Sa, 18. August 2018

26.-Oktober-Feiern

26.10.2008 19:55

Österreich begeht seinen Nationalfeiertag

Der Nationalfeiertag am Sonntag ist von den Sorgen um die wirtschaftliche Situation überschattet worden. Fast alle politischen Akteure haben in ihren Stellungnahmen zum Feiertag Bezug auf die wirtschaftliche Lage genommen und damit einhergehend auf die Vorteile der EU-Mitgliedschaft in der Krisensituation verwiesen. Dem Besucherandrang bei der Leistungsschau des Bundesheers, in der Hofburg und in den Ministerien tat die Finanzkrise freilich keinen Abbruch. Am Wiener Heldenplatz und am Rathausplatz wurden fast 700.000 Besucher gezählt.

Tausende (Heeres-) Schaulustige sind am Nationalfeiertag zur Militärparade auf den Heldenplatz gekommen. Neben Gulaschkanonen und Show-Exerzieren waren auch ernste Töne zu hören. Eine Mutter: "Österreich muss immer neutral bleiben!" Neben den Würstelständen mit den Schnitzelsemmeln und dem Festzelt mit der 70er-Jahre-Musik stand man plötzlich in der Wüste. Getarnte Fahrzeuge, ein Soldat mit dicker Sonnenschutzbrille und echter Sand unter den Füßen. Gerade eben noch an der Hofburg vorbeispaziert und auf einmal mitten im Tschad. "Wir haben hier die gleichen Bedingungen simuliert wie im afrikanischen Einsatzgebiet", erklärt Major Davy Lambach. Gleich aus zwei Gründen: Einerseits, um den Österreichern die ferne Friedensmission "schmackhaft" zu machen, und andererseits, um ein paar Freiwillige zu rekrutieren.

Heer zum Anfassen
Es war wieder ein Bundesheer zum Anfassen. Kinder kletterten auf die Panzer, durften Eurofighter-Pilot spielen oder auf den Hubschraubern herumturnen. Und es war auch der Tag der Österreich-Patrioten. "Ich könnte mir kein Leben in einem anderen Land vorstellen", sagte etwa Elisabeth Kondraschew-Pichler (54)."

Flug über den Heldenplatz
Besonders Mutigen verlieh der "Spider-Rock" Flügel. An einem 280 Meter langen Seil konnten die Abenteuerlustigen aus einer Höhe von 36 Metern mit 60 km/h über den Platz sausen. Eine, die kein Risiko scheute, war Bettina Haim aus Niederösterreich: "Wann hat man schon die Gelegenheit, über den Heldenplatz zu fliegen?"

Regierung bei Sonderministerrat
Die Regierung kam Sonntag früh nach den traditionellen Kranzniederlegungen in der Krypta am Äußeren Burgtor zu einem Sonderministerrat zusammen. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) verwies in seiner Erklärung auf die Vorteile der Europäischen Union. "Ich möchte mir nicht vorstellen, wo wir heute wären, wenn wir den Euro nicht hätten", sagte Gusenbauer. Alle Länder, die den Euro nicht eingeführt hätten, stünden angesichts der Finanzkrise vor einer schwierigeren Situation.

Der Kanzler hob gleichzeitig die Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft hervor. "Viele, die das Wort 'sozial' nicht hören wollten, haben einsehen müssen, dass Marktwirtschaft nur funktioniert, wenn gleichzeitig Regeln des sozialen Ausgleiches gesetzt werden." Der Glaube an die entfesselte Marktwirtschaft habe sich als Illusion herausgestellt.

Auch fast alle Parteichefs legten den Schwerpunkt ihrer Erklärungen zum Nationalfeiertag auf die Krise. Der designierte ÖVP-Obmann Josef Pröll versprach "Schutz der kleinen und mittleren Unternehmen und des heimischen Gewerbes" und sprach sich gegen eine Verstaatlichten-Politik im Stil der 1970er Jahre aus.

Strache verlangt Entlastungsoffensive
FPÖ-Frontmann Heinz-Christian Strache verlangte eine Entlastungsoffensive und wetterte gleichzeitig gegen den "Brüsseler EU-Zentralismus". Der designierte BZÖ-Chef Stefan Petzner forderte ein Vorziehen der Steuerreform und Maßnahmen zur Stärkung der klein-und mittelständischen Wirtschaft. Die designierte Grünen-Parteichefin und Klubobfrau Eva Glawischnig nahm den Feiertag zum Anlass, um neuerlich den FPÖ-Kandidaten für den Dritten Nationalratspräsidenten, Martin Graf, zu kritisieren. Das empörte wiederum die FPÖ, die von einer "ungeheuerlichen Entgleisung" sprach.

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten in der Wiener Innestadt stand traditionell die Landesverteidigung. Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) hob bei der Angelobung von rund 800 Rekruten aus Niederösterreich und Wien einmal mehr die Bedeutung der Neutralität hervor. Im Rahmen des Festaktes wurde auch des verstorbenen Wiener Altbürgermeisters Helmut Zilk (S) gedacht.

"Tag der offenen Tür" in Ministerien
Zahlreiche Ministerien, das Bundeskanzleramt und die Hofburg luden außerdem zu einem "Tag der offenen Tür". Einzig das Parlament, bisher immer ein Publikumsmagnet am Nationalfeiertag, hielt seine Pforten geschlossen. Begründet wurde dies mit den Aufbauarbeiten zur großen Republiksausstellung. Es war aber auch von einer Überlastung der Mitarbeiter die Rede gewesen.

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