„Krone“-Interview

Heinz aus Wien: 30 Jahre gute Laune verbreiten

Musik
03.09.2026 05:00

Heinz aus Wien feiern ihren 30. Geburtstag stilecht mit einem Gig in der wahrscheinlich vollen Arena am Open-Air-Gelände. Dazu kredenzt man den Fans das stargespickte Cover-Album „Du warst mir immer ein Freund“. Sänger und Bandchef Michi Gaissmaier blickt mit uns im Talk zurück, analysiert die Gegenwart und wagt auch schon den Blick nach vorn.

kmm

„Krone“: Michael, 30 Jahre Heinz werden am 10. September bei einem Arena Open Air-Konzert in Wien gefeiert. So wie es ausschaut, wird das Gelände ziemlich voll …
Michael Gaissmaier:
 Und das ohne Radio-Airplay und mit wenig Presse-Unterstützung. Wir haben nur mit Facebook Werbung gemacht, für ca. 100 Euro. Wir sind innerhalb der Band die besten Freunde und fahren alle gemeinsam auf Urlaub, aber die Band haben wir nach und nach ein bisschen ad acta gelegt, weil wir da auch öfter mal gestritten haben. 2022 haben wir dann in Wien für „Fridays For Future“ gespielt. Dann haben wir die Weihnachtsshows in Wien, die wir Corona auch immer spielten, wieder reaktiviert. Jedes Jahr waren größere Venues ausverkauft. Chelsea, Flucc, Wien, Arena indoor. Dann dachten wir, dass wir zum 30. Geburtstag ein Statement setzen sollten. In der Arena hatten wir 1996 unseren ersten Gig als Vorband von Selig. Also haben wir es probiert und schon im Jänner war die Halle ausverkauft – so sind wir aufs Open-Air-Gelände gegangen.

Das ist schon eine kräftige Steigerung. So große Gigs als Headliner habt ihr früher nicht gespielt.
Ja, wir stehen bei mehr als 2000 verkauften Karten, das ist schon ein Wahnsinn. Natürlich ist die Zeit heute anders als früher. In Wien heißt es, wenn man früher das Chelsea ausverkauft hat, muss man das heuer mindestens mit der Arena schaffen. Mir ist bewusst, dass es heute viele österreichische Bands gibt, die die Arena füllen, aber wir sind ja kaum aktiv, das ist wirklich toll.

Ihr habt seit neun Jahren kein Album mehr rausgebracht und seid auch nicht permanent auf Tour. Man sieht Heinz aus Wien nicht in aller Regelmäßigkeit. Insofern ist das schon eine Marke.
Am schwierigsten ist es, uns vier zur gleichen Zeit am gleichen Ort versammeln zu können, da wir alle in vollen Leben stecken. Wir merken bei unseren Weihnachtsgigs schon länger, dass wir den Leuten früher schon was mitgegeben haben und sie sich über unsere Auftritte freuen. Revivals sind ohnehin en vogue – vor 20 Jahren hätte man sich Iron Maiden auch nicht im Stadion vorstellen können. Ein bisschen hat das auch mit unserer Musik aus den 90ern zu tun. Im Rock-Genre war es das letzte relevante Jahrzehnt. Jedes Jahrzehnt hatte seine klar markierten Acts und Veränderungen, aber seit den 2000er-Jahren ist es zumindest im Rock nicht mehr so. Wir mögen jetzt alle 50 plus sein, aber deshalb hören wir auch nicht nur Klassik. Die Kombination aus Nostalgie und unserer Spielfreude macht es wohl aus.

