20.10.2009 16:29 |

Atom-Gespräche

Iran will an Uran-Anreicherung festhalten

Unbeeindruckt von den Atomgesprächen in Wien hält der Iran an der Anreicherung von Uran fest. Außenminister Manouchehr Mottaki (Bild) bekräftigte in Teheran, die Uran-Anreicherung sei ein unverzichtbares Recht seines Landes. Noch am Montag hatte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohamed ElBaradei, bezüglich der Gespräche zum iranischen Atomprogramm in Wien von einem "guten Anfang" gesprochen.

Auch am Dienstagabend gab sich ElBaradei noch zuversichtlich, wenn auch vorsichtiger. "Sie (die Gespräche) sind langsamer, als ich erwartet habe, aber wir bewegen uns vorwärts", sagte der IAEO-Generaldirektor. "Ich glaube, dass wir Fortschritte machen." Es gebe jedoch einige schwierige Fragen.

Beraten wurde am zweiten Tag der Verhandlungen in Wien über den Vorschlag, dass der Iran gering angereichertes Uran zur Verarbeitung nach Russland und Frankreich schicken soll. Dazu hatte sich der Iran bei den Atomgesprächen in Genf am 1. Oktober im Prinzip bereit erklärt. Nun sagte Mottaki jedoch, Frankreich werde als Lieferant für den Brennstoff, der aus hoch angereichertem Uran hergestellt wird, nicht gebraucht. Zur Begründung hieß es, das Land habe in der Vergangenheit eine Vereinbarung über die Lieferung von Nuklearmaterial nicht eingehalten.

Iran bleibt hart
Außenminister Mottaki sagte, er sehe bei den Atomgesprächen Fortschritte, die dazu führen könnten, dass der Iran das angereicherte Uran als Brennstoff erhält. Das Land benötigt das Nuklearmaterial nach eigenen Angaben für einen Reaktor, in dem Isotope für die Krebsbehandlung erzeugt werden. Bisher wurde dafür importierter Brennstoff verwendet, dessen Bestand nun zur Neige geht. Bei dem vom UNO-Sicherheitsrat geforderten Verzicht auf die Uran-Anreicherung bleibe der Iran dessen ungeachtet hart, sagte Mottaki.

Durch sein Entgegenkommen bei den Genfer Gesprächen hatte der Iran im Atomstreit Zeit gewonnen und war schärferen UNO-Sanktionen entgangen. Kommt die nun von Mottaki abgelehnte Uran-Anreicherung im Ausland, müsste das Land über 1.200 Kilogramm niedrig angereichertes Uran exportieren. Das wären 75 Prozent der von Teheran deklarierten iranischen Bestände und würde den Iran bei der Entwicklung einer Atombombe deutlich zurückwerfen. Teheran betont jedoch ohnehin, den Bau von Atomwaffen nicht anzustreben. Der Westen will diesen Beteuerungen jedoch nicht wirklich glauben.

Teheran dämpfte Erwartungen
Bereits vor Beginn der Verhandlungen hatte Teheran ein Nein zu westlichen Forderungen für eine Vereinbarung zur Urananreicherung angedeutet. Der staatliche Sender Press TV zitierte am Montag nicht nähere genannte Regierungsfunktionäre, wonach der Iran seine Bestände an niedrig angereichertem Uran behalten und das für den Betrieb des Forschungsreaktors benötigte höher angereicherte Uran aus dem Ausland beziehen wolle. Sollte Teheran auf diesen Bedingungen beharren, wäre der Erfolg der Gespräche in Wien gefährdet. Vor allem die USA würden einer solchen Vereinbarung nicht zustimmen.

Weiter internationale Spannungen
Für den Fall, dass keine Einigung zustande kommt oder sich kein Land findet, das Teheran angereichertes Uran liefern will, drohte der Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Shirzadian, damit, dass der Iran dann die Anreicherung selbst vornehmen werde. Dies wiederum würde die internationalen Spannungen wegen des iranischen Atomprogramms weiter verschärfen. Die USA haben die Regierung in Teheran wiederholt zur Beendigung der Urananreicherung aufgerufen. Diese Technik kann sowohl der Herstellung von Brennstäben für Atomreaktoren dienen als auch die Produktion von Atomwaffen vorbereiten.

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