Mo, 11. Dezember 2017

Nach Fallons Abgang

02.11.2017 15:51

Stolpern nun weitere Politiker über "Sex-Liste"?

Nachdem Michael Fallon am Mittwochabend wegen 15 Jahre alter Grapsch-Vorwürfe überraschend seinen Rücktritt als Verteidigungsminister verkündet hatte, könnten nun weitere britische Regierungsmitglieder über ähnliche Vorwürfe stolpern. Britischen Medien zufolge kursiert nämlich in London offenbar eine Geheimliste mit ähnlichen Verfehlungen anderer Politiker.

Fallon hatte vor 15 Jahren bei einem Dinner einer Journalistin wiederholt ans Knie gegriffen und deshalb am Mittwochabend die Konsequenzen gezogen. Die betatschte Journalistin fiel aus allen Wolken. "Das ist ja wohl der absurdeste Rücktritt eines Ministers", sagte Julia Hartley-Brewer am Donnerstag. Es müsse noch etwas anderes dahinterstecken. Schon zuvor hatte die selbstbewusste Frau über den Vorfall aus dem Jahr 2002 berichtet: Nachdem Fallon ihr Knie berührt habe, drohte sie ihm Schläge an. Dann sei sie von ihm in Ruhe gelassen worden. "Meine Knie blieben intakt."

Fallon entschuldigte sich bei Journalistin
Der 65-jährige Fallon gilt als enger Verbündeter von Premierministerin Theresa May. Er war seit 2014 Verteidigungsminister. Von 2010 bis 2012 war Fallon stellvertretender Vorsitzender der britischen Konservativen. Er sei "in der Vergangenheit hinter den hohen Ansprüchen zurückgeblieben", begründete Fallon seinen Rückzug. Seinen Parlamentssitz wolle er behalten. Viele der veröffentlichten Vorwürfe seien falsch, betonte der Politiker, ohne Details zu nennen. Fallon: "Die Kultur hat sich über die Jahre geändert. Was vor 15 oder zehn Jahren wohl noch akzeptiert wurde, ist ganz klar heute nicht mehr akzeptabel." Fallon hatte sich bei der Journalistin für sein Verhalten entschuldigt.

Etwa 40 Abgeordnete auf geheimer "Sex-Liste"
Gibt es weitere sexuelle Übergriffe, für die Fallon verantwortlich ist? Möglicherweise ist sein Rücktritt nur die Spitze des Eisbergs. Unter Mitarbeitern der konservativen Fraktion des Unterhauses zirkuliert britischen Medien zufolge eine Liste mit etwa 40 Abgeordneten, denen "unangemessenes Verhalten" vorgeworfen wird. Auf der Liste stehen demnach auch Regierungsmitglieder - unter ihnen Fallon.

Immer mehr pikante Vorwürfe
Besonders pikant: Fallons Rücktritt erhöht den Druck auf Mays Kabinettschef Damian Green erheblich. Er soll einer Journalistin während eines Pub-Besuchs ans Knie gegriffen und später eine anzügliche Nachricht geschickt haben. Green streitet das vehement ab. Fast täglich tauchen in den britischen Medien neue Vorwürfe gegen Politiker auf. So soll ein Staatssekretär seine Assistentin zum Kauf von zwei Vibratoren in einen Sexshop geschickt haben. In der oppositionellen Labour Party gibt es sogar einen Vergewaltigungsvorwurf, dem jetzt nachgegangen wird.

Causa Weinstein als Auslöser
Labour-Chef Jeremy Corbyn bezeichnete Fallons Rücktritt als "erstaunlich". Die Vorsitzende der schottischen Konservativen, Ruth Davidson, hatte zuvor ein konsequentes Handeln gegen Sexismus im Parlament eingefordert. Ausgelöst wurde die Debatte über sexuelle Übergriffe in Großbritannien durch den Skandal um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein. Dutzende Frauen in den USA und anderen Ländern werfen ihm Belästigungen und Missbrauch vor.

"Einpeitscher" Williamson folgt Fallon nach
Als Fallons Nachfolger gab die britische Regierung am Donnerstag Gavin Williamson bekannt. Der 41-Jährige gilt als weitgehend unbeschriebenes Blatt in der Konservativen Partei. Williamson war persönlicher Assistent des zurückgetretenen Premierministers David Cameron. Zuletzt hatte er den einflussreichen Posten des "Chief Whip" - des "Einpeitschers" - inne. Die "Whips" sind dafür zuständig, für Fraktionsdisziplin bei wichtigen Abstimmungen zu sorgen. Gerüchteweise nutzen sie dafür auch Informationen über Verfehlungen von Abgeordneten.

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