Ruhe und Sauberkeit

Zwei neue Truppen für die Wiener Linien im Einsatz

Wien
13.10.2009 14:33
Im Netz der Wiener Linien wird ab 1. November Service großgeschrieben: Unter dem Titel "Linienservice" und "Reinigungsservice" werden dann zwei neue Ordnungstruppen an den Start gehen. Der 70-köpfige Linienservice soll für die Einhaltung der Beförderungsbestimmungen sorgen und hat im Ernstfall auch das Recht, Organstrafmandate zu verhängen. Der 50-köpfige Reinigungsservice wird hingegen während des laufenden Betriebs die Waggons reinigen.

Pro 100.000 Fahrten im Liniennetz gebe es zwar nur eine Beschwerde, so die zuständige Stadträtin Renate Brauner (SP) am Dienstag: "Aber auch diese eine Beschwerde ist uns noch zu viel." Abhilfe soll dabei nun der Linienservice schaffen, dessen Mitarbeiter ab Anfang November in gemischtgeschlechtlichen Zweierteams mit gelber Weste und blauer Baseballkappe im gesamten Liniennetz patrouillieren. Zunächst werden 40 Personen unterwegs sein, ab 1. Jänner 2010 ist dann volle Mannstärke erreicht. Besonders erfahrene Mitarbeiter seien für den Job ausgebildet worden, wobei auch Deeskalationsstrategien mitberücksichtigt würden, unterstrich die SPÖ-Politikerin.

Eine Übersicht über die Anzahl und Aufgaben der Ordnungshüter findest du in der Infobox!

Ein Fokus für den Linienservice seien der Kaugummi unter und die Füße auf dem Sitz, oder auch, ein altes Mütterchen beim Hinsetzen zu unterstützen: "Dass sind diese Alltäglichkeiten, die unser Leben ausmachen und für die wir uns auch verantwortlich fühlen." Entscheidend sei mithin die schiere Präsenz der Ordnungstruppe.

Organstrafverfügungen und Fahrscheinkontrollen
Wenn alles nichts hilft, können die Linienservicler allerdings als eisenbahnrechtliche Aufsichtsorgane auch durchgreifen und etwa bei Verunreinigungen eine Gebühr in Höhe von 50 Euro verlangen oder Organstrafmandate verhängen. Wenn es um Gewalt gehe, sei dies aber nach wie vor eine Sache der Polizei, unterstrich Brauner. Die bestehenden Einheiten wie die Fahrscheinkontrolleure oder die Stationsaufsicht bleiben erhalten, auch wenn die Linienservice-Mitarbeiter im Anlassfall auch Fahrscheine kontrollieren können.

Die 50 Mitglieder des Reinigungsservice werden hingegen primär in den schwächeren Betriebszeiten im U-Bahn-Netz im Einsatz sein und dort mit grün-gelber Weste für Sauberkeit sorgen. Die bestehenden 370 Reinigungskräfte blieben weiterhin erhalten, unterstrich Brauner.

SP lehnt einheitliche Stadtwache weiterhin ab
Eine einheitliche Stadtwache wie seit längerem von Teilen der Opposition gefordert, lehnten Brauner und Bürgermeister Michael Häupl (SP) erneut ab. Zwar sei bei den verschiedenen Ordnungsdiensten wie den Waste-Watchern, den Ordnungsberatern oder dem Linienservice das Prinzip das gleiche. Die konkrete Aufgabe sei allerdings jeweils spezifisch und die Instrumente darauf abgestimmt.

Ob es demnach noch weitere Ordnungsdienste in der Zukunft geben werde, könne man nicht sagen. "Wir machen das ja nicht aus Jux und Tollerei", unterstrich Häupl. Man reagiere auf die Wünsche der Wiener. Es gehe dabei nicht um Law und Order: "Es geht darum, dass wir wollen, dass die Leute gut miteinander umgehen."

Opposition verhöhnt erneut "Uniformensalat"
Nach der Präsentation der neuen Ordnungstruppen höhnte die Opposition einmal mehr über den "Uniformensalat". VP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter machte sich am Dienstag über den "mit Pomp und Trara präsentierten nächsten Kapperl-Streich der Wiener SPÖ" lustig. Man honoriere zwar, dass die Stadt Aufgaben der Polizei übernommen habe, aber auch das Prostitutionsgesetz sei Landessache, mutmaßte Walter über die Installierung von "Nightclub-Watchern" im Rotlichtmilieu. Auch "Bay-Watcher" für die städtischen Bäder traute er der SP angesichts der "Kreativität beim Erfinden neuer Ordnungsdienste" zu.

Die grüne Verkehrssprecherin Ingrid Puller nannte den Linienservice eine Husch-Pfusch-Aktion. Damit schaffe man lediglich eine Uniform mehr und hopple den Scharfmacherparolen von VP und FP hinterher. Es fehle ein durchdachtes Konzept, regte die Grün-Politikerin die Wiedereinführung etwa von Zugbegleitern an, wie dies in Bochum geschehen sei.

Teuer und wirkungslos prophezeiten die Freiheitlichen als Fazit nach Einführung der neuen Wiener-Linien-Organe. Schließlich könne die "überbordende" Kriminalität und Gewalt in Wiens U-Bahnen durch diese Einheiten nicht gestoppt werden. Sie forderten eine 150-köpfige U-Bahn-Polizei. Darüber hinaus sorgte sich Sicherheitssprecher Johann Gudenus darum, dass der SP die Kapperl-Farben langsam ausgehen könnten. Dann "werden die nächsten Brauner-Truppen wahrscheinlich Pudelhauben tragen", so seine Vermutung.

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