Di, 17. Juli 2018

Versuche auf der ISS

10.07.2014 08:48

Seifenblasen leben im All länger als auf der Erde

Kaum zieht die Schwerkraft nicht mehr an ihnen, beweisen Seifenblasen erstaunliche Stabilität: Zu diesem Ergebnis ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst bei Versuchen auf der Internationalen Raumstation ISS gekommen. Auch ein Nadelstich macht ihnen nichts aus und selbst zusätzliche farbige Flüssigkeit haftet im All problemlos an den fragilen Blasen (siehe Video).

Das Experiment hatte sich im Schülerwettbewerb "Aktion 42" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der europäischen Weltraumorganisation ESA und der Stiftung "Jugend forscht" als Gewinnervorschlag durchgesetzt.

Ausgerüstet mit einem Strohhalm, dem Haarshampoo der ISS-Bewohner und einer Stoppuhr lüftet Gerst das Geheimnis, wie lange Seifenblasen in der Schwerelosigkeit überleben: An Bord der ISS hielten sich die Blasen durchschnittlich eine Minute lang, während sie auf der Erde im Schnitt schon nach 20 bis 30 Sekunden unter dem Einfluss der Schwerkraft zerplatzten. "Die sind schon sehr stabil", wunderte sich Gerst beim Experiment im europäischen Forschungsmodul "Columbus", als die erste Blase erst nach 55 Sekunden zerplatzte.

Hülle bleibt in Schwerelosigkeit stabiler
Dass die Seifenblasen im Weltall so viel länger leben, liegt daran, dass dort keine Erdanziehungskraft an den Bestandteilen der Seifenblasen zieht: Ihre Hüllen, die aus einer Schicht Wasser zwischen zwei Seifenschichten bestehen, können so stabil bleiben. Auf der Erde hingegen läuft die Wasserschicht der Hülle in Richtung Boden und sammelt sich am unteren Ende - oben besteht die Seifenblase dann nur noch aus den beiden äußeren Seifenschichten. Die Hülle wird immer dünner, bis sie schließlich reißt, und die Seifenblase platzt.

Warum aber die Seifenblasen in der ISS nicht unsterblich sind, kann Matthias Sperl vom DLR-Institut für Materialphysik im Weltraum, der das Experiment in der ISS vom Boden aus betreute, aber nicht genau sagen: "Dort oben wird die Luft durch die Ventilation bewegt, das könnte ein Grund sein", schätzt er. "Beim freien Schweben würden die Blasen außerdem an den Wänden der ISS zerplatzen, hält man sie deshalb mit einem Strohhalm fest, übt auch das wieder einen Einfluss auf die empfindlichen Seifenblasen aus."

Blasen halten sogar Nadelstichen stand
Die deutlich größere Stabilität stellten die Seifenblasen auch in weiteren Versuchen unter Beweis: Selbst eine Sicherheitsnadel, die Gerst direkt in die Hülle stach, brachte die Blasen nicht zum Platzen. "Die Wand der Seifenblase ist unter Schwerelosigkeit einfach dicker und gleichmäßiger als auf der Erde", erläutert DLR-Projektleiter Sperl.

Überrascht hat ihn dennoch der Ausgang des Experiments, farbiges Wasser auf der Seifenblase aufzutragen. Als rote Tupfen blieben sie auf der Hülle der Seifenblase "hängen" oder sammelten sich entlang der Hülle. "Auf der Erde würde schon alleine die Pipette beim Auftragen der Farbe die Seifenblase platzen lassen oder die farbigen Tropfen würden durch die Seifenblase einfach hindurchfallen", so der Wissenschaftler.

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