Do, 16. August 2018

Trauer um "Poldi"

26.09.2008 20:40

Alt-Landeshauptmann Leopold Wagner gestorben

Trauer in Kärnten: Der längst dienende Landeshauptmann, Leopold Wagner, ist in der Nacht auf Freitag im Landeskrankenhaus Klagenfurt im 81. Lebensjahr gestorben. Ein Rückblick auf sein bewegtes Leben: von seinem politischen Aufstieg, seinen absoluten Mehrheiten bis hin zum Schussattentat im Jahre 1987. Landeshauptmann Jörg Haider und SPÖ-Chef Reinhart Rohr zeigen sich tief betroffen vom Ableben Wagners. Außenministerin Ursula Plassnik würdigte die Verdienste des Verstorbenen.

Der SPÖ-Politiker, von vielen einfach nur "Poldi" genannt, war 14 Jahre lang - von 1974 bis 1988 - Landeshauptmann von Kärnten. Zuletzt lebte er zurückgezogen mit seiner Frau im Klagenfurter Stadtteil Viktring. Er hat drei Kinder und acht Enkel.

Dreimal als Landeschef wiedergewählt
Wagner wurde am 4. Dezember 1927 in Klagenfurt als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Er absolvierte die Lehrerbildungsanstalt in Klagenfurt. 1970 trat er in die Regierung unter dem damaligen Landeshauptmann Hans Sima ein. Drei Jahre später wurde er SPÖ-Chef, nachdem Sima über den Ortstafelsturm gestolpert war. Nach dem baldigen Rücktritt Simas als Landeshauptmann wurde "Poldi" im April 1974 als Regierungschef angelobt und in der Folge dreimal wiedergewählt - jeweils mit absoluter Mehrheit für die SPÖ (1975, 1979 und 1984).

Schussattentat auf Wagner
Die große Zäsur kam am 6. Oktober 1987, als der Lehrer Franz Rieser den Regierungschef auf der Toilette eines Klagenfurter Lokals niederschoss. Wagner wurde mit zwei Bauchschüssen ins Krankenhaus gebracht. Vier Monate später, im Februar 1988, kehrte er ins Amt zurück, das er ein gutes halbes Jahr später endgültig niederlegte.

Ortstafeln: Wagner sah Staatsvertrag erfüllt
Nach seinem Abschied aus der aktiven Politik hat Wagner es vermieden, Kommentare zur Situation abzugeben. Eine Ausnahme gab es, im Jänner 2006 übte er scharfe Kritik am Verfassungsgerichtshof im Zusammenhang mit der Frage der zweisprachigen Ortstafeln. Es stehe den Höchstrichtern nicht zu, einen Prozentsatz in den Raum zu stellen, deponierte der Altpolitiker und beharrte darauf, dass mit dem Volksgruppengesetz von 1976 - das der VfGH teilweise aufgehoben hat - der Staatsvertrag erfüllt sei.

Haider: Respektvolle, gegenseitige Verbundenheit
In der Nacht zum Freitag schloss Wagner nun für immer seine Augen. Tief betroffen zeigte sich am Freitag Landeshauptmann Jörg Haider, er habe Leopold Wagner als Menschen und als Politiker immer sehr geschätzt, mit dem er eine respektvolle, gegenseitige Verbundenheit gepflogen habe. In seiner langen Amtszeit habe Wagner Kärnten seinen positiven, prägenden Stempel aufgedrückt.

Vor allem seine große Heimatverbundenheit und Treue zu Kärnten habe Wagner ausgezeichnet. So habe er auch in der Ortstafelfrage klar im Sinne der Kärntner Bevölkerung gehandelt.

Rohr: "Größten Landeshauptmann" verloren
Der Kärntner SPÖ-Chef Reinhart Rohr erklärte in einer ersten Stellungnahme, Kärnten habe damit "den größten Landeshauptmann" verloren, den das Land je gehabt habe. Es sei ein Trauertag für die Sozialdemokratie, so Rohr.

Außenministerin würdigt Verstorbenen
"Leopold Wagner hat Beeindruckendes für Kärnten geleistet und sich tatkräftig für grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Nachbarländern eingesetzt", erklärte Außenministerin Ursula Plassnik in einer Presseaussendung. "Die Ära-Wagner war von wirtschaftlichem Aufschwung geprägt. In Wagners Amtszeit als Landeshauptmann wurden die Grundlagen für wichtige Erfolge und Fortschritte Kärntens gelegt", so die Plassnik weiter.

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