Frontmann Michi Gaissmaier ist ein Tausendsassa und der Mann der „100.000 Tätigkeiten“.
Frontmann Michi Gaissmaier ist ein Tausendsassa und der Mann der „100.000 Tätigkeiten“.(Bild: Eva Manhart)

Euren ersten Hit hattet ihr mit dem Lied „Alles Gute, FM4“ zu deren ersten Geburtstag 1996. War das damals schon äußerst geschicktes Marketing, weil das Radio-Airplay damit ja fast garantiert war?
Wir haben damals spontan entschlossen, dem Sender ein Geburtstagslied zu schreiben. Wir sind ja fast gleichzeitig geboren und nebeneinander gewachsen. Wir haben das auf Schmalband kopiert und ich bin als Botendienstfahrer verkleidet ins Funkhaus gefahren, weil ich nicht wollte, dass uns Robert Rotifer, Gerald Votava und andere Leute von FM4 erkennen. Das war lustig und man fragte sich, wer dahintersteckt. An den Mutmaßungen habe ich mich auch beteiligt. Es war immer als Schmäh gedacht. Wir hatten es in der Band von Anfang an lustig. Das war uns am wichtigsten.

Ihr wart bis in die 2000er-Jahre hinein auch ziemlich erfolgreich, habt die Jahre nach dem großen Britpop-Hype bestmöglich für euch genützt.
Das blaue Album von Weezer war damals ein Wahnsinn, darauf konnten wir uns alle einigen, aber auch auf Radiohead. So ähnlich wollten wir klingen, nur auf Deutsch. Wir alle hatten vorher schon Musik in der Indie-Ecke gemacht und wussten ungefähr, wohin wir wollten. Bevor wir unser erstes Konzert spielten, waren schon zwei Nummern im Radio. Das konnte man nicht planen, das kam völlig überraschend. Damals haben wir wahrscheinlich ein bisschen den Zeitgeist erwischt, da wir am Cover des „Chelsea Chronicle“ und im Fernsehen waren. Dieses breite Spektrum hatten wir abgedeckt und das wurde von manchen nicht so gern gesehen. Uns war das aber egal, wir wollten so viele Zielgruppen wie möglich erwischen. Von einer „Mountainmania“ für Ö3 bis hin zu kleinen Shows.

Oder, wie es damals wirklich war, von „Confetti TV“ bis zu Beislshows am Wiener Gürtel.
Genau. Wir haben immer gesagt, dass unsere Musik für alle da ist und wollten niemals was einschränken. Die Engstirnigkeit in der Wiener Indie-Szene ging mir ziemlich auf die Nerven. Alle hatten Angst, dass man ihnen was wegnimmt und die Stimmung war sehr unkooperativ. Ich war immer jemand, der zusammenarbeiten wollte. Ich wollte schon früher Leute zusammenführen und dann ist uns Heinz passiert. Es war klar, dass wir offen auf alle zugehen und keine Berührungsängste haben. Jeder sollte hören, welche Freude wir dabei haben und damit Leute zu erreichen war das Schönste, was uns passieren konnte.

War es denn notwendig, die Band in der letzten Dekade quasi ruhend zu stellen, um eure Freundschaft untereinander zu bewahren? Meistens machen Bands aus Zwang so lange weiter, bis sie sich nicht mal mehr in die Augen schauen können …
Wir wollten von Anfang nicht nur von der Musik leben müssen und hatten früh ein Tonstudio und ich habe sowieso immer 100.000 andere Sachen gemacht. Immer weitermachen und alles auf eine Karte zu setzen, das war uns stets zu riskant. Wir kennen Musiker, die das machten. Die konnten dann knapp davon überleben, aber das wäre mir zu gefährlich gewesen. Der Grund, warum wir das heute noch machen können, ist sicher auch, dass wir früher nicht dauernd aufeinandergepickt sind, sondern jeder neben Heinz aus Wien sein Leben führte. All die Kontakte, die wir hatten, haben zum großen Ganzen geführt. Viele Bands wie uns gab es damals nicht, die im Fernsehen und Radio waren, nachdem Bogdan Roščić als Ö3-Chef die Playlist mit Autobots programmiert hat und die österreichische Musik aus dem Radio vertrieb. Da begann die Abwärtsspirale heimischer Musik und wir fielen mitten in diese Zeit. Es war ein glücklicher Zufall, dass wir andere Ventile fanden, um stattzufinden.

