In Wien-Landstraße fand am Mittwochvormittag ein Großeinsatz der Polizei mit Unterstützung der WEGA statt. Der Grund: Aktivisten hatten auf dem Areal in St. Marx ein illegales Camp errichtet, um gegen die geplante Verbauung der Wien Holding Arena zu demonstrieren.
Die Initiative „St. Marx für Alle“ macht seit Monaten gegen die Verbauung des Areals mobil. Auf dem Gelände gab es über Jahre immer wieder Zwischennutzungen – etwa Flohmärkte, Gemeinschaftsprojekte und Veranstaltungen. Mit Jahresende war damit aber Schluss. Bei den Aktivisten sorgte das für massiven Ärger. Sie fordern, dass die innerstädtische Freifläche erhalten bleibt, statt sie mit Millionenbeträgen aus teils städtischen Mitteln zu verbauen.
Seit Mittwoch, 8 Uhr, läuft laut Wiener Polizei ein Einsatz auf dem Freigelände St. Marx. Grund ist eine „nicht ordnungsgemäß angezeigte Versammlung“, hieß es von der Wiener Polizei. Aktivisten hatten dort mehrere Holzhütten errichtet, auf einer Holzlatte steht „St. Marx für Alle“.
Person offenbar auf Bagger geklettert
Wegen des drohenden Abrisses rief die Organisation zu einem spontanen Protest bei der Ecke Viehmarktgasse auf. Die Demonstration wurde laut Polizeisprecherin Julia Schick rasch aufgelöst, dennoch blieb den ganzen Tag über ein Polizeiaufgebot vor Ort bestehen. Die Gruppe Sofortmaßnahmen übernahm den Abriss des Camps. Laut der Initiative seien „alle sicher raus“, eine Person habe sich jedoch „zwischen die Polizei und einen Bagger“ gestellt, weshalb der Abriss vorerst gestoppt worden sei, wie die Organisation in einem Posting angab.
Laut Schick habe es der vorläufigen Bilanz am Nachmittag zufolge sechs Festnahmen und mehrere Abmahnungen gegeben. Der Grund: Nach der Auflösung der Demonstrationen hätten die Aktivisten erneut versucht, auf das Freigelände zu gelangen.
Starke Kritik von Greenpeace und Demonstranten
Das Areal gilt als eine der letzten großen Freiflächen Wiens. Mit rund 60.000 Quadratmetern wurde es 2025 sogar zu einem der „Betonschätze“ Österreichs gekürt. Deshalb formiert sich auch derart massiver Widerstand gegen die geplante Verbauung. St. Marx sei ein „Treffpunkt und Bewegungsraum inmitten eines stark bebauten Stadtteils“, kritisierte Greenpeace in einer Aussendung. Statt diese graue Wüste zu entsiegeln und in einen „Wohlfühlort für Mensch und Natur zu verwandeln“, so die Umwelt-NGO, werde nun gegen den Willen der Bevölkerung die nächste Eventhalle gebaut.
Statt diese graue Wüste zu entsiegeln und in einen Wohlfühlort für Mensch und Natur zu verwandeln, wird nun die nächste Eventhalle gebaut.
Die Umwelt-NGO Greenpeace in einer Aussendung
Der Kritik schließen sich auch die Demonstrierenden in einer Stellungnahme an. Über Jahre sei in friedlicher Selbstverwaltung ein Kulturort entstanden. Ein Abriss würde diese Initiative massiv untergraben, so der Vorwurf. Die Freifläche habe als „einzige kulturelle Landschaft“ die Stadt belebt und „niederschwellige Orte des Zusammenkommens“ geschaffen.
Der Kontakt zwischen den Nutzern, der Wien Holding und der Polizei sei in der Vergangenheit stets kooperativ verlaufen. „Uns bleibt schleierhaft, wer diese Räumung verordnet hat und warum sie unangekündigt erfolgen muss“, so eine Aktivistin. Ein Vorgehen mit „Härte und Rohheit“ gegen die Demonstrierenden sei nicht zu rechtfertigen.
Bau der Eventhalle weiter in Planung
Die Eventarena soll Austragungsort für sämtliche Arten von Shows und Events werden, also etwa für große Rock- und Popkonzerte oder auch für Sportbewerbe und Messen. Die Eröffnung war in der Vergangenheit mehrfach verschoben worden, über deren bauliche Umsetzung werde weiterhin verhandelt, betonte die Stadt Wien. Bis zu einer Entscheidung soll die Fläche unter anderem als Bau- und Logistikfläche für das Life Science Center Vienna sowie für Veranstaltungen genutzt werden.
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