Fr, 22. März 2019
19.03.2015 20:58

Blutiger Anschlag

Der Hass der Islamisten auf Tunesien

Es war ein Anschlag auf die Demokratie, ein Anschlag auf den einzig noch funktionierenden Vorposten westlicher Werte im arabischen Raum. Der Terroranschlag auf das weltberühmte Bardo-Museum in Tunis, bei dem 20 Touristen getötet wurden, zeigt den mörderischen Hass der Islamisten auf Tunesien - auf das Mutterland und Musterland des überall anders gescheiterten Arabischen Frühlings.

Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich am Donnerstagnachmittag zum barbarischen Anschlag in Tunis . Bei den beiden getöteten Attentätern handelte es sich um Tunesier. Tunesier, die den demokratischen Wandel in ihrem Land rückgängig machen und es zurück in die islamistische Steinzeit des Kalifates bomben wollen.

Die tunesische Regierung bestätigte, dass der tödliche Anschlag einen islamistischen Hintergrund hatte. Die beiden Täter seien in einem Dschihadistenlager in Libyen ausgebildet worden, erklärte Innenminister Rafik Chelli am Donnerstagabend. Sie seien in Moscheen in Tunesien angeworben worden und im September ins Nachbarland gereist.

Terrorzellen in Tunesien seit Längerem ein Problem
Dschihadistische Terrorzellen sind in Tunesien schon seit geraumer Zeit ein Problem, und dieses Problem wird nicht geringer, sondern immer größer. Das liegt einerseits an der wirtschaftlichen Krise, in der das frankophile Mittelmeerland steckt, an dem die europäische Industrie nicht wirklich Interesse zeigt. Die Jugendarbeitslosigkeit, vor allem in den armen Landregionen und an den Rändern von Tunis, liegt - trotz hoher Ausbildung - bei rund 40 Prozent. Die Perspektivlosigkeit macht viele anfällig für Extremismus.

Andererseits hat Tunesien zwei sehr problematische Nachbarländer, deren Grenzen mehr als durchlässig sind: Das zerfallende Libyen, in dem sich Islamisten unterschiedlichster Prägung gegenseitig abschlachten, und Algerien, das Mutterland der maghrebinischen Al-Kaida.

EU wäre gut beraten, Tunesien unter die Arme zu greifen
Schlecht ausgerüstete und bezahlte Sicherheitskräfte sowie politische Strukturen, die trotz aller Reformen noch auf ziemlich wackeligen Beinen stehen, tun ein Übriges. Die EU wäre gut beraten, Tunesien in jeder Hinsicht unter die Arme zu greifen. Denn bisher sind die Tunesier die einzigen Araber, die beweisen, dass islamische und säkulare Kräfte demokratisch zusammenarbeiten können. Sie haben dem Land sogar eine in jeder Hinsicht westlichen Werten entsprechende Verfassung gegeben.

Deswegen ist Tunesien bei den Islamisten so verhasst - und deswegen ist Tunesien so wichtig. Denn sollte das demokratische Experiment dort scheitern, ist es im gesamten arabischen Raum für lange keine Option mehr.

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