Die 2000er-Jahre waren für die heimische Popmusik wahrscheinlich die allerschwierigste und fruchtloseste. Da gab es von außen wenig Zeichen auf große Hoffnung.
Genau, aber wir wollten Musik machen und haben es probiert. Damals gab es so eine strenge Trennung zwischen Mainstream und Alternative, das ist heute wesentlich aufgeweichter. Es war aber möglich, dass man eine Rockgitarre im Formatradio gehört hat, das ist heute wesentlich schwieriger geworden. Nickelback haben auch bewusst Songs mit Akustikgitarren aufgenommen, um dort vorzukommen. Das hätten wir nie gemacht.

Was ist heute eure Zielgruppe? 40 plus? Oder verirren sich auch jüngere Menschen zu Konzerten von Heinz aus Wien?
40 plus ist eine gute Einschätzung, aber die bringen auch gerne ihre Kinder mit. Heute sind die Eltern von damals wieder alt genug. Die Kinder sind flügge und die Eltern können wieder raus und Bier trinken, ohne dauernd auf die Kinder zu schauen.

Auf eurem neuen Album „Du warst mir immer ein Freund“ covert ihr Songs von Vorbildern oder befreundeten Bands mit Freunden. Etwa das eingedeutsche Naked Lunch-Lied „Soldaten des Herzens“ mit Oliver Welter. Naked Lunch waren ungefähr zu eurer Hochzeit so eine Band, die es fast international geschafft hätte. War das auch euer Bestreben?
In Österreich hatten wir damals das Glück, eine tolle Plattenfirma gehabt zu haben, die wirklich auf uns geschaut und uns weitergebracht hat. In Deutschland waren wir halt eine Nummer von vielen. Da haben wir schnell gemerkt, dass auch die Leute nicht so dahinter sind, nicht ganz an das Produkt geglaubt haben und wenn das eintritt, wird es brutal schwer. Wir haben sehr schnell, sehr viel über das Business gelernt und uns vermehrt auf Österreich konzentriert. Es war aber natürlich toll, in Deutschland auf Tour zu gehen. Da haben wir in den 90ern die Sportfreunde Stiller und Klee kennengelernt.

Tracklist von „Du warst mir immer ein Freund“

  1. „Soldaten des Herzens“ ft. Oliver Welter (Naked Lunch)
  2. „Gezeichnet fürs Leben“ ft. Nino aus Wien (Wolfgang Ambros)
  3. „Du warst mir immer ein Freund“ ft. Sportfreunde Stiller (Andrew Gold)
  4. „Bohemian wie du“ ft. Marco Pogo (Dandy Warhols)
  5. „Sag ja“ ft. Klee (Elliot Smith)
  6. „Du und Ich Song“ ft. Mulan (Wannadies)
  7. „Try“ ft. Manuel Rubey (P!nk)
  8. „Es ist so schade um Ray“ ft. Lelo Brossmann (Lemonheads)
  9. „Wir werden grau“ ft. Lil Julez (Visage)
  10. „Wie im Himmel“ ft. Hannah Gartner (The Cure)
  11. „Das Konzept“ ft. Birgit Denk (Teenage Fanclub)

Der Sprung nach Deutschland ist nach wie vor kein einfacher für eine österreichische Band.
Die Deutschen hatten es bei sich noch schwerer. Die Sportis bekamen knapp nach uns einen Plattenvertrag und haben – im Gegensatz zu uns – alles auf eine Karte gesetzt und das ging auf. Weil wir finanziell nicht auf die Band angewiesen waren, haben wir aber alles etwas leichter genommen. Wir wussten, in Österreich gibt es viele Leute, denen der Sound gefällt und das hat uns gepasst. Uns war es manchmal wichtiger, unseren Dickschädel durchzusetzen und dafür Dinge nicht zu machen, bevor wir wo klein beigeben. Das waren die großen Veranstalter nicht gewohnt.

