Multiple Sklerose ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jungen Erwachsenen. Ein Forschungsteam hat jetzt einen Auslöser der Krankheit gefunden.
Das Zusammenspiel eines weitverbreiteten Virus und bestimmter Gene kann Multiple Sklerose auslösen, wie eine Studie der Universität Zürich zeigt. Die am Dienstag im Fachjournal „Cell“ veröffentlichten Resultate zeigen, wie Umwelteinflüsse und Gene gemeinsam zur Erkrankung beitragen. Schon länger ist bekannt, dass alle Menschen mit MS auch das Epstein-Barr-Virus, den Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, in sich tragen, schrieb die Universität Zürich in einer Mitteilung.
MS kann verschiedene Formen annehmen
Eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus allein reicht aber nicht aus, um MS auszulösen. Rund 95 Prozent der Bevölkerung tragen das Virus in sich, an Multipler Sklerose erkrankt sind in der Schweiz aber etwa rund 18.000 Menschen. Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems. Dabei greift das eigene Immunsystem Gehirn und Rückenmark an. Die Krankheit verläuft sehr unterschiedlich und kann unter anderem zu Lähmungen, Sehstörungen, Gefühlsstörungen oder starker Erschöpfung führen. Besonders hoch ist das MS-Risiko, wenn die Infektion erst im Jugendalter erfolgt und als Pfeiffersches Drüsenfieber ausbricht. Doch auch dann erkranken längst nicht alle.
Das Virus allein macht nicht krank
Die Forschenden fanden heraus, dass neben dem Virus auch eine genetische Veranlagung nötig ist, damit MS entstehen kann. Dieser genetische Faktor heißt HLA-DR15. Eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus verändert bestimmte Immunzellen (B-Zellen). Diese veränderten Zellen zeigen Teile eines körpereigenen Proteins namens Myelin-Basisprotein auf ihrer Oberfläche. Myelin ist die Schutzschicht der Nerven und wird bei MS angegriffen. Genau dieselben Myelin-Bruchstücke fanden die Forschenden auch im entzündeten Gehirn von Menschen mit MS.
Bestimmtes Protein verhindert Sterben von Immunzellen im Hirn
Eine weitere, im selben Fachblatt erschienene Studie der Universität und des Universitätsspitals Basel zeigt zudem, dass ein Protein des Epstein-Barr-Virus verhindert, dass fehlgeleitete Immunzellen im Gehirn absterben. Normalerweise sterben B-Zellen, die körpereigenes Gewebe wie die Nervenhülle Myelin angreifen, im Gehirn ab. Das EBV-Protein LMP1 kann diesen programmierten Zelltod jedoch verhindern, wie die Forschenden in Tests an Mäusen zeigten.
An Impfung wird bereits gearbeitet
Mehrere Forschungsgruppen und Firmen arbeiten laut der Universität Zürich bereits an Impfungen gegen das Epstein-Barr-Virus. Dieses wird nicht nur mit MS, sondern auch mit anderen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis und systemischem Lupus sowie mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht. Mittlerweile kann MS zudem früher erkannt und deutlich besser behandelt werden.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.