20.04.2017 14:00 |

"Krone"-Interview

Blondie: Keine Lust auf die Frühpension

Die Punk-/New Wave-Legenden Blondie gehören nicht zum Weltpopkulturerbe, sondern schaffen es auch im Karrierespätherbst, relevante Alben zu veröffentlichen. Das Anfang Mai erscheinende "Pollinator" ist jedenfalls eine feine Zusammenführung vergangener und aktueller Stärken. Im bitterkalten Berlin saßen uns Frontfrau Deborah Harry und ihr beruflicher, als auch lange Zeit privater Sidekick Chris Stein gegenüber, um über digitalen Algorithmus, die drohende Übernahme von Skynet, Pferdekutschen in Manhattan und Rollstühle auf der Bühne zu sprechen. Aber auch, um sich immer wieder juvenil zu necken.

"Krone": Debbie, Chris - seit eurer Wiedergeburt mit Blondie 1997 sind auch schon wieder 20 Jahre ins Land gezogen…
Chris Stein: Ja, das ist durchaus Wahnsinn. Selbst das Jahr 1990 kommt mir noch ziemlich modern und nicht weit entfernt vor. (lacht)
Deborah Harry: Die Zeit fliegt davon, das ist unglaublich.

Seid ihr Fans von Jubiläen?
Stein: Nicht wirklich. Ich bin nicht einmal ein Fan von Feiertagen - außer Halloween vielleicht. Der Tag ist sehr dunkel und gruselig, das mag ich.

Anfang Mai veröffentlicht ihr euer neues Album "Pollinator". Ein wirklich gelungenes Werk, das meiner Meinung nach sehr gut die Stärken eurer Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet. Wolltet ihr so eine Art Karrierequerschnitt abliefern?
Stein: Das war jetzt nicht bewusst so gedacht, aber wir wussten, dass wir wieder mehr in Richtung organischen Rock gehen sollten. "Ghosts Of Download", unser letztes Album, war sehr elektronisch und wir wollten eher wieder zu unseren Anfängen zurück. Ich weiß nicht, wie selbstreferentiell es für die Leute da draußen nun klingen mag - wir machen einfach unser Ding.

Ihr seid aber immer noch zufrieden mit dem elektronischen Vorgänger?
Harry: Wir hatten sehr gutes Material auf dem Album. Ich habe es genossen, diese Songs auf der Bühne zu performen. "Euphoria", "Sugar On The Side" oder "A Rose By Any Name" wurden vom Publikum gut aufgenommen. Wir haben während den Aufnahmen zwar ein bisschen gelitten, aber das Ergebnis kam gut an und war die Mühen wert.

Eure Fans und langjährigen Hörer haben mit jedem Album gewisse Erwartungen. Ist es manchmal schwer, damit umzugehen und sich proaktiv gegen ebenjene Erwartungen zu stemmen?
Harry: Nein, wir machen einfach das Bestmögliche und schauen immer nach vorne. Wir wollen auch mit "Pollinator" keine Oldies-Band werden, sondern uns weiterentwickeln. Glücklicherweise gelingt uns das auch.

Die Rückmeldungen auf eure erste Single "Fun" waren teilweise fulminant. Ist dieser Song die perfekte Basis, um in das gesamte Werk eintauchen zu können?
Stein: Ich weiß das gar nicht. Im Endeffekt hat das Label mit den Radios entschieden, was als erstes rausgeht. Wir haben uns auch stark mit Spotify beschäftigt und ich war extrem überrascht, über welche Daten diese Firma verfügt. Sie wissen zum Beispiel, welche drei Bands du dir am öftesten anhörst, welche drei Blondie-Songs du am liebsten hast etc. Sie können mit Algorithmen perfekte Hörerprofile zuschneiden. Musik wird zunehmend wissenschaftlich. Das klingt vielleicht etwas kalt, ist aber eigentlich auch eine logische Schlussfolgerung, wenn man sich die Welt heute ansieht.