Und irgendwann wurden andere Dinge im Leben wichtiger?
Von 2000 bis 2002 habe ich in Köln gewohnt, da waren wir noch sehr aktiv. Wir haben mit Fortdauer der Jahre auch andere Dinge gemacht, aber Heinz aus Wien waren immer da. Mittlerweile gibt es in der ganzen Band zehn Kinder und auch schon Enkelkinder. Da werden andere Dinge im Leben wichtiger und man schaut nicht mehr so verbissen auf die Musik. Im Nachhinein bin ich sehr froh, wie alles gelaufen ist. Wir hätten uns auch zerstreiten und uns die Köpfe einschlagen können. Stattdessen treffen wir uns heute immer wieder als beste Freunde, spielen schöne Konzerte und haben Spaß.

Wie sahen denn eure 90er-Jahre aus? War da mehr Sex, Drugs und Rock’n’Roll oder war das schon damals ein Klischee?
Auch wenn wir nicht laufend Konzerte spielten, haben wir schon viel gefeiert. Da gab es sehr viel absurde, spaßige Situationen. Mit der Crew waren wir meist 13 Leute und sind gerne im Rudel wo eingefallen und haben Party gemacht. Der Didi Tschmelar, Chef vom Radio Soundportal in Graz, hat sicher die besten Geschichten davon. Der hatte daheim mal eine Geburtstagsfeier und sagte, wir sollen spielen. Er könne keine Gage zahlen, aber könnten so viel trinken, wie wir wollen. Da sind wir dann alle gekommen und das bereut er heute noch. (lacht)

Erkennt der Michi Gaissmaier von heute sich noch gut im damaligen?
Ich war nicht so extrovertiert wie andere Musiker. Viele waren sehr provokativ, stellten sich richtig aus. Wir waren auch keine Drogenbande, sondern haben uns einfach gerne angesoffen. Nach Konzerten ist es relativ einfach, Leute kennenzulernen und so waren die Aftershowpartys schon sehr witzig. Wodka Red Bull war ein wichtiger Teil des damaligen Lebens. Wir waren Freunde, die gemeinsam unterwegs waren. Das war besonders lustig.

Gaissmaier im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein im Café Westend in Wien.
Gaissmaier im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein im Café Westend in Wien.(Bild: Eva Manhart)

Was denkt man sich an deiner Stelle zum 30er mit großem Jubiläumskonzert und einem neuen Album? Fuck, wo ist die Zeit hingerannt? Oder überwiegen vielmehr Freunde und Stolz auf das Erlebte und Erreichte?
30 ist schon eine krasse Zahl. In der Zeit werden Kinder erwachsen und kriegen selbst wieder Kinder. Natürlich bin ich älter geworden und vieles geht sich körperlich nicht mehr so gut aus wie damals, aber im Kopf sind wir nicht viel anders als früher. Natürlich zu einem gewissen Grad erwachsener und ruhiger, aber auch nicht immens. Wenn du 1996 30 Jahre zurückrechnest, bist du bei 1966. Das ist absolut unvorstellbar und mutet absurd an. Ich freue mich aber, dass wir so viel gesehen und erlebt haben. Wir freuen uns irrsinnig, dass viele der Nummern noch immer funktionieren. Viele Leute singen jedes Lied auswendig mit, weitaus besser als ich. Und das auch noch mit so viel Euphorie und Freude – einfach toll.

Gab es auch Überlegungen, das Jubiläum mit einem richtigen Studioalbum voller selbstgeschriebener Songs zentral zu zelebrieren?
Als die Überlegungen zum 30er kamen, fand jemand die Idee eines Albums gut, dann wurde es eben eines mit Cover-Versionen. Da mussten wir nicht selbst schreiben, sondern nur arrangieren. Da ist auch die Gefahr, dass wir uns im Studio fetzen, geringer. Das klingt jetzt dramatischer als es ist. Jedenfalls höre ich gerne selbst so viel Musik, da war die Idee mit den Cover-Songs ideal. Leiwande Musik aus unterschiedlichen Genres und Epochen zu einem einzigen Roman zu verbinden. Bei manchen Ideen hat es gut geklappt, bei anderen überhaupt nicht. Wir haben auch Sachen verworfen, die einfach nicht funktioniert haben.

