28.12.2017 10:00 |

„Providence Talks“

Neues Projekt gibt Wortarmut keine Stimme

Um die 21.000 Wörter sollte ein Kind unter drei Jahren Forschern zufolge jeden Tag hören, damit sich sein Gehirn optimal entwickeln kann. Manche hören jedoch weniger als 6000 Wörter. Hauptbetroffen von der Wortarmut sind Familien mit niedrigem Einkommen. Ein neues Projekt aus den USA will das ändern.

In einer bunt gemusterten Weste steckt ein kleines Aufnahmegerät, ein Wörter-Zähler. Mehr als 2400 Kleinkinder in Providence im Bundesstaat Rhode Island haben bisher so eine Weste bekommen. Sie nimmt alle Wörter auf, die die Mädchen und Buben über einen ganzen Tag verteilt hören. Mindestens 15.000, am besten aber um die 21.000 Wörter sollten es bei Kindern unter drei Jahren sein. Einige der Aufnahmegeräte hätten am Ende eines Tages weniger als 6000 Wörter angezeigt, sagt Caitlin Molina, Leiterin des Projekts mit dem Titel "Providence Talks".

Hauptbetroffen von der Wortarmut sind Familien mit niedrigem Einkommen. Studien haben gezeigt, dass Kinder aus solchen Familien bis zu ihrem vierten Geburtstag um 30 Millionen Wörter weniger gehört haben als Gleichaltrige aus Haushalten mit mittlerem und hohem Einkommen.

Fortschritte werden regelmäßig untersucht
"Providence Talks" wurde 2014 mit rund fünf Millionen Dollar (4,2 Millionen Euro) aus der Bloomberg-Stiftung gestartet. Bis Ende des Jahres sollen rund 2500 Kinder mitmachen. Mithilfe der für das Projekts entwickelten Aufnahmegeräte, die Wörter und sogar Gesprächswendungen zählen, wird der Fortschritt regelmäßig untersucht. Die Geräte filtern alles heraus, was aus dem Fernseher oder digitalen Geräten kommt.

"Bei mehr als zwei Dritteln der Familien hat sich die Zahl der Gespräche bedeutend erhöht", sagt Molina. Im Durchschnitt wurde 2017 rund 74 Prozent mehr gesprochen. Auch einige gut ausgebildete Kinderbetreuer hätten erst durch die Aufnahmegeräte gemerkt, wie wenig sie eigentlich sprechen.

Mehr als ein paar Stunden am Tag fernsehen kann bei kleinen Kindern auch zu geringerer Schultauglichkeit führen, insbesondere bei Kindern aus ärmeren Familien, wie eine Studie der New York University ergab. Für die im "Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics" veröffentlichte Studie untersuchen Forscher um Andrew Riber 807 Kinder um die fünf Jahre. Ergebnis: Je mehr die Kinder fernsahen - besonders wenn es mehr als zwei Stunden am Tag waren - desto schlechter waren ihre Rechenkenntnisse und ihre kognitive Kontrolle. Je weniger die Eltern verdienten, desto deutlicher wurden die negativen Auswirkungen.

Das Wort-Programm aus Providence wird ausgebaut
Bis Sommer 2018 sollen 500 weitere Familien aufgenommen und das Projekt auch in anderen Städten durchgeführt werden. "Es gibt riesengroßes Interesse", sagt Leiterin Molina. In den USA wird derzeit ein ähnliches Programm verbreitet - allerdings für noch kleinere Kinder. Mit "Talk With Me Baby" solle Ärzten, Krankenschwestern und Eltern deutlich gemacht werden, wie wichtig es ist, schon mit ganz kleinen Babys zu sprechen, erklärt Mitgründerin Ashley Darcy Mahoney von der Emory University. "Wir sagen Krankenschwestern, dass sie mit dem Baby schon direkt nach der Geburt sprechen sollen. Sie können ihm zum Beispiel 'Happy Birthday' vorsingen und so merken, dass das ein ganz normales Verhalten ist."

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