Das Wort "Fun" ist in Zeiten wie diesen extrem wichtig. Wollt ihr den Menschen bewusst einen Eskapismus aus der harten Realität bieten?
Harry: Es gibt kein Zurück mehr und es scheint so, als ob Angst und Hass exponentiell ansteigen würden. Das ist wirklich tragisch und traurig.
Stein: Die ganze Sache mit Donald Trump ist für mich irrsinnig witzig. Es ist so, als ob du dem Ende der Welt entgegenblickst und trotzdem schmunzeln musst. Stell dir einfach vor, ein Asteroid schlägt auf der Erde ein, sieht aber aus wie ein Penis. (lacht)

Hatte die amerikanische Präsidentschaftswahl einen Einfluss auf "Pollinator"?
Harry: Nein, wir hatten schon lange vor der Wahl alles geschrieben und aufgenommen. Nur ein Teil des Mixings kam der Wahl in die Quere, ansonsten war alles erledigt.

Gibt es dennoch eine Querverbindung zwischen dem Album und der politischen Situation in den USA?
Stein: Möglicherweise. Wir haben immer die Botschaft der Vielfalt verbreitet.
Harry: Ich denke nicht, dass wir hier eine Verbindung haben. Vielleicht haben wir ganz am Anfang mal kurz darüber geredet, aber das hat mit dem Ergebnis wenig zu tun.

Was bedeutet "Pollinator"? Was steckt als Botschaft hinter dem Albumtitel?
Stein: Es geht um das Verschieben von Dingen. So wie die Bienen eben auch von Blüte zu Blüte fliegen.
Harry: Die Keimfähigkeit von Individuen und der Welt, die uns inspiriert.

Was sind eure Lieblingssongs auf dem Album und warum?
Stein: Ich habe keinen besonderen, gleich wie bei den alten. Es sind einfach wichtige Einzelteile im großen Ganzen.
Harry: Man kann sie nicht aus dem Gesamtkontext nehmen, das ist schwierig. Ich mag den Johny Marr-Song "My Monster", aber bislang haben wir außer im Proberaum erst zwei neue Songs live gespielt.

Ihr seid ganz und gar ohne Egoismus ans Werk gegangen und habt mit unzähligen Gaststars wie Joan Jett, Nick Valensi von den Strokes, Johnny Marr oder auch jungen Popstars wie Sia und Charli XCX gearbeitet…
Harry: Das Label BMG bot Songideen an und so hat sich das Ganze schlussendlich entfalten können. Die eine Hälfte sind Eigenkompositionen von uns und die andere Hälfte Sonideen von außen.
Stein: Mit Musikern wie Sia oder den Gregory Brothers wollten wir selbst unbedingt zusammenarbeiten. Und "Fragments", den letzten Song auf dem Album, fand ich via YouTube. Das ist ein Typ, der einen Film-Videoblog namens "Your Movie Sucks" hat. Ich sah mir das immer an, weil mir gefiel was er tat. Er war nicht nur negativ wie viele andere. Zudem ist er noch Musiker und hatte diesen Track gemacht. Er ist sehr glücklich darüber, dass wir seine Idee erweiterten. Er hat erst heute wieder getweetet, dass es ihn freut.

Folgt ihr dem modernen Popgeschäft konstant?
Stein: Ich hänge meist sechs Monate zurück. (lacht) "Lean On" von Major Lazer & DJ Snake hatte ich sofort registriert und dann wurde die Nummer auch zum großen Monsterhit.
Harry: Ich habe viele DJ-Freunde, die mir immer wieder neue Songs näherbringen. Es gibt auch viele gute Alternative-Radiostationen in New York, die ich höre. Mich überrascht es aber, dass sie oft eine sehr limitierte Playlist haben. Man hört immer wieder das gleiche.
Stein: Wahrscheinlich werden sie dafür bezahlt, immer die gleichen Songs zu spielen.
Harry: Jedenfalls versuche ich immerhin Schritt zu halten, auch wenn das nicht bei jeder Band gelingt. (lacht) Glücklicherweise können wir auf Festivals immer viele Bands sehen, womit wir auch wieder up to date sind.
Stein: In den letzten Jahren haben wir Public Enemy, Justin Timberlake oder Die Antwoord gesehen - eine Menge großartiges Zeugs.

