Mo, 20. August 2018

Missbrauch in Heimen

16.11.2016 16:33

"Es war ein Paradies für Täter!"

124 schwer traumatisierte Opfer, die in ihrer Kindheit entweder von Primar Franz Wurst missbraucht oder im Landesjugendheim Görtschach misshandelt worden sind, haben vom Land eine "finanzielle Geste" erhalten. Die zuständige Opferschutzkommission wurde nun aber aufgelöst - mehr Geld ist nicht da.

16 Jahre ist es her, dass der Skandal um Kinderpsychiater Franz Wurst aufflog. Jahrzehntelang hatte der Mann - der auch für den Mordauftrag an seiner FrauKERSTIN WASSERMANNverurteilt wurde - seine Pädophilie als "Untersuchungsmethoden" getarnt.

Haupttatorte waren die sogenannte Heilpäd in Klagenfurt sowie das Landesjugendheim Görtschach, wo auch andere massive Übergriffe bekannt geworden sind: Zöglinge wurden geschlagen, gequält, geschändet. "Viele wussten Bescheid. Aber niemand hat geholfen", sagt die Wissenschafterin Ulrike Loch, die sich erstmals mit Wursts Umfeld und den furchtbaren Zuständen in Görtschach auseinandersetzt: "Kärnten war ein Paradies für Täter - weil den Kindern einfach nicht geglaubt wurde."

Und weil die Kontrollmechanismen völlig versagt haben, wie Sozialreferentin Beate Prettner zugibt: "Diese Schicksale machen sehr betroffen. Als Land können wir nur Verantwortung übernehmen und eine finanzielle Geste zeigen." So wurden 124 Fälle von einer Opferschutzkommission untersucht; 119 Opfer - großteils Männer - bekamen für ihr kaum beschreibbares Leid 1,25 Millionen Euro. Die Arbeit dieser Opferschutzkommission wurde inzwischen beendet. "Es melden sich heute noch immer Menschen, die nach Jahrzehnten endlich reden. Leider gibt es für sie keine Entschädigung mehr", bedauert Jugendanwältin Astrid Liebhauser.

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