten mit einer Eisenstange aus seinem Bettgestell zu attackieren. Erst mit weiterer Verstärkung konnte die Lage wieder unter Kontrolle gebracht werden, wie die Polizeidirektion Dresden mitteilte. Vier Georgier wurden festgenommen, einer befindet sich mittlerweile in Abschiebehaft.

Ein Detail von besonderer Bedeutung wurde erst am Montag bekannt: Denn wie sich herausstellen sollte, war der Auslöser für die Gewalt ein Konflikt im Zusammenhang mit dem islamischen Fastenmonat Ramadan. Das bestätigte die zuständige Landesdirektion Sachsen gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Focus Online“.

„Der Konflikt vom 25. Mai 2018 geht auf zwei georgische Bewohner christlichen Glaubens zurück. Diese nehmen als Christen nicht am Ramadan teil und sind deshalb von den zusätzlichen Ramadan-Essenzeiten ausgeschlossen“, zitierte das Blatt aus einer entsprechenden Mitteilung. Trotzdem hätten die Männer versucht, bei der Ramadan-Essensausgabe in der Nacht eine Mahlzeit zu ergattern. „Die Zurückweisung akzeptierten sie nicht.“

Spezielle nächtliche Essenszeiten während Ramadan
Weil für gläubige Muslime während des Fastenmonats (16. Mai bis 14. Juni) Essen und Trinken tagsüber tabu sind, gibt es in der Dresdner Flüchtlingsunterkunft zusätzlich zu den drei regulären Essenszeiten zwei weitere Ramadan-Zeitfenster: von 20.30 bis 22 Uhr und von 1 bis 3 Uhr nachts. Diese Extra-Essenszeiten wurden laut Landesdirektion Sachsen schon zu Beginn des Fastenmonats eingerichtet und kommuniziert.

Dennoch war es bereits kurz nach Beginn des Ramadans am 17. Mai zu einem Zwischenfall in dem Asylheim gekommen, heißt es in dem Bericht weiter. Ein Tunesier war demnach in einem Essenszelt mit dem Sicherheitsdienst in Streit geraten und hatte mit einer Eisenstange nach einem Mitarbeiter geschlagen. Weitere Bewohner mischten sich ein, die Wachleute konnten in diesem Fall die Lage aber zum Glück beruhigen.

Vorfall auch in zweiter Dresdner Erstaufnahmeeinrichtung
Sind aus anderen deutschen Städten bislang keine ähnlichen Vorfälle mit Blick auf den Ramadan bekannt, bestünden laut „Focus Online“ diese Probleme in Dresden auch in einer zweiten Erstaufnahmeeinrichtung. Dort waren 25 Bewohner Mitte Mai auf Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes losgegangen und hatten diese mit Stühlen, Steinen und sogar einem Messer attackiert. Drei Wachmänner wurden damals verletzt, einer erlitt Stichverletzungen. Der Anlass war auch hier, dass ein Flüchtling wegen des Fastenmonats Essen auf dem Zimmer bunkern wollte.

„Wir haben diese Fälle, bei denen es zu Konflikten bei der Essensausgabe kommt, während des Ramadans vermehrt“, bestätigte auch ein Sprecher der Landesdirektion Sachsen. „Asylbewerber versuchen immer wieder, Essen mit auf die Zimmer zu nehmen. Das ist aus hygienischen Gründen jedoch nicht erlaubt.“ Flüchtlinge müssen im Speisesaal während der vorgegebenen Zeiten essen.

Harald Dragan
Harald Dragan

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