Das freie Wort

Die Alten und die digitale Welt

Hurra, wir leben noch! Das sagen sich viele, wenn wieder einmal die „Alten“ mit schier unlösbaren digitalen Problemen konfrontiert sind. Online-Banking, SB-Terminal, App, PC, Smartphone, VR-Kennung, Verfügernummer, Identifikationsnummer und wahrscheinlich noch einiges mehr verwirrt viele aus der älteren Generation. Wann ist was anzuwenden? Wie damit umgehen? Einige erhalten Hilfe seitens der Familie. Enkel & Co. sind gefordert. Aber ist das der Sinn der Sache? Man will doch so lange wie möglich selbstständig agieren, den Alltag bewältigen. Ständig wird Werbung damit gemacht, dass es sinn- und würdevoll ist, wenn „selbstständiges Wohnen in den eigenen vier Wänden“ machbar ist. Nicht zu vergessen, dass das auch die billigste Variante für die Allgemeinheit ist. Dann bitte sorgt auch dafür, dass dies möglich ist. Beispiel gefällig: Wollte jemand seine Überweisungen am PC überprüfen, waren bisher Benutzername, Passwort bzw. PIN erforderlich. Jetzt scheint das nur mehr mittels App möglich zu sein. „Ohne App ein Depp“ ist die Devise. Nicht alle besitzen ein App-taugliches Handy. Einiges, u. a. das Bankwesen, ist so zur Hürde geworden, für manche zur unüberwindlichen Hürde. Dienstleistung war einmal „in“, ist offensichtlich „out“. Ein weiteres Beispiel: Zahlscheine hat man selbstverständlich am Schalter abgegeben. Man war eben Kunde in einer Bank und wurde genau so behandelt. Nicht zu vergessen, diese Servicestellen sind auch mit Jobs verbunden. Auch nicht zu verachten, für die Kontoführung wird bekanntlich seitens der Banken automatisch vierteljährlich eine nicht unbeträchtliche Gebühr abgezogen. Entfällt die nun, wenn man alles selbst erledigen muss? „Österreich kann Zukunft“ heißt es in einem Slogan. Ist es so? Dann macht es uns, der älteren Generation, nicht schwerer, sondern leichter! Denn, hurra, wir leben noch!

Renate Ratzenböck, Uttendorf

Erschienen am Di, 11.11.2025

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