31.01.2006 16:56 |

Hack'n'Slay

Daemon Vector

Seit Jahren verteidigt "Diablo" gekonnt den "Hack'n'Slay"-Thron. Vereinzelte Spiele, wie etwa "Sacred", wagen sich gefährlich nah an den Meister heran, andere Spiele scheitern kläglich. "Daemon Vector" ist eines davon.

Die Geschichte des "Kampfrollenspiels im japanischen Stil" ist schnell erklärt: Mit der Pest schleppen Weltenbummler auch noch viel schlimmere Übel in das Europa des 14. Jahrhunderts mit ein. Innerhalb kürzester Zeit wimmelt es überall nur so von Höllenhunden, Zombies und anderen blutrünstigen Scheußlichkeiten. Zwei Helden treten dem Bösen entgegen: die wilde und gut gebaute Rhea sowie der tapfere Asgard Roy.

So weit, so gut. Die erste Ernüchterung folgt jedoch prompt nach der Installation: Im "Fullscreen"-Modus kann das Spiel lediglich mit einer maximalen Auflösung von 800 mal 600 Pixel aufwarten. Eindeutig zu wenig für ein Spiel der heutigen Zeit. Der Spieler wählt anschließend einen der beiden Charaktere, wobei sich diese nur in ihrem Äußeren bzw. dem Geschlecht unterscheiden, was keinerlei Auswirkungen auf das Gameplay hat. Die Story der beiden Figuren wird von nun an nur noch in kleinen Einspielungen erläutert, im Spiel selber steht das Gemetzel im Vordergrund.

Wir starten daraufhin in einer Ortschaft, die vom Zombie-Terror heimgesucht wurde. Herumstehende Soldaten weisen uns durch kleine Film-Tutorials in die Geheimnisse der Steuerung ein. Selber ausprobieren kann man die Special-Moves jedoch erst im Kampf, was sich schnell als sehr nachteilig erweist, da die Steuerung, Maus und Tastatur kombiniert, ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Hinzu kommt eine Kamera, die zwar frei rotierbar ist, sich aber nicht in der Höhe verstellen lässt. Der Spieler sieht somit immer nur wenige Meter weit, was auch die Orientierung nicht gerade leichter macht. 

Beim Reden mit den Figuren fällt einerseits auf, dass alle Personen lustige Namen haben, andererseits auch, dass sämtliche Dialoge nur als (zum Teil sehr fehlerhafter) Text angezeigt werden. Eine Sprachausgabe sucht man vergebens. Neben normalen Schlägen und Hieben kann der Held auch magische Fähigkeiten einsetzen, welche ein paar nette Effekte auf den Bildschirm zaubern, und mit Granaten um sich werfen. Der für Hack'n'Slay typische Gesundheits- und Mana-Balken gibt Auskunft über die Verfassung der Figur.

Wo ist sie nur, die künstliche Intelligenz?
Auf dem Weg durch diverse Areale, die über eine Übersichtskarte frei auswählbar sind, stößt der Held dann auf unzählige Monster, die durch wildes Geklicke schnell über den Jordan befördert werden. Für jeden Kill gibt es Erfahrungspunkte, gelegentlich auch weiterführende Gegenstände (Schlüssel) oder magische Extras. Die Gegner, die sich optisch allesamt sehr ähneln und auch nur über sehr wenige Sound-Samples verfügen, sind recht leicht zu besiegen und lassen jeglichen Anflug von künstlicher Intelligenz vermissen. Auch Boss-Gegner sind nicht sehr schwer, verfügen aber wenigstens über ein entwickelteres Angriffsmuster.

Speichern, kaufen, ausrüsten: Immer schön langsam
Am Ende - und wirklich nur am Ende - eines jeden Levels, besteht die Möglichkeit zu speichern, gefundene Gegenstände auszurüsten oder neue Items und Fähigkeiten im Shop zu erwerben. Leider lassen sich gekaufte oder gefundene Waffen in keinster Weise modifizieren. Bei ausreichend Erfahrung steigt der Spieler in der "Zombieschlächter Klasse" einen Rang nach oben und avanciert beispielsweise zum "Ritter".

Unsichtbare Wände versperren Zutritt zum Spielspaß
Wer mit seinen Punkten unzufrieden ist, der spielt einen Level einfach wieder und wieder. Da das Spiel vollkommen linear verläuft und dem Spieler aufgrund "unsichtbarer" Mauern auch sonst keine Bewegungsfreiheit lässt, ist dies kein Problem. Auch Nebenquests sind äußerst spärlich gesät und Rätsel wie "Finde den passenden Schlüssel" locken niemanden hinter dem Ofen hervor. Noch ein Wort zu Musik und Design: Monoton. In einer Höhle herunterfallende Steine versuchen zwar ein wenig Spannung ins Spiel zu bringen, da sich aber Monster, Musik und Grafik auf Dauer zu sehr ähneln, vermag keine atmosphärische Stimmung aufzukommen.

Fazit: "Diablo" ist und bleibt König und macht trotz der mittlerweile schon sehr angestaubten Grafik mehr Spaß als "Daemon Vector", was vor allem an der grandiosen und düsteren Stimmung liegt. "Daemon Vector" bietet weder Stimmung noch ein besonders ausgefeiltes Gameplay - da kann auch der günstige Preis nicht darüber hinwegtäuschen.

Plattform: PC
Publisher: Frogster Interactive
Krone.at-Wertung: 39%

von Sebastian Räuchle

Dienstag, 15. Juni 2021
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