Sie war aus dem Fenster gesprungen, weil sie Angst vor ihrem neuen Betreuer hatte – die Verzweiflungstat einer Zwölfjährigen lenkt den Fokus auf einen Verein für jugendliche Hochrisiko-Klienten in Wien. Familiäre Verbindungen führen zu jener Behörde, die diese Organisation finanziert.
Ein schwer traumatisiertes Mädchen springt bei der Verlegung in eine Einrichtung aus purer Verzweiflung aus dem Fenster. Wie berichtet, wurde der Verein Homebase, der dieses Mädchen weiter pädagogisch betreuen sollte, im Vorfeld gewarnt, bloß keinen Mann zur „Klientenübergabe“ zu schicken. Gekommen ist der Geschäftsführer selbst: tätowiertes Gesicht, sogar mit Pentagramm auf der Stirn, Vollbart. Fotos auf der offiziellen Seite des Vereins zeigen ihn im Satanisten-Look mit aufschraubbaren Hörnern und Fleischtunneln in den Ohren. Schwer verletzt und mit Brüchen musste das Mädchen ins Spital gebracht werden.
Kometenhafter Aufstieg
Bemerkenswert ist auch der kometenhafte Aufstieg des Vereins Homebase, der Anfang 2025 noch völlig unbekannt war. Die MA 11, unter der politischen Leitung von Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos), schwärmt in einer ersten Stellungnahme von Homebase in den höchsten Tönen: „Der Verein erhielt ursprünglich eine Bewilligung für die Betreuung von Minderjährigen aus anderen Bundesländern und erarbeitete sich in kurzer Zeit einen guten Ruf.“
Die Behörde erklärt den Stellenwert der Organisation: „Mit Stand 1. April 2026 wurden zehn Wiener Kinder vom Verein betreut. Davon werden acht Kinder und Jugendliche in sozialtherapeutischer Einzelbetreuung betreut. Zwei Jugendliche im Rahmen vom betreuten Wohnen.“ Das Alter der Kinder und Jugendlichen liegt zwischen neun und 15 Jahren.
Besonders spannend ist die finanzielle Entwicklung. Lagen die Ausgaben der Stadt für Homebase im Juni 2025 noch bei 44.077 Euro, waren es im März 2026 bereits 386.093 Euro. Höchststand im Jänner 2026 mit 415.094 Euro. Die Tagsätze pro Kind bewegen sich zwischen 869 und 1235 Euro.
Familiäre Verknüpfung „war offengelegt“
Wohl nicht besonders schädlich dürfte die familiäre Verknüpfung von Homebase mit der MA 11 sein – denn in der Behörde der Stadt Wien arbeitet der Vater des Geschäftsführers des urplötzlich so erfolgreichen Vereins als Personalvertreter. Für die Stadt kein Problem: „Dies war offengelegt. Der Personalvertreter war in keiner Weise, mittelbar oder unmittelbar, in Entscheidungen bezüglich des Vereins Homebase eingebunden.“ Der Verein selbst war zu keiner Stellungnahme bereit.
Massive Kritik an diesem Konstrukt kommt von ÖVP-Wien-Chef Markus Figl: „Vizebürgermeisterin Emmerling muss alle Vorwürfe restlos aufklären und die politische Verantwortung übernehmen.“
Ich habe sofort eine weitere Prüfung und lückenlose Dokumentation bei der MA 11 beauftragt.
Bettina Emmerling (Neos)
Emmerling: „Weitere Überprüfung beauftragt“
Während die erste Reaktion der Stadt auf den dramatischen Sprung aus dem Fenster des Kindes noch in Richtung Verteidigung ging („Ein fachliches Fehlverhalten des Trägers Homebase wurde dabei nicht festgestellt“), hat man sich im Büro Emmerling den Fall am Sonntag genauer angesehen. Der „Krone“ ließ sie ausrichten: „Die beschriebenen Gegebenheiten waren mir nicht bekannt und sind, sollten sie sich so zugetragen haben, nicht zu tolerieren. Ich habe sofort eine weitere Prüfung und lückenlose Dokumentation bei der MA 11 beauftragt. Sollte ein vermeidbares Fehlverhalten festgestellt werden, werden auch entsprechende Konsequenzen gezogen werden.“
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