Fund in Ephesos

Austro-Forscher graben spätantikes Beisl aus

Wissenschaft
21.11.2015 08:03
Auf eine "kleine Sensation" sind Wissenschaftler des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) im Zuge von Sicherungsarbeiten zum Schutz von archäologischen Ausgrabungsstätten im antiken Ephesos in der Türkei gestoßen. Sie entdeckten eine Schankstube aus dem frühen 7. Jahrhundert, die zahlreiche Einblicke in das damalige Alltagsleben erlaubt.

Der unerwartete Fund gelang dem Grabungsteam im Rahmen der alljährlichen Ausgrabungskampagne des ÖAI. Die sogenannte "Taberne" aus byzantinischer Zeit lag an der Kuretenstraße - einer der Hauptstraßen. Die Sicherungsarbeiten wurden notwendig, weil die einstige Stadt eingebettet in eine Talsenke zwischen zwei Bergen liegt. Die früher dicht bebauten Hänge verödeten nach der Aufgabe der Stadt und begannen zu rutschen. Auch heute noch sind archäologisch erschlossene Bereiche durch Rutschungen gefährdet, weshalb die Forscher die Entwicklung ständig beobachten und beispielsweise Trockenmauern errichten, um die Ruinen zu schützen.

Hunderte komplett erhaltene Gefäße gefunden
Beim Bau einer solchen Mauer kam nun eines der vermutlich zahlreichen "Geschäftslokale" an der früheren Hauptverkehrsader zum Vorschein. Dass es sich um ein spätantikes Wirtshaus handelt, schließen die Wissenschaftler aus den mehr als 100 komplett erhaltenen Gefäßen - darunter Trinkbecher, Schalen und Teller und viele Amphoren. Außerdem gab es dort Sitzbänke und kleine Tische. Sogar ein Regal, auf dem noch Geschirr stand, wurde ausgegraben.

Ein Teller aus der byzantinischen Taberne (Bild: © ÖAI 2015/Niki Gail)
Ein Teller aus der byzantinischen Taberne

Für die Direktorin des ÖAI und Grabungsleiterin von Ephesos, Sabine Ladstätter, "präzisiert die Entdeckung unsere Vorstellungen von der Straße als Lebensader und als Kommunikationszentrum der Stadt in der Spätantike. Das öffentliche Leben und mit ihm das wirtschaftliche und gesellschaftliche Treiben verlagerte sich von den großen Platzanlagen hin zu den innerstädtischen Boulevards, die in weiterer Folge sowohl repräsentativ als auch infrastrukturell ausgestaltet wurden."

In den dortigen Lokalen wurden Weine aus unterschiedlichen Herkunftsregionen sowie kleine Speisen serviert. "Neben den regional angebauten Rebsorten fanden sich an die Wände angelehnt Amphoren aus Gaza sowie Kilikien (heute Südosttürkei, Anm.)", so Ladstätter.

Gut erhalten durch jähes Ende
Dass das kleine Beisl so gut erhalten geblieben ist, dürfte unmittelbar mit dem jähen Ende des Gastbetriebes zusammenhängen: Die Zerstörung erfolgte plötzlich im frühen 7. Jahrhundert. Das Inventar blieb damals einfach am Boden liegen, in der Folge machte niemand den Versuch eines Wiederaufbaus.

Ein in dem spätantiken Lokal gefundenes Trinkgefäß (Bild: © ÖAI 2015/Niki Gail)
Ein in dem spätantiken Lokal gefundenes Trinkgefäß

Darauf weisen auch die zahlreich gefundenen Münzen in der durch einen verheerenden Brand verursachten Ausgrabungsschicht hin. Diese seien "besonders interessant, da sie einen bereits vorher erkennbaren, dramatischen Einschnitt im Geldumlauf der Stadt während der Regierungszeit des Kaisers Heraclius (610 bis 641 nach Christus) deutlich belegen", so Nikolaus Schindel, der Leiter der Arbeitsgruppe Numismatik am Institut für Kulturgeschichte der Antike der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Zur Zeit dieses Herrschers tobte ein Krieg mit dem sassanidischen Iran. Ephesos könnte damals auch erobert worden sein, vermuten die Forscher. "Gerade die überdurchschnittlich große Zahl schwerer, großer Münzen in der 'Taberne' beweist, dass das Schadensereignis so schwerwiegend war, dass danach nicht einmal mehr leicht auffindbare Münzen geborgen werden konnten", erklärt Schindel. Die Zerstörungen waren jedenfalls nachhaltig, denn danach wurde lediglich die Kuretenstraße vom Schutt freigehalten - vermutlich, um eine funktionierende Verbindung vom Hafen zu den christlichen Pilgerheiligtümern zu garantieren.

Österreicher graben bereits seit 1895 in Ephesos
Die österreichischen Grabungen in Ephesos finden seit 1895 statt. An dem archäologischen Großprojekt beteiligen sich alljährlich um die 250 Wissenschaftler aus bis zu 20 Ländern.

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