27.12.2017 06:00 |

Neue Ministerin

Müssen Sie Politik erst lernen, Frau Schramböck?

Die neue Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (47) spricht mit Conny Bischofberger über ihre Trennung von A1, die Ankunft im neuen Job und ehemaligen Büro von Reinhold Mitterlehner und ihr großes Faible, die Digitalisierung.

Die Portierin am Stubenring 2 muss ihren Namen erst lernen. "Sie sind bei Frau Schrambock gemeldet? Gerne!" Im Büro der neuen, parteilosen Wirtschaftsministerin ist noch alles so, wie es unter dem ehemaligen ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner war. Margarete Schramböck nimmt unter dem modernen Gemälde Platz, das sie möglicherweise sogar behalten wird. "Aber entschieden habe ich mich noch nicht", sagt die Managerin. Sie trägt ein dunkelblaues Kleid, dunkelblauen Blazer, dazu Stiefel und ihre blonden Haare offen. Die graublauen Augen strahlen Vitalität und Humor aus, und in ihrer Sprachmelodie klingt noch immer das Tirolerische mit.

"Krone": Frau Ministerin, klingt die neue Anrede schon vertraut?
Margarete Schramböck: Frau Minister ist auch okay. Aber am schönsten finde ich: Frau Minister, du, Margarete! Das ist so üblich in der neuen Volkspartei, dass wir uns alle duzen und als Team sehr freundschaftlich zusammenarbeiten.

Hat der Parteichef einen Spitznamen?
Nein, wir nennen ihn Sebastian. In Tirol hätte man seinen Namen wahrscheinlich schon abgekürzt. Auch mich wollten sie, als ich ein Kind war, Gretl nennen. Aber da wurde ich ganz wild und somit ist es Margarete geblieben.

Sie sind eine klassische Quereinsteigerin. Müssen Sie Politik erst lernen?
Ich lerne jeden Tag dazu und ich habe dabei viel Unterstützung. Schön ist, dass ich in der neuen Volkspartei nicht die Einzige bin, die von außen kommt, im Gegenteil. Wir sind eigentlich alle neu, wir lernen gemeinsam rasch und mit Sebastian Kurz haben wir einen sehr erfahrenen Politiker, von dem wir uns viel abschauen können.

Haben Sie Rhetorikseminare besucht?
Nein. In Tirol sagt man: "I konn scho, wenn i will." Wichtig ist, dass man die Sprache beibehält. Ich bin keine andere geworden, nur weil ich jetzt Ministerin bin. Ich möchte auch, dass mich die Bürgerinnen und Bürger verstehen und bitte sie an dieser Stelle, wenn ich wieder einmal zu viele englische Ausdrücke verwende, dass sie mich dann darauf aufmerksam machen. Aber das ist in der digitalen Fachsprache halt so.

Über Sie stand kurz nach den Wahlen zu lesen: Die ehrgeizige Chefin der Telekom-Tochter A1 wurde von Alejandro Plater nach einem monatelangen internen Machtkampf ausgebootet. Würden Sie das unterschreiben?
Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben uns ganz einvernehmlich voneinander getrennt. Ich könnte heute nicht mit Ihnen hier sitzen, wenn es nicht so gewesen wäre. Er hat mir auch schon gratuliert, er war einer der Ersten.

Aber ein kleiner Knick in der Karriere ist es schon, wenn man nach eineinhalb Jahren an der Spitze eines Unternehmens wieder geht, oder?
Ich bin jetzt für Österreich verantwortlich und werde die Digitalisierung und den Wirtschaftsstandort vorantreiben. Für mich ist das das Höchste, was ich erreichen kann. Ich habe immer auf diese Themen gesetzt, zuerst in kleinen Unternehmen, dann in mittelgroßen und dann eben bei der Telekom.

Das lässt nur einen Schluss zu: dass Sie bei Ihrem Ausscheiden bereits wussten, dass Sie Ministerin werden. Ist das so?
Sebastian Kurz und ich waren schon nach den Wahlen im Gespräch. Aber auch vorher, als Fachexpertin, hat es oft Gespräche, etwa mit dem Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, zu allen möglichen Themen gegeben. Das ist immer konkreter geworden. Wenn man dann wirklich gefragt wird, dann freut man sich schon sehr.

Haben Sie Bedenkzeit gebraucht?
Ich hatte mir das schon sehr gut überlegt und habe gerne Ja gesagt.

Sie gehören keiner Partei an, könnten Sie sich vorstellen, der ÖVP beizutreten?
Ich bin Mitglied beim Tiroler Wirtschaftsbund und damit auch im Landesparteivorstand von Tirol. Jetzt konzentriere ich mich einmal auf meine Regierungstätigkeit und die Aufgaben und dann werden wir weitersehen. Ich schließe es nicht aus, aber ich möchte es auch nicht vorwegnehmen. Ich lasse es offen.

Wenn Sie Ihrem Ex-Chef bei der Telekom als Wirtschaftsministerin gegenübertreten, wird da ein kleiner Rest von Genugtuung sein?
Wir haben uns im Guten geeinigt, da ist keine Rechnung offen.

Können Sie in zwei Sätzen sagen, was Sie sich als Ministerin für Digitalisierung und Wirtschaft vorgenommen haben?
Wir wollen den Wirtschaftsstandort Österreich wieder nach vorne bringen, Investitionen und Aufträge ins Land holen, mit einem Schwerpunkt in Asien. Und wir wollen die Abläufe vereinfachen, es den Unternehmen leichter machen.

Entbürokratisierung?
Dankenswerterweise haben Sie dieses Wort genannt. Ich glaube, die Menschen verstehen es besser, wenn wir sagen, dass wir den Amtsschimmel abbauen.

