Fr, 15. Dezember 2017

Nächste Attacke

22.10.2017 09:24

Ski-Ass Shiffrin möchte alle Saisonrennen gewinnen

Mikaela Shiffrin ist bereit für die nächste Attacke auf Kristall und Gold. 22 ist die Amerikanerin erst und hat vergangenen Winter drei WM-Titeln und einem Olympiasieg auch den ersten Weltcup-Gesamtsieg hinzugefügt. Dennoch fühlt sich Shiffrin vor der Olympia-Saison 2017/18 erst am Anfang. Sie möchte am liebsten alle Saisonrennen gewinnen und sich am Ende die große Kristallkugel "echt verdienen."

Denn Shiffrin ist der Meinung, dass ihr der erste Gesamtsieg vergangenen Winter zu sehr in den Schoß gefallen ist, nachdem mit Anna Veith, Lara Gut, Tina Maze und Lindsey Vonn starke Konkurrentinnen weitgehend gefehlt oder verletzt aufgegeben hatten. "Die haben den Weltcup in den vergangenen vier, fünf Jahren davor gewonnen. Also hatte ich irgendwie das Gefühl, die große Kugel gar nicht richtig verdient zu haben", war Shiffrins bemerkenswerte Schlussfolgerung.

Nachdem Shiffrin vergangenen März auf Colorado-Heimschnee in Aspen quasi "kampflos" die große Kugel einheimste, werden Veith, Gut und Co. zumindest auch beim Saisonstart in Sölden noch fehlen. Shiffrin hingegen zählt neben Weltmeisterin Tessa Worley und Co. auf dem Rettenbachferner zu den Favoritinnen im ersten Rennen des Olympiawinters.

Erster RTL-Sieg in Sölden
Denn die Gewinnerin von 25 Slalom-Weltcuprennen und dreifache Slalom-Weltcupsiegerin ist auch in ihrer zweitbesten Disziplin längst top - und Österreich-Spezialistin dazu. Von ihren vier GS-Siegen hat die jüngste Slalom-Olympiasiegerin der Geschichte drei in der Alpenrepublik geholt, den ersten 2014 in Sölden.

Die Skistation im Ötztal ist der erste Schlagabtausch der Damen in einer Saison, in der es auch um Olympiamedaillen geht. Für eine Amerikanerin wie Shiffrin ist das deshalb ein besonderer Winter, denn die Spiele sind in den USA ein überragend wichtiges Thema.

Damit es trotz Olympia erneut mit der Kugel klappt, hat Shiffrin erstmals seit langem sogar den Urlaub "gespritzt" und trotz ihrer vielen Sponsor- und PR-Aktivitäten noch härter trainiert. Im Gym wie auf der Piste. Olympia steht an, und das zählt in den USA bekanntlich mehr als alles andere. "Die Saison ist schon ohne Olympia ein Wahnsinn. Mit den Spielen ist es fast schon zu viel Aufregung", weiß Shiffrin, dass ein intensiver Winter auf sie zukommt.

Shiffrin freut sich auf Duell mit Veith
Für die Atomic-Pilotin steht aber auch die neuerliche Eroberung der großen Kristallkugel ganz oben. "Wenn ich den Weltcup gegen die gesamte Konkurrenz nochmals gewinne, dann würde sich das sicher mehr danach anfühlen, dass ich ihn wirklich verdient habe. Und dann hätte ich auch einen Urlaub verdient", macht Shiffrin klar, was ihr am Herzen liegt. Deshalb hoffe sie auf eine rasche Rückkehr von Gut und Veith. "Es wird aufregend, wenn beide wieder dabei sind. Wenn Anna schmerzfrei fahren kann, dann ist sie eine der Besten der Welt", freute sich Shiffrin schon auf ein Duell mit der Österreicherin.

Klar ist, dass auch ohne die arrivierten Stars starke Konkurrenz besteht. Sowohl Sofia Goggia als auch Ilka Stuhec gewannen vergangenen Winter erstmals. Am Ende war Stuhec Abfahrts-Weltmeisterin und -Weltcupsiegerin sowie hinter Shiffrin Gesamt-Zweite. Goggia holte WM-Bronze im GS und wurde vor allem dank ihrer 13 Podestplätze Dritte im Gesamtweltcup. "Sie sind auch diesmal sicher meine härtesten Widersacherinnen. Sofia hat eine Einstellung, die ich bewundere", meinte Shiffrin.

