23.04.2017 14:59 |

Heftiger Vergleich

Papst: "Flüchtlingscamps sind Konzentrationslager"

Papst Franziskus hat Aufnahmezentren für Flüchtlinge nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa als Konzentrationslager bezeichnet. Die sogenannten Hotspots - etwa jener auf der griechischen Insel Lesbos - erinnern den Heiligen Vater offensichtlich an die NS-Zeit: "Viele Flüchtlingslager sind Konzentrationslager - wegen der Menge an Menschen darin."

Seine Worte fielen laut dpa im Zuge einer Zeremonie zum Gedenken an moderne christliche Märtyrer am Samstagabend in Rom. Der Papst hatte demnach von einem Flüchtling berichtet, den er 2016 auf Lesbos getroffen hatte. Dessen Ehefrau sei wegen ihres christlichen Glaubens vor den Augen ihres Mannes getötet worden. Mit dem KZ-Vergleich wich der Pontifex laut weiteren Berichten von seinem ursprünglichen Text ab.

"Abkommen anscheinend wichtiger als Menschenrechte"
"Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist, ob er es aus seinem Konzentrationslager heraus geschafft hat", wird der Papst von der ARD zitiert. An anderer Stelle habe er demnach von "diesen Konzentrationslagern" gesprochen. "Es gibt so viele volle Konzentrationslager, weil internationale Abkommen anscheinend wichtiger sind als Menschenrechte."

EU-Flüchtlingspolitik: "Das nennt sich Selbstmord"
Franziskus rügte die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union auch grundsätzlich. Er lobte zwar die "Großzügigkeit" von Staaten wie Griechenland und Italien, wo die meisten Migranten anlanden, kritisierte aber das Fehlen einer gleichmäßigen Verteilung auf alle Mitgliedsstaaten. Einwanderung sei im Interesse Europas, sagte Franziskus. Die Europäer bekämen immer weniger Kinder, schlössen aber zugleich die Türen für Migranten. "Das nennt sich Selbstmord", so das Oberhaupt der katholischen Kirche.

"Ja, er hat das Wort benutzt ..."
Der Kommentar sorgt seit Sonntagfrüh vor allem via Social Media für Diskussionen. Bei Kirchenveretretern ist man offenbar bereits um Beruhigung bemüht: "Ja, er hat das Wort benutzt. Aber ich behaupte einmal, dass nicht die ganze Welt dem Wort und dem historischen Phänomen dieselbe Bedeutung beimisst", hieß es etwa in einem Blog bei Radio Vatikan.

13.800 Menschen in griechischen Flüchtlingszentren
Die Lage in den Flüchtlingszentren auf den Ägäis-Inseln ist mittlerweile seit Jahren angespannt. Auf den Inseln befinden sich derzeit insgesamt 13.800 Flüchtlinge, die weiter nach Mitteleuropa oder zumindest zum griechischen Festland wollen. Auf dem Festland leben gut 50.000 Migranten.

Martin Kallinger
Martin Kallinger

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