Beim Visage-Cover „Wir werden grau“ hören wir etwa Lil Julez. Der war noch nicht mal auf der Welt, als ihr als Band gestartet habt.
Den Julian kennen wir schon, bevor er auf der Welt war. Er ist der Sohn von Bernd, unserem Schlagzeuger und wir fanden es super, wie Julez, der 30 Jahre jünger ist als wir, Musik heute sieht, wie er produziert und komponiert. Wir wissen selbst, dass wir nicht zwingend am Puls der Zeit sind, und da hole ich mir gerne Input von den Jungen. Umgekehrt kennt Julian Heinz aus Wien so gut wie niemand anderer und deshalb war die Zusammenarbeit spannend.

Habt ihr alle Gäste bekommen, die ihr wolltet?
Gute Frage. Ich persönlich hätte noch gerne Ankathie Koi dabei gehabt, aber das ging sich zeitlich nicht aus. Tobias Pötzlsberger wollte am Album nicht singen, weil er meinte, er habe keine Rockstimme, dafür ist er live mit uns dabei. Wir hatten keine Riesenliste, wer da unbedingt dabei sein sollte, sondern haben Leute erwählt, die wir lange kennen. Wie Birgit Denk oder Marco Pogo von Turbobier. Mit dem Nino aus Wien habe ich auch schon lange darüber geredet. Wir haben ja denselben „Nachnamen“. Er und Wanda-Gitarrist Manuel Poppe mögen unsere Band. Beim Donauinselfest hat uns Manuel gesagt, er habe in der Schule in den Pausen immer Heinz gehört – es war für ihn wie eine „österreichische Sonne“. Wir wissen, dass uns viele gehört haben. Deshalb sind wir die Großeltern von Wanda und Bilderbuch, wie ich immer gerne sage. Der Stiefpapa von Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst ging mit mir sogar in die Schule.

Ich finde den Albumtitel sehr schön. Was macht einen guten Freund aus? Was definiert eine gute Freundschaft?
Über einen guten Freund freut man sich auch, wenn man ihn lange nicht mehr gesehen hat. „Du warst mir immer ein Freund“ von Andrew Gold haben wir mit den Sportis aufgenommen und das hat perfekt gepasst.  Wir haben echt extrem viel miteinander erlebt und begleiten uns schon die ganzen 30 Jahre über. Peter Brugger und ich haben sogar am exakt gleichen Tag Geburtstag und sind gleich alt – und gleich virtuos an der Gitarre. (lacht) Wir gelten auch beide nicht als die tollsten Sänger, aber diese Freundschaft hält ewig. Das Thema ist bei uns in der Band sehr wichtig. Wir Menschen sind heute oft so mit uns gefangen. Ich mag es gern, Freunde zu treffen, positive Zeit zu erleben und was gemeinsam zu machen. Wir fühlen uns oft ein bisschen beschissen, wie es Wiener gerne tun und deshalb wollten wir die Freundschaft so hochhalten.

Haben die Lieder sich die Interpreten quasi ausgesucht?
Wir haben die Lieder ausgesucht und es hat sich oft ergeben. Manuel Rubey singt mit mir „Try“ von P!nk und das hat sich mal daraus ergeben, dass wir beide bei einem Benefizkonzert waren und darüber geredet haben, dass es eine „Easy-Claim-Nummer“ sei. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, aber jetzt ist es so und er hat’s eingesungen.

Gab es auch Songs, die sich nicht ausgegangen sind? Weil die richtige Stimme fehlte oder das Arrangement einfach nicht funktionieren wollte?
„Roxanne“ von The Police. Wir finden die Nummer alle super, aber es ging sich nicht aus. Auf der allerersten Brainstorming-Liste, wo jeder seine Lieblingsnummern beisteuerte, waren Songs wie „Total Eclipse Of The Heart“ von Bonnie Tyler oder „We Are The World“ von Michael Jackson drauf. Von dort aus haben wir ausgedünnt. Was ist lustig? Was finden nur wir lustig? Was passt gut zu wem?

