21.01.2015 15:31 |

Start im Jänner 2016

Austro-Minisatellit soll Thermosphäre erforschen

Ab Jänner 2016 soll ein österreichischer Satellit die oberen Schichten der Erdatmosphäre erforschen. Die zehn mal zehn mal 20 Zentimeter kleine, rund zwei Kilo schwere Sonde "Pegasus" ist Teil eines insgesamt 50 Minisatelliten umfassenden Netzwerks im Rahmen eines Projektes namens QB50. Entwicklung und Bau des am Mittwoch in Wien präsentierten Geräts erfolgen in Österreich unter starker Beteiligung von Studenten.

Die 50 Kleinsatelliten des Projekts QB50 sollen im kommenden Jänner mit einer Rakete vom Typ Cyclone-4 von Brasilien aus der Reihe nach in einer niedrigen Erdumlaufbahn von 350 bis 380 Kilometern Höhe ausgesetzt werden. Dort sollen sie die sogenannte Thermosphäre erforschen.

"Pegasus" ist nicht der erste österreichische Satellit. Im Februar 2013 wurden mit "Tugsat-1" und "UniBrite" zwei Sonden gestartet, die Sterne erforschen. Sie umkreisen die Erde in rund 800 Kilometer Höhe.

Bislang kaum Satelliten in dieser Höhe
Derzeit ist noch relativ wenig über die Thermosphäre bekannt, die sich von etwa 80 bis 600 Kilometer Höhe erstreckt, erklärte Carsten Scharlemann, Leiter des Masterstudiengangs Aerospace Engineering der Fachhochschule (FH) Wiener Neustadt und "Pegasus"-Projektleiter. Grund dafür sei, dass bisher nur wenige Satelliten in diese Höhe geflogen sind, da die Reibung der Lufthülle dort jede Sonde schon nach wenigen Monaten zum Absturz bringt.

Für die 50 Kleinsatelliten des QB50-Projekts geht Scharlemann von einer Lebenszeit von drei bis neun Monaten aus, "je nachdem, in welche Höhe uns die Rakete tatsächlich bringt". Weil der Austro-Satellit zusätzlich zur Standardausstattung einen an der FH Wiener Neustadt entwickelten, gepulsten Plasmaantrieb an Bord hat, der erstmals im Weltraum getestet wird, hofft Scharlemann auf eine um zehn bis 20 Prozent längere Lebenszeit von "Pegasus".

Thermosphäre beeinflusst das Wetter
Interessant ist die Thermosphäre, weil sie das globale Wetter beeinflusst. Von ihrer Erforschung erwarten sich die Wissenschaftler ein besseres Verständnis der Vorgänge, dadurch längerfristige Wettervorhersagen und auch Erkenntnisse über die Erderwärmung. Das Kleinsatelliten-Netzwerk bietet den Vorteil, gleichzeitig Daten von vielen Messpunkten zu erhalten.

Jeder der 50 Satelliten-Betreiber muss sich für eines von drei Instrumenten entscheiden, mit denen Ionen und Neutralteilchen, atomarer Sauerstoff und Elektronendichte und -temperatur des Plasmas untersucht werden. Auf letztere Aufgabe wird sich das Gerät an Bord von "Pegasus" konzentrieren.

Neben der Forschung hat das QB50-Projekt vor allem das Ziel, Studenten während der Ausbildung die Möglichkeit zu geben, an einem Raumfahrtprojekt von Anfang bis zum Ende mitmachen zu können, betonte Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien. "Das ist eine Einstiegsdroge, die man in einem großen Projekt oft nicht hat", so der Astronom, dessen Studenten für die Software des Satelliten zuständig sind.

Zahlreiche Studenten am Projekt beteiligt
Insgesamt sind rund 40 Studenten in das 250.000 bis 400.000 Euro teure - je nachdem, ob nur ein Flugmodell oder wie üblich auch ein zweiter, baugleicher Satellit konstruiert wird - Projekt involviert. QB50 wird zwar von der EU gefördert - die nationalen Gruppen, die die Satelliten bauen, bekommen aus diesem Topf aber kein Geld.

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