13.08.2007 16:30 |

Provokant

"Black Book": Geschichte eines "guten Nazis"

Paul Verhoeven gilt als einer der provokantesten und kontroversesten Hollywood-Regisseure, und das nicht erst seit "Basic Instinct". "Es hat mich immer schon gereizt, zu provozieren", sagt der 68-jährige Niederländer über seinen neusten Streifen "Black Book". Widerstand, Liebe und Verrat unter der deutschen Besatzung, plus das Tabuthema des "guten Nazis" - einige seiner Landsleute in den Niederlanden empfanden das als echte Zumutung. Sehenswert ist der Film allemal. Kinostart: 15. August 2007!

"Ich will eine unbekannte Seite der Niederlande im Zweiten Weltkrieg zeigen", sagt Verhoeven. Die Geschichte hat fast klassischen Zuschnitt, der Anfang ist bedrückend: Die jüdische Sängerin und Varieté-Schönheit (Carice van Houten) versucht, mit anderen Juden auf einem Schiff in den bereits befreiten Süden der Niederlande zu fliehen. Doch die Gruppe gerät nach einem Verrat in einen Hinterhalt der Nazis, die bildhübsche Sängerin muss mit ansehen, wie alle anderen erschossen werden. Nur sie überlebt als einzige das Grauen - erst am Ende des Films erfährt sie, wer sie verraten hat.

Daraufhin schließt sich die Schöne dem niederländischen Widerstand an, als erste Aufgabe soll sie einen Nazioffizier (Sebastian Koch) ausspionieren. Tatsächlich schafft sie es, Wanzen in sein Büro zu schmuggeln, erhält eine Anstellung von dem Deutschen, und auch ansonsten wickelt sie den Mann um den Finger - doch sie kann nicht verhindern, dass sie sich in ihn verliebt.

"Ja, es geht bei dem SS-Mann um den guten Deutschen", sagt Verhoeven mit einer Unbefangenheit, die unter Niederländern bei diesem Thema nicht eben häufig ist. "Der Mann war Teil des Systems, aber der Mann war ok." Tatsächlich scheint der Offizier von der Gewalt der Nazis eher angewidert, er widersetzt sich sogar einem Erschießungsbefehl. Er geht ein Liebesverhältnis mit der Schönen ein, obwohl er weiß, dass sie Jüdin ist. Verhoeven betont, die Story beruhe auf einer wahren Begebenheit. "Es gab in Holland eine Menge Juden, die ein Verhältnis mit Deutschen hatten".

Entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Charakters des "guten Nazis" ist allerdings der Einsatz von Sebastian Koch: Es scheint, als sei ihm die Rolle geradezu auf den Leib geschneidert: Ein gut aussehender Offizier, der mit Widerstandgruppen verhandelt - und auch nicht recht zu wissen scheint, auf welcher Seite er steht. Einfach großartig. Das gilt auch für seine Partnerin Carice van Houten.

Am Ende geraten die niederländische Widerstandskämpferin und der deutsche Nazi im jeweils eigenen Lager unter Verdacht. Beide entschließen sich, gemeinsam unterzutauchen. Nicht einmal das Ende des Krieges bringt ihnen den ersehnten Frieden.  "Alles, was sie sich nur vorstellen können, passiert. Das haben mich meine Nachforschungen über den Zweiten Weltkrieg gelehrt", sagt Verhoeven zu seinem Epos. "Jeder Überlebende ist irgendwie schuldig."

Bild (c) Einhorn Filmverleih

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