06.06.2014 06:00 |

Tag der Entscheidung

70 Jahre D-Day: Die Hölle in der Normandie

US-Präsident Barack Obama kommt, Russlands Präsident Wladimir Putin reist an, und natürlich stehen Frankreichs Staatschef Francois Hollande sowie der britische Premier David Cameron bei diesem großen Tag des Gedenkens ebenfalls am Strand von Ouistreham, auf dem berühmten Schlachtfeld in der Normandie: Die Alliierten von einst erinnern am Freitag bei ihren Reden an einen der blutigsten Tage des Zweiten Weltkriegs, an den 6. Juni vor genau 70 Jahren. Sie erinnern an den Mut von 156.000 Soldaten, die am D-Day - am Decision-Day, dem Tag der Entscheidung - Adolf Hitlers "Atlantikwall" stürmten. Es war der Anfang vom Ende des Nazi-Regimes.

"Die Landung der alliierten Truppen in der Normandie ist auch aus heutiger Sicht eine der schwierigsten Operationen der Militärgeschichte", analysiert Othmar Commenda, der Chef des Generalstabs des Bundesheeres, für die "Krone" die "Operation Overlord" - mit diesem Decknamen hatten der Oberbefehlshaber der Alliierten, US-General Dwight D. Eisenhower, und sein Kommandostab die Invasionspläne getarnt.

2.000 Transportschiffe lieferten Truppen zu den Stränden
2.000 Transportschiffe lieferten an diesem wolkenverhangenen, nasskalten 6. Juni 1944 US-Rangers, britische Marineinfanterie, Franzosen und dänische Freiwillige zu den Landungsabschnitten "Utah", "Omaha", "Gold", "Juno" und "Sword". Schlachtschiffe, Zerstörer und U-Boote eskortierten diese Armada.

"Von oben sah es aus, als könnte man von Deck zu Deck trockenen Fußes über den Ärmelkanal spazieren", erinnern sich die US-Veteranen, die damals von ihren B-26-Maschinen 75.000 Tonnen Bomben über den Bunkern der Wehrmacht abwarfen, noch heute an den Anblick dieser Flotte.

General Commenda: "Eine der wesentlichsten Leistungen der Allliierten war die Koordination der Streitkräfte der verschiedenen Nationen unter Beteiligung von Luft-, Land- und Seestreitkräften." Perfekte Koordination war tatsächlich der Schlüssel zum Erfolg des Sturms auf Europa: Schon Stunden bevor die erste Welle an Landungsbooten zwischen Cherbourg im Westen und Ouistreham im Osten Richtung Küste preschte, hatten die Alliierten 10.000 Fallschirmjäger im Hinterland abgesetzt. Und neben den Bombern hatten auch die Geschützbedienungen britischer Schlachtschiffe die Stellungen der deutschen Truppen im Visier.

"Donnerwetter, der Bunker wird unser Grab"
Im Trommelfeuer saß damals auch Funkoffizier Klemens Sattmann aus Guntramsdorf - in einem Interview für eine Dokumentation erinnerte sich der Niederösterreicher: "Als wir die schwarze Wand an Schiffen sahen, dachten wir nur: 'Donnerwetter, der Bunker wird unser Grab.'" Und als 22-jähriger Leutnant der 2. Panzerdivision war der Wiener Ernst Gottstein in der Normandie. Im Gespräch mit der "Krone" schüttelte er den Kopf: "Wir waren ja so ahnungslos."

Doch bei der "Operation Overlord" lief anfangs nicht alles nach Plan, berichtet der britische Historiker und Milliardär Baron Michael Ashcroft in der TV-Doku "Normandie: Surviving D-Day": "Von den 1.450 Mann der ersten Welle starben auf 'Omaha Beach' 500 in den ersten 60 Minuten." Am Ende des Tages liegen 9.000 alliierte Soldaten tot in der Landezone. Erschütternd: Mit seinem MG 42 tötete allein der Deutsche Martin Severloh, Schütze der 352. Infanterie-Division, von seinem Bunker aus mehr als 1.000 US-Soldaten auf "Omaha Beach".

"Ein furchtbarer Anblick, fast surreal"
Hal Baumgarten, am 6. Juni 1944 GI im 116th Infantry Regiment, überlebte diesen Horror: "Ein furchtbarer Anblick, fast surreal. Granaten schlugen ein, Minen explodierten. Ich hatte Angst. Ich dachte nur: Ich muss meinen Job machen."

Nach unfassbar dramatischen Stunden gelang den US-Streitkräften auch auf "Omaha Beach" der Durchbruch - der Krieg war kaum ein Jahr später zu Ende. Generalstabschef Commenda: "Ja: Diese Operation hat maßgeblich zur Verkürzung des Weltkrieges beigetragen."

Für die allermeisten der alliierten Veteranen wird es heuer wohl die letzte große Zehnjahresfeier zum Gedenken an die Alliierten-Landung sein. Jeder der alten Herren wird zur Unterstützung zwei Soldaten an seiner Seite haben, Hunderte Sanitäter sind vor Ort. Neben der Hauptzeremonie in Ouistreham - hier hatte ein französisches Kommando am Landungstag die Deutschen aus der Stadt vertrieben - gibt es eine französische Zeremonie zum Gedenken an die 20.000 zivilen Opfer des Kampfes um die Normandie sowie mehrere binationale Zeremonien.

Tausende Polizisten und Soldaten sorgen für Sicherheit
Für die Sicherheit bei den Veranstaltungen sollen 7.500 Polizisten und 3.600 Soldaten sorgen, den ganzen Tag über wird in einem 80 Kilometer langen und 20 Kilometer breiten Küstenstreifen der Verkehr erheblich eingeschränkt sein. Nichts soll die Gedenkfeiern stören.

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