Können Sie auch die Kritik nachvollziehen, das Regierungsprogramm sei viel zu wirtschaftsfreundlich?
Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Mein Vater war im Sägewerk, meine Mutter hat im Gastgewerbe in der Nacht gearbeitet. So haben mir meine Eltern das Studium ermöglicht. Mit diesem Hintergrund ist es mir wichtig, die Menschen in der Wirtschaft zu unterstützen. Wenn die Wirtschaft wächst, dann haben wir mehr Arbeitsplätze, dann geht es den Familien besser. Darum geht es uns in der neuen Volkspartei.

Ihr Ministerium wurde ziemlich abgespeckt. Die Wissenschaft ist zur Bildung gewandert, Tourismus und Umwelt zur Landwirtschaft, Technologie zum Verkehr. Wie viel Macht hat die Wirtschaftsministerin 2018 noch?
Es geht nicht um Macht. Es geht darum, was wir für die Bürgerinnen und Bürger bewirken können. Alle Ministerien sind neu aufgestellt, wir alle stehen vor Veränderungen, ich finde das schön! Mich freut besonders, dass das Thema Digitalisierung so weit nach oben gerückt ist.

Ihr Steckenpferd.
Und ein klares Zeichen vom Bundeskanzler. Das Wort "digital" kommt 200-mal im Regierungsprogramm vor, und zwar in allen Bereichen.

Sehr viele Menschen haben vor der Digitalisierung Angst. Durch Roboter gehen ja auch sehr viele Jobs verloren. Wie wollen Sie den Menschen diese Angst nehmen?
Die Angst ist berechtigt, aber wenn wir uns die Geschichte anschauen, dann hat uns der Fortschritt in den letzten 100 Jahren immer weitergebracht - Digitalisierung ist ja nichts anderes als technischer Fortschritt. Damals glaubte man, wenn das Auto schneller als 25 km/h fährt, dann würde man sterben. Heute wissen wir, dass das nicht stimmt. Aber damals war es eine berechtigte Angst. Deshalb arbeiten wir an Lösungen, an neuen Berufsbildern. Mitte des kommenden Jahren werden wir zum Beispiel den E-Commerce-Kaufmann bzw. die -Kauffrau einführen.

Was nützt das zum Beispiel dem Taxifahrer oder dem Chauffeur, wenn es irgendwann nur noch selbstfahrende Autos geben wird?
Die Betonung liegt auf irgendwann. Das alles passiert nicht sofort, sondern wir können uns darauf vorbereiten. Etwa durch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Auch flexible Arbeitszeiten zählen dazu. Ich sehe es als Chance und nicht als Bedrohung.

Nutzen Sie zu Hause die Alexa?
Da diese Sprachsteuerung einem bestimmten Unternehmen gehört, nenne ich sie nicht. Ich habe aber ein "Smart Home", also ein intelligentes Zuhause, mit Lösungen für Sicherheit und Energie, und auch mit anderen Lösungen, wo ich sage: Jetzt spiel mir mal ein schönes Lied vor!

Singen Sie die Bundeshymne mit den Töchtern?
Ich singe die Bundeshymne mit den Töchtern.

Wenn neben Ihnen ein Mann steht und er singt die Töchter nicht, was machen Sie dann?
Das ist okay für mich. Jeder soll selber entscheiden, wie er das handhaben möchte. Für mich ist Platz für Vielfalt wichtig.

Frau Schramböck, was ist noch ganz tirolerisch an Ihnen?
Skifahren! Aber auch, dass ich sehr gerne Tiroler Knödel und Tiroler Gröstl esse.

Stimmt es, dass Sie zu Hause Biogemüse anbauen?
Garteln ist meine Leidenschaft, ich züchte in meinem Garten in der Nähe eines Waldes Tomaten und verteile sie dann nach der Ernte immer an alle meine Freunde. Blumen sind auch eine große Leidenschaft von mir. Ich karre auch alles selber heran, was man für die Gartenarbeit braucht.

In manchen Medien stand, Sie seien verheiratet, in anderen, Sie hätten einen Lebensgefährten. Wie kam das?
Das ist eine lustige Geschichte. Der "Kurier" hat mich schon einmal verheiratet. Das hat aber nicht gestimmt. Aber dann habe ich von Marcel einen Heiratsantrag bekommen. Wir sind jetzt dank einer Falschmeldung verlobt (lacht).

Welche Spuren möchten Sie in Österreich einmal hinterlassen?
Schön wäre es, wenn man sagt: Von dem, was Margarete Schramböck gemacht hat, habe ich wirklich persönlich etwas gehabt. Das könnte etwa die digitale Beantragung eines Reisepasses sein oder eine Blitzgenehmigung für einen Eissalon. Dass sich viele über solche Erleichterungen freuen, wäre mein größter Wunsch.

MANGERIN UND TIROLERIN DES JAHRES
Geboren am 12. Mai 1970 in St. Johann in Tirol. Promotion an der Wirtschaftsuniversität Wien, die sie heuer zur WU-Managerin des Jahres machte. An der Uni Lyon schloss sie berufsbegleitend mit einem Master of Business Administration ab. Schramböck war in Führungsfunktionen bei Alcatel, NextiraOne und Dimension Data Austria tätig. Im Mai 2016 übernahm sie die Leitung der A1 Telekom Austria, im Oktober schied sie aus dem Unternehmen aus. Die "Tirolerin des Jahres" ist verlobt mit Marcel und lebt in St. Andrä-Wördern bei Klosterneuburg.

Conny Bischofberger, Kronen Zeitung

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