Das freie Wort

Sorgekontra Verharmlosung

Seit nach der ersten Corona-Welle in den Sommermonaten die Lockerungen mehr Bewegungsfreiheit zugelassen haben, hat sich naturgemäß das Coronavirus wieder verstärkt ausgebreitet. Das war aber auch nicht anders zu erwarten! Kleinere Einschränkungen und die Basismaßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz in Innenräumen sowie in Geschäften und in den Öffis, 1–2 Meter Mindestabstand auch im Freien und die bekannten Hygienebestimmungen (Händewaschen und Händedesinfizieren), sind alle zusammen nie erloschen, sie wurden aber von vielen Leuten immer wieder ignoriert und bewusst verharmlost. Diese Leute sollten daher mehr kontrolliert werden! Die Folgen sind klar, die Beschränkungen müssen in vielen Ländern nunmehr verschärft werden, so auch bei uns. Österreich wird wie halb Europa heruntergefahren: Ausgangsverbote, Kontakteinschränkungen, Lokalschließungen, Veranstaltungsstopp und vieles mehr. Auch wenn dieser leichtere Lockdown einigermaßen erfolgreich werden könnte und die Covid-19-Zahlen zurückgehen, können sie bald wieder emporschnellen. Womit ein dritter Lockdown nicht auszuschließen ist, also „stop and go and stop“! Bei der Eindämmung der Covid-19-Pandemie ist die Virus-Reproduktions-Rate die zentrale Einheit für den Erfolg von Maßnahmen. Das heißt, wie viele Mitmenschen ein Erkrankter ansteckt. Da in den letzten Tagen und Wochen die Zahl der Neuinfizierten besorgniserregend gestiegen ist, lassen sich 75 Prozent der Infektionen nicht mehr nachverfolgen. Das führt zu einer akuten nationalen Gesundheitsnotlage, und es braucht eine nationale Kraftanstrengung, um dagegenzusteuern. Das Hoffen auf wirksame Medikamente und der Appell an den Hausverstand werden zu wenig sein. Immer noch gehen Tausende Corona-Verharmloser auf die Straße und demonstrieren. An die geltenden Bestimmungen für Versammlungen hielt sich kaum jemand. Laut der Covid-Maßnahmenverordnung muss auch auf Demonstrationen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden und die Abstandsregel beachtet werden. Warum werden derartige Demonstrationen nicht aufgelöst? Gott sei Dank handeln nicht alle Leute ihren Mitmenschen gegenüber derart unüberlegt und unfair. Trotzdem schwindet die Chance auf einen Jahresausklang mit Konzerten, Clubbesuchen, Weihnachtsbesuchen, Silvesterbräuchen, Ballnächten und dergleichen von Tag zu Tag. Es wird sich zeigen, wie mächtig die Veranstaltungsbranche ist, wenn die Regierung nunmehr einen neuerlichen Lockdown verfügt?

Mag. A. Bürger, per E-Mail

Erschienen am Mo, 2.11.2020

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