Speed als "neues Spielzeug"
Um weitere Gesamtsiege sicherzustellen, wird Shiffrin daher auch im Olympiawinter ihre Speed-Ambitionen voran treiben. Nachgesagt werden ihr bereits fantastische Trainingszeiten. "Ich lerne jeden Tag auf den langen Ski dazu", gestand sie. "Aber es zehrt auch an den Nerven. Ich muss immer abwägen und entscheiden. Es ist wie ein neues Spielzeug, mit dem du am liebsten die ganze Zeit spielen würdest", erklärte sie ihr Dilemma zwischen Technik und Speed.

Dass bei Olympia in Südkorea bei den Damen die Technikbewerbe in der ersten und die Speedevents erst in der zweiten stattfinden, kommt Shiffrin entgegen. Sie wird fix Slalom, GS und Kombi bestreiten. "Es ist gut, dass ich dann vor den Speedbewerben meine wichtigsten Rennen schon hinter mir habe. Aber wir haben ein starkes Abfahrts-Team, ich werde mich also qualifizieren müssen", zeigt sie aber auch hier Ambitionen. Ihre Meinung zu den Olympia-Hängen: "Fair! Es ist von allem etwas dabei."

Sicherheitsbedenken hat die US-Amerikanerin (noch) keine allzu großen. "Man sagt mir, dass das Leben der Menschen dort ganz normal verläuft, und ich denke, das es während der Spiele der sicherste Ort der Welt sein wird. Hätte ich aber dennoch das Gefühl, dass mein Leben in Gefahr ist, würde ich mich natürlich eher beschützen als versuchen, ein Rennen zu gewinnen."

Marlies Raich als Vorbild
Rennen zu gewinnen, das bleibt das Um und Auf bei Shiffrin. Sie ist ja wie Landsfrau Vonn in der Lage, die Rekordbücher im Damenskirennsport neu zu schreiben. Rekorde zu brechen sei natürlich "aufregend", sagt sie. "Halt bis auf die 35 Slalomsiege von Marlies (Raich, Anm.). Sie ist mein Vorbild. Ich will, dass sich die Menschheit ewig an sie erinnert."

In Wahrheit gehe es aber um etwas anderes. "Am liebsten möchte ich schon im kommenden Winter alle Saisonrennen gewinnen. Ich will ja die beste Skifahrerin der Welt sein und bin deshalb prinzipiell für die Trainings motivierter als für die Rennen", erklärte sie. Und sie fühle, dass sie trotz aller Erfolge ihr komplettes Ski-Potenzial noch bei weitem nicht ausgeschöpft habe.

Shiffrin äußert sich zu Vonn-Vorhaben
Shiffrin findet die NFL-Proteste ("Die Botschaften sollten in jedermanns moralischem Code sein") in ihrer US-Heimat "cool". Vonns Versuch, in einer Herrenabfahrt zu starten, erzeugt bei ihr hingegen gemischte Gefühle. "Prinzipiell ist das cool und verschafft dem Skisport Aufmerksamkeit. Aber ist es auch fair?", hat die junge Amerikanerin Zweifel. "Ich bin gespant, welche Lösung man findet."

Shiffrin, der man eine Beziehung zum französischen Team-Weltmeister Mathieu Faivre nachsagt, ist das Thema nicht fremd. Auf ihrer Helm-Rückseite steht ABFTTB. Das steht für "always be faster than the men", also, "sei immer schneller als die Herren". Das reduziere sich bei ihr aber auf das Training, schränkte sie ein. "Die Herren geben immer Vollgas, sie inspirieren und motivieren mich. Aber ich habe nie daran gedacht, gegen sie in einem Rennen anzutreten. Bei den Herren können 15 bis 20 gewinnen, bei uns vielleicht 7 oder 8."

Zu denen gehört mittlerweile in fast jedem Renen auch Shiffrin. "Ein Podium ist immer ein gutes Ergebnis", hat sie ihr Rezept für ein "guten Samstag in Sölden" schon gefunden. "Dort sind immer alle sehr aufgeregt weil man erfährt, ob die Vorbereitung wirklich gut war."

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