War die Musikszene während eurer ersten Karrierephase, Mitte der 70er- bis Anfang der 80er-Jahre spannender und vielseitiger als heute?
Stein: Das Formatradio war schon immer unflexibel. In den 60er-Jahren ging es noch. Da hast du in einer Show die Rolling Stones, James Brown und dann Joni Mitchell gehört. Das wäre heute unmöglich. Ich fahre oft im Auto und höre Radio, aber das ist wirklich enervierend. Die Künstler sind so farblos. Anstatt sich etwas zu trauen und damit vielleicht eine neue Tür aufzustoßen, klingen alle wie Katy Perry.

Es gibt ja strenggenommen auch nur mehr eine Handvoll Produzenten wie Max Martin oder Dr. Luke, die fast alle Charthits veredeln. Hier fehlt es ebenfalls an Vielfältigkeit.
Stein: Martin schreibt ja 1000 Songs pro Jahr. Aufregend ist das Pop-Business per se aber schon noch. Ich stolpere immer wieder über Songs und Künstler, die ich mag und schätze. Aber man muss schon wirklich danach suchen. Ich höre viel Latin Music und Hip Hop, dort ist es wesentlich spannender als im Popbereich.

Aufgenommen habt ihr "Pollinator" im legendären Magic Shop in New York…
Stein: Ein sehr kultiger Platz mit viel Geschichte.
Harry: Und herzzerreißend. Sie haben in der Umgebung fast alles abgerissen, was dort an Musikgeschichte übrig ist.
Stein: Ein paar Monate vor den Aufnahmen starb erst unser alter Freund David Bowie, der dort seine letzten zwei Alben aufnahm. Seine Seele war eindeutig noch dort. Viele Studios sind so fancy und glattgebügelt, der Magic Shop ist das genaue Gegenteil davon. Ich glaube aber, dass ich süchtig nach solchen Locations bin. (lacht)

Schon Sting sagte mir unlängst in einem Interview, dass die Musikszene in New York immer schwieriger wird, immer mehr Läden geschlossen werden. Gibt es eine Hoffnung auf einen Turnaround?
Stein: Ich will die Hoffnung nicht aufgeben. Wenn Trump länger an der Macht bleibt, dann gibt es sicher wieder mehr Junkies, Prostituierte und Müllprobleme. Vielleicht wird es dann wieder zum New York der 70er-Jahre? Wir werden sehen.

Das New York von heute hat rein gar nichts mehr mit dem New York aus den 80er-Jahren zu tun.
Stein: Es sind so viele Leute in dieser Stadt, auch die Protestkultur steigt wieder. Es gibt so viele Hotels und Bars und alles ist unleistbar geworden. New York an sich ist fast ein Platz für die Reichen, aber es gibt auch noch diese Downtown-Szene, wo Kunst und Kultur in völliger Freiheit entstehen können.

Ist die Stadt für euch noch immer so eine Inspirationsquelle wie früher?
Harry: Ich habe keine Ahnung. In gewisser Weise schon, weil die Stadt noch immer sehr vielseitig ist und viele Bands dort ihre Anfänge machen können. Aber New York lebt im musikkulturellen Bereich sehr stark durch seine Historie.
Stein: Ich folge vielen Fotografen von Musikmagazinen auf Instagram und einige von denen gehen gerne in die kleinen Clubs, um Talente zu erspähen und ihre Momente festzuhalten. Der Underground-Gedanke ist durchaus vorhanden und ich denke, er verstärkt sich nun wieder.
Harry: Das meinte ich. Wir sind nicht mehr Teil dieses Systems, deshalb habe ich persönlich einfach nicht mehr dieses Gefühl. Ich weiß aber, dass diese Szene existiert und wohl auch ewig existieren wird.