Der Idealzustand wäre natürlich, wenn all diese Gäste mit euch am 10. September in der Arena auf die Bühne gehen würden.
Es werden sich nicht alle ausgehen, aber sehr viele. Wir werden einen ganzen Haufen der neuen Nummern schön verpackt mit den Gästen spielen und natürlich auch alte Klassiker. Das wird ein ganzer Haufen an schönen und bunten Menschen, auf die wir uns alle freuen.

Gibt es eigentlich die Motivation, noch einen nächsten Schritt zu gehen? Zu sagen, wir schreiben noch ein richtiges Album oder gehen auch mal stärker auf Tour? Wir wollen raus aus Wien?
Das Feedback seit dem ersten Weihnachtskonzert 2022 war wirklich beeindruckend und hat uns motiviert. Wären diese Shows nicht gewesen, würde es jetzt wohl auch dieses Album nicht geben. Wenn man dann fast schon eine volle Open-Air-Arena hat, macht das natürlich was mit einem. Es entfacht Freude und Stolz und natürlich wäre es sinnvoll, diesen Fahrtwind zu nützen. Wir bringen jetzt mal diese Show hinter uns und schauen dann weiter. Ich versuche auf der Bühne auch noch Gas zu geben. Der Handstand wie früher geht sich nicht mehr aus, aber es ist auch wichtig, dass wir nicht altvaterisch da oben sitzen und irgendwas zusammenschrammeln. Vielleicht kommt das noch, aber nicht jetzt. Momenten wollen wir rocken und schon beim Soundcheck aufdrehen. Vor allem zu sehen, was es macht, wenn Lärm, Lied und Lust auf die Leute überspringt und alles in eine kollektive Euphorie übergeht.

In Wiener Popkreisen momentan allgemein ziemlich populär: ein Soda Zitron.
In Wiener Popkreisen momentan allgemein ziemlich populär: ein Soda Zitron.(Bild: Eva Manhart)

Euphorie geht oft auch mit Nostalgie einher. Viele Leute besinnen sich bei euren Liedern auf ihre eigene Jugend zurück, wollen sich mit so einer Show ein Stück der schönen Vergangenheit vergegenwärtigen. Ist es wichtig, Nostalgie schön zu halten, aber nicht zu verklären?
Das „früher war alles besser“-Getue sehe ich überhaupt nicht so. Ich spiele noch immer dieselbe Gitarre wie vor 30 Jahren und habe auch noch dieselben Verstärker, aber die Musik selbst ist anders und breiter geworden. Wir machen keinen klassischen Old-School-Sound. Rockmusik wird heute auch wieder von 19-Jährigen verstanden und gespielt, deshalb sehe ich die Show nicht als nostalgisch. Der nostalgische Part ist, dass diese Nummern von damals noch immer funktionieren und gerne gehört werden. Da haben wir ein großes Glück, dass wir ein Set mit Songs haben, wo die Menschen mitsingen können. Es ist schön, dass sich heute alles zu einem Paket zusammenfügt.

Sind die Gäste alle nach Wien gekommen für die Studioaufnahmen zum Album oder passierte das teilweise aus der Ferne?
Durch unser Tondstudio können wir alles in Ruhe selbst machen. Wir haben dadurch keinen Druck, was gleichzeitig gut und schlecht ist. Deshalb haben wir den Plan lange schleifen lassen. In der Art und Weise wie wir produzieren, das würde sich heute kein normaler Mensch leisten und das geht nur, wenn du ein Studio besitzt. Wir haben oft überarbeitet, weggeworfen, neu aufgenommen. Die Räumlichkeiten in großem Bogen genützt und in unterschiedlichen Konstellationen gebastelt. Vielleicht wäre eine Platte von Heinz aus Wien auch besser, wenn wir mehr Stress hätten – ich weiß es nicht. Aber „Du warst mir immer ein Freund“ passt so, wie es ist.

