Mit Pomp und Trara

So beging Österreich den Nationalfeiertag

Österreich
26.10.2009 16:47
Mit Pomp und Trara ist am Montag der österreichische Nationalfeiertag begangen worden. In Wien empfing das Bundesheer zur großen Leistungsschau am Heldenplatz knapp 400.000 Besucher, bereits am Vormittag waren 1.159 Rekruten auf dem Platz am Ring angelobt worden. Das Parlament, Bundeskanzler Werner Faymann und zahlreiche Ministerien luden zudem zum Tag der offenen Tür, um die Institutionen der Demokratie näher kennenzulernen.

Eröffnet wurde der Nationalfeiertag vom offiziellen Österreich traditionell mit Kranzniederlegungen in der Krypta am äußeren Burgtor. Danach fand sich die Regierung zu einem Sonderministerrat zusammen. "Die österreichische Erfolgsformel heißt: Gemeinsamkeit", erklärte Faymann in seiner Rede. Österreich brauche ein "Sowohl als auch" und nicht ein "Entweder oder", dies gelte auch für aktuelle Debatten wie jene um Sozialleistungen, Pensionen und die Bedingungen an den Hochschulen. Die Geschichte müsse eine Warnung sein, heute das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen.

Wie jedes Jahr wurden auch heuer wieder Rekruten unter den Augen von Bundespräsident Heinz Fischer und der Regierung vor der Hofburg angelobt. Fischer betonte, das Bundesheer sei ein "Garant der inneren und äußeren Sicherheit unseres Landes" und sein Vertrauen sei trotz der jüngsten Bundesheer-Unfälle in Allentsteig "in vollem Umfang aufrecht". Auch Verteidigungsminister Norbert Darabos erklärte, das Bundesheer würde seine Aufgabe, Menschen Schutz und Hilfe zu bieten, täglich erfüllen. Ohne das Heer würde der Gesellschaft etwas fehlen, dies sollten auch die Kritiker nach den Allentsteig-Vorfällen bedenken. An die 1.159 Rekruten aus ganz Österreich appellierte Darabos, nie zu vergessen, dass sie ihren Einsatz dafür leisteten, um das Land "frei, demokratisch und weltoffen" zu erhalten.

Tag der offenen Tür
Bürgernah gaben sich am Nationalfeiertag die Hofburg, das Parlament und mehrere Ministerien, die zu einem Tag der offenen Tür geladen hatten. Etwa eine halbe Stunde Wartezeit mussten die Besucher in Kauf nehmen, um durch die Sicherheitskontrollen ins Parlament zu gelangen. Dort wurde die Möglichkeit geboten, den Nationalratssitzungssaal, den Bundesratsitzungssaal sowie den Historischen Sitzungssaal zu besichtigen. Exklusiv am Nationalfeiertag konnte man außerdem einen Blick in den Budgetsaal und den Empfangssalon mit den Porträts der vergangenen Nationalratspräsidenten werfen, erklärte Marianne Spazierer von der Parlamentsdirektion. Auch die Säulenhalle und das Palais Epstein waren zugänglich.

Das Interesse der Bevölkerung war groß, viele nutzten den Tag der offenen Tür für einen Familienausflug: "Wir wollten wissen, wie es hier wirklich ausschaut, weil wir das nur aus dem Fernsehen kennen", meinte eine Mutter, deren neunjährige Tochter unbedingt alles fotografieren wollte, um die Bilder später ihrer Lehrerin zeigen zu können. "Teilhaben an den Feierlichkeiten" wollte hingegen ein älteres Ehepaar aus dem Waldviertel, das das erste Mal das Parlament besuchte.

Dem Kanzler in die Augen schauen: Besuch bei Faymann
Auch Kanzler Faymann öffnete am Montag die Pforten seines Büros und ließ dort keine Hand ungeschüttelt, keinen Gruß unerwidert. Hunderte stellten sich an, um einmal dem Regierungschef persönlich in die Augen zu schauen. Kritik am Kanzler gab es nicht, das einzige Interesse des Volkes galt der Signatur eines Kanzlerfotos durch die Kanzlerhand.

Unmittelbar nach der mittlerweile traditionellen Angelobungszeremonie am Heldenplatz wurden die Neugierigen auch ins Kanzleramt vorgelassen. Schlangen bis zur Hofburg bildeten sich vor lauter Volk, das möglichst schnell einen Blick hinter die Kulissen der Regierenden werfen wollte. Wer zu spät kam, wurde mit bewegten Bildern getröstet. Auf einem Riesenbildschirm konnten die langsameren Interessierten bewundern, wie Faymann den Schnelleren die Hand schüttelte.

Finanzministerium nur mit Zelt am Heldenplatz
Deutlich bescheidener war der Andrang in den anderen Ministerien, die ihre Tür am Nationalfeiertag offen hielten. Das Finanzministerium begnügte sich überhaupt mit einem Zelt am Heldenplatz, wo vor allem die Kuriositäten-Sammlung des Zolls für Vergnügen der Österreicher sorgte. Herausgeputzt hatte sich das Außenministerium. Die Fahnen der EU-Staaten sowie jene der Union zierten das Gebäude am Minoritenplatz. Zu bestaunen gab es eine Diashow mit Ressortchef Michael Spindelegger, zu gewinnen Flugtickets.

Ein paar Häuser weiter galt es Unterrichts- und Wissenschaftsministerium zu begehen. Publikumsmagnet dort war das designte Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied. Vor allem ihre bunte Bürosessel-Sammlung gab den weniger schüchternen Besuchern Gesprächsstoff. Den meisten genügte freilich ein Foto mit der Ministerin, das umgehend ausgedruckt wurde. Zumindest in der Anfangsphase des Besuchertags wenig Aufregung gab es für Wissenschaftsminister Johannes Hahn, dessen Gedanken derzeit wohl irgendwo zwischen Brüssel und Audimax kreisen. Nicht allzu viele Besucher machten den Eindruck, als würden sie den Ressortchef überhaupt erkennen.

Heeresschau begeistert die Massen
Zu essen gab es freilich auch vor der Tür, selbst wenn am Nationalfeiertag nicht mehr freie Bahn für Würstel und Langos ist. Von Potatoe-Wedges bis Samosas gab es Kulinarisches aus aller Welt zu erwerben. Das Essen war freilich nur die Beilage. Denn noch ein wenig mehr Vergnügen bereitet am Nationalfeiertag offenbar die Heeresschau. Von einem Kletterturm bis zu Panzern und Hubschraubern - alles, was das Heer aufgeboten hatte, erfreute sich reger Beliebtheit des Publikums. Und so richtig hoch schlug das Patrioten-Herz, als die Edlseer in ihre Mikrofone tönten: "Rot-Weiß-Rot, die schönsten Farben für ein Land wie Österreich".

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