Mo, 20. August 2018

Briten vs. Franzosen

16.02.2009 20:16

Gefährliche U-Boot-Kollision im Atlantik

Eine höchst gefährliche Kollision zweier U-Boote dürfte sich vor wenigen Tagen im Atlantik ereignet haben. Laut britischen und amerikanischen Medien kollidierte ein U-Boot der Royal Navy mit einer französischen Unterwassereinheit. Nicht nur verfügen beide U-Boote über einen Atomantrieb, sie hatten auch Nuklearwaffen an Bord. Das französische Verteidigungsministerium bestätigte den Zwischenfall am Montag und beschwichtigte, es habe zu keiner Zeit Gefahr bestanden. Wie die beiden äußerst langsam fahrenden U-Boote auf ihren Routinepatroullien zusammenstoßen konnten, ist selbst Experten ein Rätsel. Laut britischen Atom-Gegnern war man bei dem Crash nur "Sekunden von einer totalen Katastrophe entfernt".

Die Kollision zwischen der HMS Vanguard (li.) und dem französischen U-Boot Le Triomphant (re.) dürfte sich am 3. oder 4. Februar ereignet haben. Das britische Schiff habe sichtbare Schäden an seiner Außenhülle erlitten und wurde aus Sicherheitsgründen mit Schleppern in seinen schottischen Heimathafen gebracht. Beim französischen U-Boot wurde das Sonar zerstört, es konnte offenbar aus eigener Kraft nach Frankreich zurückkehren.

Offenbar waren die beiden Unterseeschiffe bei Routinefahrten im Atlantik zu nahe aneinandergeraten. Wie das passieren konnte, ist selbst Experten nicht klar, da beide U-Boote über ausgefeilte Kollisionswarnsysteme und neueste Radartechnik verfügen. Die HMS Vanguard hatte 114 Soldaten an Bord, die Triomphant-Besatzung umfasst 111 Personen. Beide U-Boote waren mit einer nicht näher bekannten Anzahl an Nuklearsprengköpfen beladen.

Die U-Boote gehören zum atomaren Abschreckungspotenzial beider Länder. Frankreich und Großbritannien verfügen über je vier dieser 150 Meter langen Unterwasserriesen und schippern damit regelmäßig durch den Atlantik. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es bei einer solchen Kollision zu einer nuklearen Explosion kommen kann", sagte ein hochrangiger britischen Militär am Montag. "Aber ein radioaktives Leck wäre möglich gewesen. Schlimmer noch, wir hätten die Besatzung und die Sprengköpfe verlieren können."

Atom-Gegner: "Sekunden von totaler Katastrophe entfernt"
Anti-Atomkraft-Lobbyisten verweisen indes auf das Potenzial für eine Katastrophe, das ein solcher Zusammenstoß habe. Die britische "Kampagne für Nukleare Abrüstung" warnte vor einem "atomaren Albtraum größter Ordnung". "Der Zusammenstoß hätte eine große Menge an Strahlung freisetzen und die Atomsprengköpfe über den Meeresboden verstreuen können", sagte die Vorsitzende Kate Hudson. Die Dellen des britischen U-Boots zeigten laut Augenzeugen, dass die beiden Boote kaum mehr als "Sekunden von einer totalen Katastrophe entfernt" waren.

Die französische Bewegung "Sortir du nucléaire" warf der Regierung vor, den Vorfall vertuschen zu wollen. "Sie haben es erst zugegeben, als es in der Zeitung stand", sagte Stephane Lhomme. Das sei schon bei den Atomversuchen in Algerien und im Pazifik so gewesen. "Wir sind höchst besorgt, was die Sicherheit von Atomanlagen angeht", sagte Lhomme. Es sei zu befürchten, dass die Bevölkerung im Notfall zu spät informiert werde.

Frankreich: "Objekt gerammt"
Das französische Verteidigungsministerium hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass die Triomphant bei einer Tauchfahrt ein "Objekt" gerammt habe. Dabei sei zwar das Sonargerät am Bug beschädigt worden, die nukleare Sicherheit jedoch "zu keinem Zeitpunkt" betroffen gewesen. Bestätigung über eine Kollision gab es zunächst keine. Von den Briten hieß es nur, dass zu keiner Zeit die Abwehrfähigkeit des Vereinigten Königreichs beeinträchtigt war und dass es keine Gefahr für die Bevölkerung gegeben habe.

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