99 Prozent der Kinder in der Volksschule Keplerplatz haben einen Migrationshintergrund. Die „Krone“ war am Zeugnistag vor Ort und sprach mit Lehrerinnen über die Herausforderungen, aber auch den Zusammenhalt, der die Schule ausmacht.
Kurz vor 9 Uhr wuselt es im Stiegenaufgang in der Volksschule Keplerplatz in Favoriten. In der „Delfinklasse“, der 1B, ist es beim Besuch der „Krone“ sowie Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) und Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs vergleichsweise ruhig.
Klassenlehrerin Cecilia Turi ruft die Schüler gerade einzeln auf, um ihnen ihr Zeugnis zu überreichen. „Ich bin so stolz auf euch. Viele von euch konnten am Schulanfang gar nicht Deutsch und jetzt sprecht und schreibt ihr so gut“, sagt sie. Alle Kinder können in die zweite Schulstufe aufsteigen.
Hoher Migrationsanteil
Die meisten müssen die Sommerschule am Ende der Ferien besuchen. Denn: „99 Prozent der Schüler haben bei uns einen Migrationshintergrund“, sagt Direktorin Sabina Martins. Eine Herausforderung, meint sie. Manche Kinder seien „am Schulanfang noch nicht alphabetisiert“.
Die Schule habe sich aber gut organisiert. „Wir nehmen die Kinder in Kleingruppen heraus, um Deutsch zu lernen, wir feiern immer katholische und muslimische Feste und schauen, dass wir als Gemeinschaft zusammenarbeiten, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt“, sagt sie. Für Lehrer ist das aber nicht immer einfach.
In der Vergangenheit gab es eine hohe Fluktuation, mittlerweile habe man ausreichend Lehrkräfte, die „überaus engagiert sind“, so Martins. „Alle, die hier bei uns andocken, sind sich der Rahmenbedingungen bewusst“, fügt sie an. Auch Frau Turi wusste über den hohen Migrationsanteil Bescheid. Dass der Großteil kaum Deutsch spricht, sei nicht einfach. Es bedürfe vieler Planungen. Den Schülern zollt sie aber auch Respekt: „Sie leisten wirklich viel“, sagt sie.
„Die Hitze war teilweise unerträglich. Aber wir haben uns an die Rahmenbedingungen angepasst. Immer nur raunzen hilft auch nichts.“

Sabina Martins
Direktorin
Bild: Martin A. Jöchl
„Es ist schon herausfordernd, wenn nur wenige Kinder in der Klasse Deutsch sprechen. Aber sie leisten wirklich viel.“

Cecilia Turi
Lehrerin
Bild: Martin A. Jöchl
Die Volksschule bekommt ab Herbst auch den Chancenbonus. Dieser geht an Brennpunktschulen, in denen besonders viele sozioökonomische Hintergründe aufeinandertreffen. Das bedeutet auch mehr Personal, auf das sich sowohl Frau Turi als auch Direktorin Martins freuen.
30 Grad noch am Zeugnistag
In den letzten zwei Schulwochen war es vor allem die Hitze, die Lehrern wie Schülern zu schaffen machte. „Wir haben die erste Stunde in der Klasse abgehalten und sind dann in den Hof gewechselt“, so Frau Turi. Über Ventilatoren oder Klimageräte wäre sie dankbar gewesen. Anfang der Woche habe es in den Klassen 36 Grad gehabt.
Auch am Zeugnistag waren es um die 30 Grad. Man habe versucht, Beamer nur bedingt zu verwenden und Jalousien stets geschlossen zu halten, erinnert sich Martins. Aber: „Es war teilweise schon unerträglich“, ist sie ehrlich. Den Gegebenheiten habe man sich aber angepasst. Etwas, das die Schulgemeinschaft bereits perfektioniert hat. „Immer nur raunzen hilft auch nichts“, so die Direktorin.
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