Fall "Kalinka"

Vater der Getöteten hat nach 27 Jahren "endlich Frieden"

Ausland
22.10.2009 12:47
"Ich habe meinen Frieden gefunden." 27 Jahre dauerte es, bis der Vater der kleinen Kalinka endlich diesen einen Satz sagen konnte. Nachdem er den mutmaßlichen Mörder seiner Tochter nach Frankreich entführen ließ, scheint es nun nämlich so, als ob die Gerechtigkeit siegen würde: Über den entführten und geknebelt vor einem Gericht abgelegten Deutschen Dieter K. wurde U-Haft verhängt.

"Ich habe mein Ziel erreicht", sagte der 71-jährige Andre Bamberski der französischen Tageszeitung "Le Parisien/Aujourd'hui en France" vom Donnerstag. Der Mann hatte Entführer beauftragt, den Lindauer Kardiologen Dieter K. nach Frankreich zu verschleppen, wo dieser in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war.

Entführer aus Vorarlberg stellte sich selbst der Polizei
Ein an dem Coup beteiligter Mann lebt in Vorarlberg. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft im bayerischen Kempten hatte sich der 38-Jährige aus dem Kosovo stammende und im Rheintal lebende Verdächtige selbst der Polizei gestellt. Er habe sein Mitwirken an der Entführung gestanden und die Tatbeiträge seiner noch unbekannten Komplizen beschrieben. Der Staatenlose wurde im Wege der Amtshilfe für die Kemptener Staatsanwaltschaft in Vorarlberg einvernommen und befindet sich nicht in Haft. Näheres wollten die Behörden am Donnerstagvormittag dazu nicht bekannt geben.

"Für diesen Augenblick habe ich 27 Jahre geopfert"
"Der Mörder meiner Tochter wird verurteilt werden", betonte Bamberski, dessen Tochter Kalinka vor 27 Jahren getötet worden war, im Interview mit der Zeitung. Er habe 27 Jahre lang sein berufliches und privates Leben geopfert, um Gerechtigkeit zu erlangen.

Ein Pariser Richter ordnete am Mittwochabend an, dass der Mediziner - der nach der Entführung noch im Krankenhaus behandelt wird - in Haft bleiben muss. Die Polizei hatte den 74-jährigen Deutschen in der Nacht auf Sonntag gefesselt und geknebelt in der Nähe eines Gerichtsgebäudes im ostfranzösischen Mülhausen gefunden. Der Kardiologe war 1995 in Frankreich in Abwesenheit verurteilt worden, weil er Bamberskis leibliche Tochter - die die Stieftochter des Arztes war - eine tödliche Spritze verabreicht haben soll. Die deutsche Justiz stellte das Verfahren dagegen ein, weil sich die Todesursache ihrer Einschätzung nach nicht klar nachweisen ließ.

Kalinka betäubt und dann vergewaltigt?
Bamberski wirft dem deutschen Mediziner vor, seine Tochter betäubt und vergewaltigt zu haben. Die gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche habe der Arzt von einem befreundeten Kollegen machen lassen, um die Vergewaltigung zu vertuschen. Bei einer Exhumierung des Mädchens im Jahr 1985 habe sich herausgestellt, dass bei der Autopsie sämtliche Geschlechtsteile entfernt worden seien - und damit die Beweise für den Missbrauch seiner Tochter.

K. hatte seine Zulassung als Arzt in Deutschland 1997 wegen sexuellen Missbrauchs verloren. Das Landgericht Kempten befand ihn für schuldig, eine 16-jährige Patientin unter Narkose vergewaltigt zu haben. Er bekam dafür zwei Jahre Haft auf Bewährung, übte seinen Beruf aber illegal weiter aus. Was die Verurteilung in Frankreich angeht, argumentiert K.s Anwalt, sie sei ungültig. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte das französische Verfahren demnach 2001 für unzulässig erklärt. Dem französischen Gesetz zufolge müsste der Mediziner jetzt neu verurteilt werden, nachdem der Haftbefehl von 1993 gegen ihn vollstreckt werden konnte.

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