New York hat auch das Raue und Echte, das Los Angeles fehlt. Dort haben viele das Gefühl, in einer Blase zu leben und ausschließlich von Künstlern umgeben zu sein.
Harry: Wir wickeln dort all unsere Geschäfte ab.
Stein: Ich mag die Stadt und ihre Atmosphäre, ich fühle mich in L.A. wohl. Es ist einfach total anders, aber nicht schlechter.
Harry: New York ist eine Szene der Kommunikation. Es geht um Musik, um Schreiben und Veröffentlichen.
Stein: In L.A. sitzt du nur im Auto und fährst herum. (lacht)
Harry: L.A. ist auch viel stärker auf Film und TV fokussiert, das ist der massivste Unterschied zu New York. In den 80er-Jahren sind viele Plattenfirmen nach L.A. übersiedelt und dort geblieben, das hat diese Stadt in der Musikszene so erstarken lassen.

Debbie, du kennst ja die Musik- und die Filmwelt.
Harry: Nicht wirklich. Ich kenne mich im Filmbusiness nicht gut aus. Ich habe dort ein paar Sachen gemacht, auf die ich stolz bin, aber ich konnte mir dort ehrlicherweise kein Territorium abstecken, das meiner Karriere wirklich einen Schwung versetzt hätte.

Was haben dir die Ausflüge in die Filmszene gegeben, was die Musik dir nicht zu geben vermochte?
Harry: Es war einfach etwas total anderes und danach suchte ich.

Seid ihr Nostalgiker? Denkt ihr gerne an die goldenen Zeiten von New York und euch selbst im Allgemeinen zurück?
Stein: Ja, aber meine Nostalgie ist eine weiter zurückliegende. Ich verspüre sie, wenn ich mir Bilder der Stadt aus den 20er- oder 30er-Jahren ansehe. Es ist doch ein spannendes Gedankenspiel. Wenn du zurückreisen würdest in das Wien im Jahr 1920, mit all deinem Wissen, aber sonst nichts, könntest du erfolgreich sein? Was würdest du dann machen? Es gäbe keine Möglichkeiten. Ich könnte dort kein Handy bauen. (lacht) Die 70er-Jahre waren in gewisser Weise gar nicht so weit weg von den 20ern.
Harry: Wärst du in den 20er-Jahren in New York gewesen, würdest du von dort wohl wegwollen.
Stein: Würdest du aber in diese Zeit zurückreisen und "Johnny B. Goode" spielen, würden dich die Leute dort für einen Wahnsinnigen halten.
Harry: Du würdest diesen Song aber nicht spielen.
Stein: Dann würde ich halt "House Of The Rising Sun" spielen und allen hielten mich für verrückt.
Harry: Und auch diesen Song würdest du nicht spielen. (lacht) Du könntest einen Song namens "Red Wine And Sausage" schreiben.
Stein: Oder "Blowin' In The Wind" - aber ich habe keine Ahnung, ob das funktionieren würde zu dieser Zeit in den Köpfen der Menschen.
Harry: Wahrscheinlich schon. Solche Songs würden immer und überall funktionieren.
Stein: Für mein nächstes Buch verwende ich viele Fotos aus den 70er-Jahren, vor der Zeit von Blondie, und manche Bilder könnten genauso gut aus den 20er-Jahren sein. Auf einem Bild siehst du ein Pferd mitten in Manhattan.
Harry: Pferde und Wägen waren dort noch üblich, als ich aufwuchs.

