Di, 16. Oktober 2018

Senioren gequält

27.09.2017 08:34

Pflegeskandal in NÖ: Mangelte es an Kontrolle?

Demenzkranke Menschen, die über Jahre auf sadistischste Art und Weise gequält wurden: Die erschütternden Protokolle des Pflegeskandals von Kirchstetten zeigen, wie wenig eigentlich hinter die Mauern von Pflegestationen geblickt werden kann. Und sie werfen die Frage auf, wie es eigentlich um die behördlichen Kontrollen der Pflegeeinrichtungen bestellt ist. Denn das betroffene Heim in Niederösterreich wurde sogar von einer externen Organisation zertifiziert.

Zwei Putzfrauen haben mitbekommen, was der (mittlerweile gekündigten) Führungsebene des Kirchstettner Pflegeheims angeblich nie aufgefallen war. Externe Prüfer sowie das Land Niederösterreich haben das Heim und insbesondere die betroffene Station für Demenzkranke in Augenschein genommen und zertifiziert, berichtet der "Falter". Und das, obwohl die Pfleger, welche im Fokus der Ermittlungen rund um den Pflegeskandal stehen, zum Teil jahrelang Patienten gequält haben sollen.

Mangelt es an Kontrolle in der Pflege?
Wurde bewusst weggesehen oder mangelt es tatsächlich an Kontrolle? Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) sieht durchaus Verbesserungsbedarf. Man müsse angesichts der Dimension des aktuellen Falles die Qualitätssicherung sicherstellen. Der Sozialminister, der hier klare Versäumnisse der niederösterreichischen Landeskontrollorgane sieht, schlägt dafür die Schaffung einer "Bundesagentur für Qualitätssicherung in Gesundheit und Pflege" vor, die künftig etwa die Qualifikation der Pfleger prüfen, aber auch ein Auge etwa auf die Transparenz von Wartezeiten oder Dokumentationen haben soll. Zum Thema der Qualitätssicherung habe er die Bundesländer Ende Juni zu einem Pflegegipfel gebeten.

"Vorwürfe machen mich sprachlos"
"Die Vorwürfe machen mich sprachlos und müssen alle Verantwortlichen zutiefst beschämen", so der Minister, der angesichts der Berichte über sexuellen Missbrauch, Demütigungen sowie körperlicher und psychischer Gewalt meinte, hier seien "sämtliche Grenzen der Geschmacklosigkeit" bei Weitem überschritten worden. "Die Verantwortlichen müssen und werden zur Rechenschaft gezogen werden."

Im Fall Kirchstetten dauern die Ermittlungen derweil an, wie die Staatsanwaltschaft St. Pölten mitteilte. "Zur weiteren Abklärung der Tatvorwürfe wurde auch ein gerichtsmedizinischer Sachverständiger damit beauftragt, die Heimbewohner zu begutachten und allfällige Gesundheitsschädigungen als Folgen der Taten festzustellen", so Sprecher Leopold Bien. Die fünf Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe.

Michaela Braune
Michaela Braune

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.