In weiteren 30 Jahren bist du bereits im Mick Jagger-Alter. Ist die Band aus heutiger Sicht da noch immer eine Option?
Hättest du mich vor 30 Jahren gefragt, ob es uns in 30 Jahren noch gibt, hätte ich dir auch gesagt, dass ich keine Ahnung habe. Das muss man alles auf sich zukommen lassen. Dass wir uns alle gerne mögen, ist eine gute Voraussetzung dafür. Manchmal braucht man etwas mehr Abstand voneinander, dann wieder weniger. Es ist alles zwanglos und das ist sicher der wichtigste Grund, dass es so reibungslos läuft.

Ihr habt die allerschlimmsten Krisen überstanden?
Bislang ja, aber man weiß nicht, was noch kommt. Sofern wir noch auf der Welt und gesund sind, kann es aber durchaus sein, dass wir sogar in 30 weiteren Jahren noch was miteinander machen.

Eine wahrscheinlich volle Arena Wien am Open-Air-Gelände ist aber auch so ein Markstein, wo man sich die Frage stellen könnte: Und wie sollen wir das noch überbieten können?
Das ist schon mal sauber, keine Frage. Würden wir das in eine gewisse Regelmäßigkeit bringen, wäre ich schon äußerst zufrieden. Mit dem Erfolg steigt natürlich die Lust, was zu machen. Wir haben diese große Bühne und auch andere Möglichkeiten, damit umzugehen. Da mussten wir uns bei den Ideen schon ein bisschen einbremsen, sonst machen wir auch mit 3000 Zusehern einen Verlust. Es ist schön zu sehen, dass wir uns in 30 Jahren ein bisschen in der österreichischen Musikgeschichte etabliert haben. Wir saßen von Anfang an zwischen dem Indie- und dem Mainstream-Stuhl und hatten gute Laune, was nicht alle gern gesehen haben. Insofern freut es uns, dass wir noch immer hier sind und diese gute Laune gern angenommen wird. Wenn die Leute glücklich vom Konzert heimgehen, dann haben wir gewonnen.

Als Künstler kann man sich auch eine gewisse Kindlichkeit bewahren. Wird ein Musiker jemals erwachsen?
Man ist sicher erwachsener als am Anfang, weil man Erfahrung gesammelt hat. Ich habe deshalb auch immer gerne junge Bands unterstützt, damit sie nicht dieselben Fehler machen, die wir gemacht haben. In unseren Zeiten gab es auch keine gute Infrastruktur, es gab kaum österreichische Bands, die regelmäßig für Konzerte durchs Land fuhren. Da haben wir viel lernen müssen. Auch in puncto Business, was Plattenfirmen und Managements angeht. Wir fühlen uns älter, aber natürlich nicht alt. Wir sind dieselben Typen, haben dieselben Flausen im Kopf und geben noch gerne Gas – auch wenn wir es heute kaum noch übertreiben. Wir hatten immer Lust auf die Musik, Lust auf die Bühne, Lust aufs Publikum. Wir wollen und müssen uns das Publikum erspielen, um diesen berühmten Funken überspringen zu lassen. Das hat uns immer ausgezeichnet und das ist nach wie vor unser Ansporn.

Gibt es eine Band, deren Aura du durch Heinz aus Wien gerne in der Art weitergegeben hättest, weil du von dieser Band so begeistert warst?
Ich habe in meinem Leben wirklich viele Konzerte gesehen, aber als 1992 „It’s A Shame About Ray“ von den Lemonheads rauskam, war ich hin und weg. Die Band spielte damals in der Szene Wien, da waren vielleicht 30 Leute und ich war das erste Mal alleine auf einem Konzert. Das war so geil, unpackbar. Vor ein paar Jahren spielten sie im Chelsea, das war ein bisschen desillusionierend dann, aber dieses Erlebnis er kann mir niemand mehr nehmen. Musik kann einen immer noch so mitnehmen wie sonst nichts auf der Welt.

Geburtstag in der Arena
Am 10. September steigt die große Party von Heinz aus Wien bei einem hoffentlich randvollen Konzert am Open-Air-Gelände der Arena Wien. nter www.oeticket.com gibt es sogar noch Karten für die Party mit vielen tollen Star-Gästen. Am besten schnell zugreifen – lang wird es sie nicht mehr geben.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung