Dolmetscher alarmiert

Keine Hilfe in Schulen mehr für gehörlose Kinder?

Steiermark
06.03.2026 05:00

Ein Passus im Entwurf einer Gesetzesnovelle löst Sorgen bei den steirischen Gebärdensprachen-Dolmetschern aus: Statt ihnen soll künftig pädagogisches Personal für Kinder übersetzen. Das Land dementiert.

Die Schulassistenz in der Steiermark ist seit Monaten in den Schlagzeilen. Das Gesetz soll geändert werden, der Entwurf zur Novelle sorgte bereits für Kritik. Jetzt ruft ein Passus in den Erläuterungen auch die Gebärdensprachen-Dolmetscher auf den Plan: „Können hörgeschädigte Kinder dem Unterricht ohne Dolmetschleistung nicht folgen und wird der Lernstoff durch die/den Gebärdendolmetscher/in vermittelt, liegt eine pädagogische Leistung vor, die durch gebärdensprachkompetentes Lehrpersonal zu erbringen ist“, heißt es darin.

Das würde bedeuten, dass Dolmetscher nicht mehr an Pflichtschulen übersetzen würden. Stattdessen müssten Pädagogen mit Gebärdensprach-Kenntnis die gehörlosen Kinder mitbetreuen.

Lehrer müssten auf zwei Sprachen gleichzeitig unterrichten
„Das pädagogische Personal ist sehr engagiert. Viele haben sich in ihrer Freizeit Gebärdensprachkompetenz angeeignet, um mit gehörgeschädigten Schülern kommunizieren zu können“, sagt Dolmetscherin Ilona Seidel-Jerey, die seit zehn Jahren an Schulen übersetzt. Jedoch werde die Sprachkompetenz nicht überprüft, und eine Lehrkraft könne kaum auf zwei Sprachen gleichzeitig unterrichten. „Es braucht eine Person, die durchgängig für die gehörlosen Kinder da ist.“

Allen voran, weil diese nicht nur übersetze, was die Lehrperson sagt, sondern auch, was die Mitschüler sagen. „Wir dolmetschen alles – die Witze, die Pausengespräche, den Lärm am Gang, die Antworten der Schüler. Wir sind ihr Sprachrohr“, so Seidel-Jerey. Dadurch würden so übrigens auch die anderen Kinder die österreichische Gebärdensprache (ÖGS) lernen, die nicht als eigenes Fach unterrichtet wird. 

Fällt die spezielle Hilfe künftig weg, komme es sicher zu Problemen für gehörlose Kinder, meint Seidel-Jerey: „Einige schaffen es dank der Übersetzung bis zur Matura und darüber hinaus. Die Kinder werden nur nicht adäquat begleitet.“ Dabei hätten sie ein Recht auf guten muttersprachlichen Aufbau. „Das können wir Dolmetscher aktuell am besten leisten.“ Auch für ihren Berufsstand macht sich Seidel-Jerey stark, denn das Übersetzen an Schulen ist gerade bei jungen Eltern eine verlässliche, planbare Einnahmequelle.

„Nichts wird sich ändern“
Die zuständigen Büros des Soziallandesrats Hannes Amesbauer (FPÖ) und auch des Bildungslandesrates Stefan Hermann dementieren. „Am bestehenden Leistungsumfang für gehörlose Kinder wird sich nichts ändern.“ Im aktuellen Schuljahr seien zwölf Kinder anspruchsberechtigt für Dolmetscher.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

Steiermark

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung