Osterfestspiele

Berliner Philarmoniker: „Familie ist heimgekehrt“

Salzburg
30.03.2026 08:00
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Ein sogenannter „Full Circle Moment“ beschreibt neudeutsch eine Situation, in der man nach einer Reihe von Ereignissen wieder am Anfang ankommt – oft mit neuem Verständnis. Etwas Derartiges erlebten die Berliner Philharmoniker zum Auftaktwochenende der Osterfestspiele in Salzburg.

 Nach 13 Jahren sind sie nun wieder „zuhause„. Arabel von Karajan, Tochter des Festivalgründers Herbert von Karajan, sprach nach dem Chorkonzert am Samstagabend im Großen Festspielhaus emotional zum Publikum: „Ein Traum ist wahr geworden. Die Familie ist heimgekehrt.„

So überzogen ist diese Bezeichnung nicht. Ein Blick zurück in das Jahr 1967 zeigt, wie eng die Geschichte der Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern verwoben ist. Karajan hatte mit dem Orchester im symphonischen Repertoire bereits alles erreicht. Um diese künstlerische Beziehung lebendig zu halten, suchte er nach neuen Herausforderungen. Die Lösung: ein gemeinsames Projekt. Die Osterfestspiele waren geboren. In seiner Heimatstadt wollte Karajan das Orchester nicht nur binden, sondern vor allem seine Opernkompetenz ins Zentrum stellen.

Fortan dirigierte er jährlich eine Opernproduktion und Konzerte mit Höhepunkten des Orchesterrepertoires. Seine Nachfolger Claudio Abbado und Simon Rattle führten diese Tradition bis 2013 fort, denn dann verließen die Berliner die Osterfestspiele nach 45 Jahren. Hinter den Kulissen war von einem Zerwürfnis mit der Salzburger Kulturpolitik die Rede. Ohne großen Trennungsschmerz zog das Orchester weiter zu den Osterfestspielen nach Baden-Baden. Dass Intendant Nikolaus Bachler nun die Rückkehr möglich gemacht hat, dürfte nicht nur Arabel von Karajan gefreut haben.

Fulminanter hätte dieses Comeback kaum ausfallen können. Und um den „Full Circle Moment„ perfekt zu machen, brachten die Berliner Philharmoniker bei der Heimkehr – Achtung Wortwitz – gleich noch einen „Ring“ mit. Wie einst mit Karajan begann auch die neue Salzburger Ära mit Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen„. Publikum und Kritiker überschlugen sich nach der „Rheingold„-Premiere am Freitag mit Lob für das Klangwunder und den Farbenrausch, in den die Berliner die Felsenreitschule versetzten. Diese Wirkung ist auch Chefdirigent Kirill Petrenko zu verdanken, der mit feinem Gespür für Wagners Partitur eine eigene, präzise konturierte Lesart entwickelte. Auch am Folgetag, im Chorkonzert mit Haydns „Schöpfung“, blieb die klangliche Opulenz erhalten.

Daniel Harding bereitete es am Pult geradezu diebischen Spaß, das Orchester jedes einzelne Klangdetail von Haydns Oratorium vergolden zu lassen. Mit vollem Genuss erhob er die instrumentalen Soloparts zu gleichwertigen Partnern neben dem Sängerensemble. Nach diesem Auftaktwochenende lässt sich sagen: Dieses Comeback ist weit mehr als ein nostalgischer Rückblick. Diese „Familie“ ist nicht zurückgekehrt, um sich selbst zu feiern, sondern um zu zeigen, wem dieses Festival klanglich gehört. Der Anfang ist gemacht. Jetzt müssen die Berliner Philharmoniker und die Osterfestspiele beweisen, dass dieses Wiedersehen kein sentimentaler Kreis bleibt, sondern ein Neustart mit dem Anspruch, die eigene Geschichte zu übertreffen.

Larissa Schütz

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