Tragödie hinter Film

„Die Bilder vom Unglück kommen immer wieder“

Steiermark
01.03.2026 11:00

Gründonnerstag, 20. März 2008, 10.03 Uhr. Ein Zugunglück löscht eine Familie aus, eine Mutter verliert Mann und Kinder. Der Kinofilm „Vier minus drei“ erzählt von Trauer, Verzweiflung und Lebensmut. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in der Steiermark. Dort sind die Erinnerungen an das Unglück noch sehr lebendig.

Der Kinofilm „Vier minus drei“ ist kein Werk für einen leichten Kinoabend. Er ist eine emotionale Reise in einen Schmerz, den nur jene wirklich empfinden können, die ihn selbst erlebt haben: den Verlust eines Kindes. Regisseur Adrian Goiginger hat die Tragödie von Barbara Pachl und ihrer Familie verfilmt. Lebensmut spielt darin eine große Rolle, weil die Hinterbliebene nicht in der statischen Trauer der Katastrophe verharrt, sondern mit Optimismus und Beistand den Weg zurück ins Leben findet. Als Klinikclown lässt sie eine besondere Art der Trauerbewältigung zu, nimmt den Zuschauer ein Stück des Weges mit, wie man mit dem Unfassbaren weiterleben kann.

Schicksalsschlag und Lichtblicke
„Natürlich wühlt es auf, wenn ich meinen Lebensfilm sehe, in dem es nicht nur um das ganz Traurige, sondern auch das Wunderschöne geht, das wir in der Familie erlebten“, notiert Barbara Pachl-Eberhart, die mit Schauspielerin Valerie Pachner und Regisseur Adrian Goiginger die Lichtblicke nach dem Schicksalsschlag in Szene setzen lässt.

Schauspielerin Verena Pachler, Barbara Pachl-Eberhart und Regisseur Adrian Goiginger bei der ...
Schauspielerin Verena Pachler, Barbara Pachl-Eberhart und Regisseur Adrian Goiginger bei der Kinopremiere im Gleisdorfer Diesel-Kino(Bild: Fuchs)

Bei der Berlinale gab es hymnische Kritiken für Valerie Pachner in der Hauptrolle. „Ja, der Film ist traurig. Aber er schenkt auch Hoffnung, dass es einen Weg geben kann, mit dem Unfassbaren zu leben. Ein langsames, vorsichtiges Weitergehen.“ Regisseur Adrian Goiginger erlebt Reaktionen, die für das behutsame Umsetzen der tragischen Lebensgeschichte sprechen: „Eltern würden nach dem Film ihre Kinder besonders innig umarmen – im Bewusstsein, wie zerbrechlich das Leben ist. Es ist ein berührender Film über Trauer und Verlust, aus dem man trotzdem gestärkt aus dem Kino kommt.“

Viele Komparsen aus der Region
Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Graz sowie in Söchau und Bad Waltersdorf. Die vertrauten Orte und die Dialekte verleihen der Geschichte Authentizität. Viele Komparsen, die selbst aus der Region stammen, haben den Film bereits gesehen und konnten ihre Tränen nicht zurückhalten. Zu nah gehen die Bilder, zu real wirken die Erinnerungen. Bemerkenswert ist, was nicht gezeigt wird. Das Zugunglück selbst wird nämlich nicht inszeniert.

Im 500-Einwohner-Ort Takern II leben die Menschen immer noch mit den realen Bildern von damals. „Was wir an der Unfallstelle gesehen und erlebt haben, könnte man niemandem zumuten. Bilder, die kein Film in ihrer Härte zeigen könnte“, sagt Feuerwehrhauptmann Johann Kölbl, der gemeinsam mit seiner Frau zuerst am Unfallort war. „Ich habe zuerst nur eine kleine Ziehharmonika auf den Gleisen gesehen, erst mit der Bergung des zerstörten VW-Bus wurde das Ausmaß der Tragödie sichtbar.“

Hunderte Ersthelfer waren im Einsatz
Der 59-Jährige war damals Einsatzkommandant und koordinierte eine Hundertschaft Ersthelfer aus dem Ort mit Feuerwehr, Einsatzkräften, Ärzten und Sanitätern – aber auch Schaulustigen. Am Abend wurden die Ersthelfer und die Feuerwehrleute im Rüsthaus vom Kriseninterventionsteam betreut, um das Erlebte irgendwie verarbeiten zu können. „Die Bilder vom Unglück kommen immer wieder, wenn ich am mittlerweile gesicherten Bahnübergang vorbeifahre“, sagt Kölbl, der wie viele aus Takern II den Film im Kino ansehen wird. „Natürlich kommt alles wieder hoch, aber ich werde es verkraften können.“

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