Di, 19. Juni 2018

Muslime vertrieben

06.09.2017 12:33

"Ethnische Säuberungen" in Myanmar befürchtet

Im Grenzgebiet zwischen Myanmar und Bangladesch spielt sich derzeit eine humanitäre Katastrophe ab. Vor den seit Wochen anhaltenden Kämpfen zwischen der Armee und Aufständischen sind mittlerweile über 140.000 Angehörige der muslimischen Minderheit Rohingya nach Bangladesch geflüchtet. Die Rohingya seien von dem "Risiko einer ethnischen Säuberung bedroht", sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Dienstag. Die Regierung von Myanmar verteidigt das Vorgehen gegen die Muslime als Kampf gegen den Terror und spricht von "Fehlinformation" des Auslands.

Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi warf dem Ausland vor, mit ihrer Unterstützung für die Rohingya den "Interessen von Terroristen" zu dienen. In einer Erklärung auf Facebook heißt es: "Der Terrorismus ist neu (in Myanmar), aber die Regierung wird ihr Bestes tun, um sicherzustellen, dass er sich nicht in ganz Rakhine ausbreitet."

Die jüngsten Kämpfe wurden durch Angriffe auf Polizei- und Armeeposten Ende August ausgelöst. Die burmesische Armee startete eine Offensive gegen die Muslime, bei der bisher mindestens 400 Menschen getötet wurden. Die Regierung befürchtet, dass die "bengalischen Terroristen" einen islamischen Staat im Norden der Provinz an der bangladeschischen Grenze aufbauen wollten.

Rohingya: Die meistverfolgte ethnische Minderheit der Welt
In der Provinz Rakhine im Westen Myanmars leben rund eine Million Rohingya. Sie gelten als die meistverfolgte ethnische Minderheit der Welt. Rohingya werden als illegale Einwanderer werden als Einwanderer aus Bangladesch angesehen und nicht als burmesische Staatsbürger (Myanmar ist das frühere Burma), selbst wenn sie schon seit Generationen im vorwiegend buddhistischen südostasiatischen Land leben.

Im benachbarten Bangladesch stoßen Flüchtlingslager längst an ihre Grenzen. Bereits vor dem jüngsten Zustrom lebten dort 400.000 Rohingya. Das verarmte Land bat nun internationale Organisationen um Hilfe dabei, geflohene Rohingya vorübergehend auf der Insel Thengar Char unterzubringen. Das Eiland liegt zwei Bootsstunden von der nächsten Siedlung entfernt und wird während des Monsuns regelmäßig überflutet. In den Gewässern nehmen Piraten bei ruhigerer See immer wieder Fischer gefangen, um Lösegelder zu erpressen.

Myanmar vermint offenbar Grenze zu Bangladesch
Zurück sollen die Flüchtlinge aber offenbar auch nicht mehr kommen können. Denn laut Informationen aus Regierungskreisen in Bangladesch wurden an einem Teil der Grenze Landminen platziert. Damit sollten vermutlich die aus Myanmar geflohenen muslimischen Rohingya an einer Rückkehr gehindert werden, sagten zwei Insider in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka. Die Regierung von Bangladesch werde dagegen Protest einlegen. "Sie legen die Landminen auf ihrem Gebiet entlang des Stacheldrahtzauns aus", sagte einer der Insider. Davon habe Bangladesch von Informanten sowie durch Beweisfotos erfahren. Zudem hätten die heimischen Truppen mehrere Gruppen beobachtet, die in der Nähe der Grenzzäune etwas im Boden vergraben hätten.

Bangladeschs Innenministerium reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. In Myanmar hieß es in Militärkreisen, Landminen seien in den 1990er-Jahren ausgelegt worden. Seitdem versuche das Militär allerdings, die Minen wieder zu entfernen und habe keine neuen platziert.

Muslimische Staaten erhöhen Druck auf Myanmar
Die Berichte über die humanitäre Katastrophe heizt Proteste in muslimischen Staaten an: In Indonesien gingen Tausende Menschen, angeführt von islamischen Gruppierungen, auf die Straße. In der Hauptstadt Jakarta wurden Straßen zur Botschaft Myanmars blockiert und Stacheldraht-Barrieren aufgebaut. Die Menge rief "Allahu Akbar", "Schlachtet Myanmar" und "Brennt die Botschaft nieder". Ein Redner forderte, Muslime müssten in Myanmar genauso respektiert werden wie Buddhisten in Indonesien.

Auch in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur kam es zu Protesten. Am Mittwoch wurde der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Myanmar erwartet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte das Vorgehen gegen die Rohingya als Genozid bezeichnet.

 krone.at
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