22.01.2015 20:00 |

Bizarre Welt

Komet "Tschuri" ist in etwa so schwer wie Kork

Schroffe Klippen, Staubfontänen und tiefe Löcher mit "Gänsehaut": Der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko (kurz "Tschuri") hat sich auf den detailreichen Bildern und Daten der europäischen Raumsonde "Rosetta" als vielfältige, bizarre Welt entpuppt. Erstmals haben Forscher jetzt auf direkte Weise die Dichte eines Kometen bestimmen können: Demnach hat 67P mit 470 Kilogramm pro Kubikmeter in etwa eine spezifische Dichte wie Kork.

"Wir gehen davon aus, dass der Komet aus Eis und Staub besteht, Materialien, die beide eine deutlich höhere Dichte aufweisen", betonte Holger Sierks vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, einer der leitenden Wissenschaftler der Auswertung. Die gemessene Dichte deute darauf hin, dass der Kometenkern porös und zu 70 bis 80 Prozent leer ist. "Wir verstehen ihn derzeit als eine Art lockere Ansammlung von Eis-und Staubteilchen mit vielen, vielen Zwischenräumen", sagte der deutsche Weltraumforscher.

Bereits jetzt sei ist der Komet überraschend aktiv. "Er hat schon mehr Staubfontänen als viele andere Kometen bei ihrer größten Annäherung an die Sonne", berichtete "Osiris"-Forscher Dennis Bodewits von der Universität Maryland. Die meisten Staubfontänen liegen im Bereich des Halses. In den vergangenen Monaten hat "Tschuri" ungewöhnlicherweise viermal so viel Staub ins All gespuckt wie Gas - normalerweise produzieren Kometen mehr Gas als Staub. Der Gas- und Staubausstoß beschert dem Kometenkern nicht nur eine dünne Atmosphäre. Staubklumpen umkreisen den Kern in bis zu 145 Kilometern Entfernung - vermutlich seit seiner vorangegangenen Annäherung an die Sonne.

Kilometerhohe Geysire aus Wasserdampf
Die hohe Aktivität des Kometen kann auch Martin Volwerk vom Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Akademie der Wissenschaften, bestätigen: "Während der Komet im August 2014 noch wenig aktiv war, wird er jetzt immer wärmer, weil er sich der Sonne annähert." Dadurch werde der Gasdruck unter der Oberfläche immer höher und der Komet gebe Staub und Wasserdampf in Form von kilometerhohen Geysiren (kleines Bild) an die Atmosphäre ab, so der Forscher. Im Oktober/November hätten die Geysire eine Höhe von zwei bis vier Kilometern erreicht, so Volwerk, der insbesondere an den Wechselwirkungen des Kometenkerns mit dem Sonnenwind interessiert ist. Entsprechende Publikationen solle es im Laufe des Frühjahrs geben.

"Die Aktivität wird bis zur größten Annäherung an die Sonne noch um den Faktor 100 zunehmen", erwartete Sierks. "Rosetta" wird sich zu diesem sogenannten Perihel (Sonnennähe) im August auf einen Sicherheitsabstand von etwa 100 Kilometern zurückziehen. "Wir wissen, dass der Komet bei jedem Umlauf im Schnitt eine zwei bis drei Meter dicke Schicht seiner Oberfläche verliert", sagt Sierks. "Wir erwarten daher nach dem Perihel in großen Teilen eine ganz neue Oberfläche." Nach "Tschuris" größter Annäherung an die Sonne müssen die Forscher daher neue Karten des Kometen erstellen.

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