Fokus Schulassistenz

„Aus medizinischer Sicht ist das eine Katastrophe“

Steiermark
16.02.2026 19:00

Ein Grazer Kinderarzt kritisiert nun die fehlenden medizinischen Schulungen bei Schulassistenzen. Diese müssen nötige pflegerische Hilfen nicht zwingend übernehmen. Einer seiner Patienten kämpft bereits seit Monaten um die entsprechende Unterstützung.

Um das Thema Schulassistenz in der Steiermark wird es seit Monaten nicht ruhig. Nachdem es Probleme bei der Stundenzuteilung gab, soll nun eine Novelle des Gesetzes kommen. Das sorgte zuletzt immer häufiger für einen politischen Schlagabtausch. Nun meldet sich der Grazer Kinderarzt Johann Deutsch zu Wort und stuft die Situation aus ärztlicher Sicht ein. Sein Fazit dabei ist eindeutig: „Aus medizinischer Sicht ist die aktuelle Situation der Schulassistenz in der Steiermark eine Katastrophe.“ 

Das steirische Schulassistenzgesetz sieht nämlich grundsätzlich keine einheitliche Ausbildung vor. Viele Träger bieten für ihr Personal aber diverse Schulungen oder Ausbildungen an.

Gesetzlich haben Kinder dann Anspruch auf eine Schulassistenz, wenn sie psychisch oder intellektuell beeinträchtigt sind, selbst- und fremdgefährdendes Verhalten zeigen, aber auch bei „medizinisch-pflegendem“ und „pflegerisch-helfendem“ Bedarf. Darunter fällt etwa die Verabreichung von Medikamenten oder die Hilfestellung beim Toilettengang. 

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Oft sind Schulassistenzen Laien, die keinerlei medizinische Schulung haben. Sie dürfen die Verabreichung von notwendigen Medikamenten auch verweigern.

Johann Deutsch, Kinderarzt

Besteht ein solcher Bedarf der Unterstützung, muss die Schulassistenz durch dafür qualifiziertes Personal erfolgen. „Oft sind Schulassistenzen aber Laien, die keinerlei medizinische Schulung haben“, kritisiert Deutsch. Sie dürfen im Rahmen der sogenannten Laiendelegation – geregelt im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz – zwar Medikamente verabreichen, müssen dies aber nicht.

Verabreichung von Medikamenten als Problem
Zum Problem wird das zum Beispiel bei Deutsch’ Patienten Moritz (Name von der Redaktion geändert). Der achtjährige Bub weist eine 70-prozentige Behinderung auf und braucht Medikamente, laut Gutachten benötigt er eine 1:1-Betreuung. Zusätzlich gibt es seit Anfang dieses Schuljahres auch noch gravierende Probleme mit dem Stundenkontingent: „Nach einem Schulwechsel bekommt Moritz nur fünf Stunden Unterstützung pro Woche. Das macht den Schulbesuch auf Dauer unmöglich“, schildert die Mutter. Die Alleinerzieherin musste deshalb ihren Job aufgeben, da sie im Falle eines medizinischen Notfalls ihres Sohnes jederzeit abrufbar sein muss.

Mit der aktuellen Schulassistenz hat der Kinderarzt sogar eine medizinische Einschulung gemacht: „Ich wollte Moritz und seine Mutter dadurch unterstützen. Die Schulassistenz wollte die Verantwortung für die Medikamente trotzdem nicht übernehmen“, bedauert Deutsch.

Wünschenswert wäre dem Fachmann zufolge ein System wie jenes der „School Nurses“ in Wien. Dort wurden in einer ersten Pilotphase von 2022 bis 2024 diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger an Schulen stationiert, um Kinder bei gesundheitlichen Problemen zu unterstützen – das Modell wurde anschließend verlängert.

Laut Land Steiermark liegt die Sicherstellung der passenden Assistenz bei den jeweiligen Gemeinden. Sie sind dafür verantwortlich, dass der entsprechende (medizinische) Bedarf durch fachgerechtes Personal gedeckt wird. Der für Moritz‘ Schule zuständigen Gemeinde sind laut eigenen Angaben allerdings keine Probleme mit der Schulassistenz im dargelegten Fall bekannt. Bis eine endgültige Lösung gefunden wird und der Bub wieder die benötigte professionelle Betreuung bekommt, müssen Mutter und Sohn weiter durchhalten.

Diese Medaillen konnte Moritz bereits gewinnen.
Diese Medaillen konnte Moritz bereits gewinnen.(Bild: zVg)

Dass die richtige professionelle Hilfe bei Moritz aber viel bewirkt, beweist die Tatsache, dass der Achtjährige im steirischen Team der Special Olympics bereits zahlreiche Medaillen gewinnen konnte. „Im Sport wird Moritz von Fachpersonal betreut. Dadurch konnte er schon zwei Goldmedaillen für Österreich gewinnen“, erzählt die Mutter.

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