Dafür dreht sich die Technologiespirale nun sehr rasant. Was allein zwischen 1984 und heute passiert ist, das gab es damals in dieser Vehemenz wohl über Jahrhunderte nicht an Veränderungen.
Harry: Das ist das größte Problem der Gegenwart: die Zeit. Wie sie unser ganzes Leben bestimmt, sich gefühlt verknappt und einen kaum mehr eine Möglichkeit zum Reflektieren lässt. Die Zeit sinkt immer mehr, auch wenn das natürlich nur gefühlt ist. Die Menschen sollten öfters darüber nachdenken, sich dessen bewusst werden. Qualitätszeit wird jedenfalls immer geringer.
Stein: Computergenerierte Musik wird irgendwann auch mal überlegen sein.

Wird die handgemachte Musik überleben?
Stein: Mit Sicherheit sogar. Die Leute kaufen ja auch wieder vermehrt Vinyl und werden auch immer wieder eine Gitarre in die Hand nehmen.
Harry: Maschinen können Algorithmen berechnen, aber nicht intuitiv oder emotional sein.
Stein: Täusch dich da nicht, das kommt.
Harry: Sie können nicht neurotisch sein. Das wird nicht passieren.
Stein: Sie arbeiten ja sogar schon dran. Skynet wird real, du wirst schon sehen.
Harry: Auch Skynet beruht auf einem Algorithmus, das ist nicht dasselbe.

Ist es eines eurer bislang demokratischsten, am meisten bandgesteuerten Alben eurer bisherigen Karriere?
Stein: Es hat eine absolute Liveatmosphäre. Wir haben das Album natürlich aufgenommen, aber den Bass und das Schlagzeug danach hinzugefügt.
Harry: Siehst du was ich meine? Egal, wie viele Roboter in einem Raum sind - sie können nie so intuitiv spielen wie wir als Band. Ganz einfach. Eine derartige biomechanische Kreatur wäre ein Wunder.
Stein: Science-Fiction hat die Zukunft aber schon immer vorhergesagt. Der Terminator war auch neurotisch. Skynet hat den Terminator zu uns Menschen geschickt.
Harry: Das ist wieder eine Sache der Zeitreise, ein ganz anderes Kapitel.

Ein guter und meist richtiger Indikator für die Zukunft waren immer die "Simpsons", die unheimlich viele Schritte der Menschheit voraussahen.
Stein: (lacht) Die haben den verdammten Superbowl vorhergesagt, habt ihr das gesehen? Sie haben gewusst, dass die Patriots die Falcons schlagen werden, das ist maximal fünf Jahre her. Ich glaube sogar, dass das Ergebnis exakt das gleiche war…

Mit Blondie wart ihr Wegbereiter für unendlich viele musikalische, modische und auch sozialkritische Trends. Wart ihr euch eurer Stellung in der Gesellschaft vor 35-40 Jahren schon so bewusst?
Stein: Nicht so richtig. Wir haben immer nur nach vorne geschaut. Es hat uns niemand von außen gesagt, dass wir so einen Einfluss hätten. Offenbar gab es eine Art Angst der Öffentlichkeit, wie man uns denn in dieser Welt einsortieren sollte. (lacht) Der Hauptgrund, warum ich Blondie vor 20 Jahren wieder zurückbrachte ist, dass ich immer mehr Menschen sah, die über Blondie redeten und immer mehr Künstler, die sich musikalisch auf uns beriefen. Sie erkannten unseren Einfluss.

Debbie, du warst nicht nur eine charismatische Frontfrau und Sängerin, sondern auch eine Modeikone und mitunter Wegbereiterin des Feminismus. Lastete all das nicht auch wie ein schwerer Fluch auf dir?
Harry: Anfangs war es schon ein bisschen schockierend, dass ich offenbar konstant beobachtet und beäugt wurde. Wie ernst sollte man so etwas nehmen? Ich lebte damals von Tag zu Tag und versuchte einfach mein Handwerk immer besser zu machen. Dort lag mein Fokus, alles andere war mir nicht wichtig.

