In Aflenz an der Sulm (Bezirk Leibnitz) laufen aktuell Bauarbeiten für ein begehbares Kunstwerk, das ab Oktober an das ehemalige KZ-Außenlager erinnern soll. Bei Grabungen wurde nun eine Häftlingsmarke gefunden, die das Schicksal eines Zwangsarbeiters aus Polen sichtbar macht.
Wo heute in Aflenz an der Sulm (Leibnitz) nur noch Wiese ist, war zwischen 1944 und 1945 ein KZ-Außenlager von Mauthausen – bis zu 900 Häftlinge waren dort für die Rüstungsindustrie tätig, mindestens 62 von ihnen kamen ums Leben. Ab Oktober soll dort das begehbare „Aflenz Memorial“ von Künstlerin Milica Tomic an die Gräueltaten erinnern und den Opfern gedenken.
Bei Bauarbeiten für dieses Memorial wurde nun ein bewegender Fund gemacht: Am Areal des ehemaligen Appellplatzes stießen Arbeiter auf eine Häftlingsmarke mit der Nummer 38882. Die Nummer lässt sich einem Mann namens Albin Gietka zuordnen. Er wurde am 18. April 1910 im polnischen Kurzyna geboren. Im Oktober 1943 wurde er ins Konzentrationslager Birkenau eingewiesen, später kam er nach Mauthausen und am 21. Juli 1944 von dort nach Aflenz, wo er in den unterirdischen Stollen Schwerstarbeit für die Rüstungsproduktion der Steyr-Daimler-Puch AG leisten musste.
Häftling dürfte überlebt haben
Historische Dokumente weisen Gietka als ausgebildeten Schmied aus – vermutlich der Grund, warum er für die Arbeit in Aflenz angefordert wurde. Sein Schicksal deutet damit auch auf ein System der gezielten Ausbeutung von KZ-Häftlingen als Zwangsarbeiter für die Rüstungsindustrie hin. Soweit bislang recherchiert werden konnte, hat Gietka seine Internierung in den verschiedenen Konzentrationslagern übrigens überlebt.
„Ein derartiger Fund 2026 ist angesichts der jahrzehntelangen landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen bemerkenswert. Er zeigt, wie viel Archäologie zur Erforschung der jüngsten Geschichte beitragen kann. Weitere Untersuchungen dazu sind in Kooperation mit der Universität Innsbruck geplant“, sagt Bernhard Schrettle von ASIST (Archäologisch Soziale Initiative Steiermark), die die Grabungen begleitet. Alle Funde sollen nach Abschluss der Arbeiten der Marktgemeinde Wagna zur Verfügung gestellt werden.
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