Wie viel von euch selbst aus den frühen Blondie-Jahren steckt noch immer in euch?
Stein: Im Grunde unseres Herzen sind wir immer noch die gleichen, die wir auch mit 25 waren - nur mit weil viel mehr Erfahrung.

Wie hat sich das Verhältnis zwischen euch über die Jahre verändert? Es gab ja nicht nur rauschende Erfolge, sondern auch eure private Trennung als Paar und Chris' schwere Hautkrankheit - ein ewiges Auf und Ab.
Stein: Wir kommen alle sehr gut miteinander aus, es ist nicht schwierig mit uns.
Harry: Jeder von uns ist sich bewusst, wie glücklich wir sind, dass wir noch immer live auftreten und neue Alben einspielen können. Wir können noch immer das machen, was wir über alles lieben. Wir sind klug und alt genug, um uns dessen gewahr zu sein. Über mehr brauchen wir nicht nachdenken.

Ist es manchmal schwierig zu wissen, wie unendlich viel eure Songs so manchen Menschen in ihren Leben bedeuten?
Harry: Überhaupt nicht. Ich sehe das als eine schöne Sache und habe genauso einige Songs, die einen extrem starken Einfluss auf mich haben. Das ist das Wesen der Zeit.

Debbie, du wurdest vom Magazin "Elle" unlängst als "Style Icon Of The Year" ausgezeichnet. Wie wichtig ist dir so etwas?
Harry: Ich habe es gesehen und angenommen. Ich habe mit vielen Designern gesprochen, die mich als eine Art Muße für ihre Kollektionen sehen und sich auf mich berufen. Das ist schon eine große Ehre für mich. Der Event war großartig organisiert, wir hatten viel Spaß dort.
Stein: Es gab so viele herzhafte Ansprachen, weil sich derzeit einfach jeder um den Zustand der Welt sorgt.
Harry: Es wurde dort in London einfach mehr getrunken. In den USA trinken die Leute viel weniger als hier in Europa. Es wurde immer nachgefüllt und dann ging's ganz schön heiß her. (lacht)

Im Frühling seid ihr mit Garbage auf Co-Headliner-Tour in den USA unterwegs.
Stein: Mittlerweile verwende ich leichtere Gitarren, weil mein Rücken so schmerzt. (lacht)
Harry: Und ich verwende einen Rollstuhl und Krücken. (lacht)
Stein: Ich hätte so gerne eine Couch auf der Bühne. Sogar der verdammte Robert Fripp von King Crimson darf sich während einer Show setzen.
Harry: Das liegt daran, dass Fripp schon immer gesessen hat.
Stein: Das weiß ich auch, aber ich hätte das von Anfang machen müssen.
Harry: Nimm dir doch einen Stuhl - warum nicht?
Stein: Wie sieht denn das aus? Ich kann ja neben unserem Drummer Clem Burke nicht der einzige sein, der auf der Bühne herumsitzt.

Wann kommt ihr mit dem neuen Album live nach Europa und speziell nach Österreich?
Harry: Wann, weiß ich noch nicht, aber es wird sicher passieren. Ich erinnere mich gut an die ersten Shows bei euch. Anfangs waren wir nicht gerade populär und hatten ziemlich viele konfrontative Interviews zu bewältigen. Außerdem erinnere ich mich an meine Spaziergänge in der wunderschönen Stadt Wien und war sehr beeindruckt von den Werken von Egon Schiele. Das sind spezielle Momente, die man nie vergisst. Die Live-Konzerte an sich, die verwechselt man, weil es einfach immer die gleiche Organsiationsroutine gibt. Was ich auch noch genau weiß ist, dass ich in der Staatsoper einmal mit einer Jazzband ein Konzert gab, an dem auch Marianne Faithfull teilnahm. Das war ein einzigartiger Moment, weil ich diese Frau immer schon stark bewunderte. Außerdem sind die Staatsoper und ihr Sound einfach umwerfend.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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