Bauern in Sorge

Konzerne diktieren immer mehr, was wir essen

Österreich
26.02.2026 14:27

Die im wahrsten Sinne des Wortes wachsende Macht globaler Gentech-Konzerne sorgt für Unsicherheit! Denn wer das Saatgut kontrolliert, entscheidet am Ende über unsere Ernährung …

Wer bestimmt, was morgen auf unseren Tellern landet? Diese explosive Frage steht derzeit im Zentrum brisanter Verhandlungen in Brüssel – und die Antwort könnte viele erschrecken: Immer stärker sind es internationale Konzerne, die sich über Patente den Zugriff auf unsere Nahrung sichern. Während das EU-Parlament Transparenz fordert, stemmen sich Ministerrat und Kommission dagegen, offenzulegen, wer sich welche Pflanzen genetisch „reserviert“ hat.

Tatsächlich wächst die Macht der global agierenden Patentinhaber rasant. Laut Recherchen der Organisation „No Patents on Seeds“ sind bereits mehr als 1000 (!) konventionell gezüchtete Sorten in den Händen der milliardenschweren Konzerne.

Klagen oder Lizenzforderungen drohen am juristischen Minenfeld
Ein einziges Schutzrecht – etwa jenes auf Mais der Agrochemie-Firma Syngenta – kann gleich mehr als hundert Sorten blockieren. Für Züchter und Bauern bedeutet das: Wer keine eigene Rechtsabteilung hat, riskiert schnell Klagen oder Lizenzforderungen. Innovation wird so zum juristischen Minenfeld, ausgerechnet in einer Zeit, in der klimaresistente Pflanzen dringend gebraucht werden.

Zarte Spitzen, die Bauer Alois Schantl echtes steirisches Kürbiskernöl liefern werden. Doch ...
Zarte Spitzen, die Bauer Alois Schantl echtes steirisches Kürbiskernöl liefern werden. Doch anderswo weltweit steht vieles (li.) im Patente-Visier.(Bild: Sepp Pail)

Besonders heikel ist ein aktueller Fall rund um Tomaten. Das Europäische Patentamt hat ein Patent auf eine virusresistente Sorte erteilt, obwohl die entscheidenden Genvarianten gar nicht erfunden wurden, sondern aus wilden Tomaten aus Peru stammen. Angemeldet wurde das Schutzrecht vom Saatgutkonzern Rijk Zwaan.

Öko-Aktivisten stemmen sich gegen Konzern-Trickserei
Kritiker sprechen von einem Trick: In den Unterlagen werde klassische Züchtung schlicht als technisches Herstellungsverfahren bezeichnet – und so das Verbot von Patenten auf konventionelle Zucht umgangen. „Das ist ein Skandal“, warnt Saatgutrechtsexpertin Dagmar Urban von der Organisation Arche Noah.

Arche für Tausende alte Kultursorten

  • In einem verzweifelten Wettlauf mit der Zeit und in einem ungleichen Kampf Bio-David gegen Chemie-Goliath versuchen die Idealisten der „Arche Noah“ in Schiltern bei Langenlois (NÖ), die uralten Sorten der bäuerlichen Vorfahren für die Nachwelt zu bewahren.
  • Mehr als 5500 Kulturpflanzensorten – Gemüse, Obst, Getreide – werden bei minus 18 Grad in der Gefrierkammer in Schiltern gelagert. Damit kann die Keimfähigkeit von Samen und Knollen über Jahre hinweg garantiert werden.
  • „Wir haben bei uns ein botanisches Samenarchiv eingerichtet und hüten Tausende schon fast ausgestorbene Gemüse- und Obstsorten – ein kostbarer Naturschatz im wahrsten Sinne des Wortes“, versichert der Aktivist Axel Grunt.

Der Streit zeigt ein Grundproblem: Die Öffentlichkeit weiß kaum, welche Sorten überhaupt patentiert sind. Die Branchen-Datenbank PINTO liefert nur freiwillige und lückenhafte Angaben, oft bloß Nummern ohne jegliche Erklärung. Wer verstehen will, ob eine Sorte frei nutzbar ist, muss seitenlange Juristentexte entschlüsseln.

„Es geht also längst nicht nur um Paradeiser, Mais oder Paprika. Es geht um Kontrolle über die Basis unseres Lebens – Saatgut. Und um die Frage, ob Ernährung künftig ein Gemeingut bleibt oder schleichend zum geistigen Eigentum weniger globaler Player wird. In Brüssel entscheidet sich gerade, ob dieses Diktat, was auf unsere Teller kommt, sichtbar gemacht wird – oder weiterhin im Verborgenen wächst“, warnt Arche-Noah-Aktivist Axel Grunt.

Chemie-Riese hakt Umweltskandal in Niederösterreich ab
Großes Jubiläum, große Worte: Kwizda Agro wird 100 und feiert sich als Innovationsmotor zwischen Forschung, Fabrik und Feld. Geschäftsführer Ronald Hamedl spricht mit salbungsvollen Worten von „Beyond Growth“, von Biologisierung, Digitalisierung und nachhaltiger Verantwortung. Biologische Produkte sollen wachsen, digitale Werkzeuge den Landwirten präzisere Entscheidungen ermöglichen. Innovation müsse dort wirken, „wo sie gebraucht wird“ – am Feld.

Kwizda Agro arbeitet an nachhaltigeren Lösungen im Pflanzenschutz. Fehlschläge möchte man zum ...
Kwizda Agro arbeitet an nachhaltigeren Lösungen im Pflanzenschutz. Fehlschläge möchte man zum großen Jubiläum lieber ausklammern. Der Blick ist in die Zukunft gerichtet.(Bild: Kwizda Agro)

Doch die Branche bleibt ein Reizthema. Pestizide stehen seit Jahren in der Kritik: Artensterben, Rückstände, Grundwasser – die Diskussion ist emotional wie politisch aufgeladen. Auch Kwizda blieb davon nicht verschont. Der Grundwasserskandal beim Werk in Leobendorf (NÖ) beschädigte das Image nachhaltig.

Zum Jubiläum will man nicht mehr groß Rede und Antwort stehen. Das Thema sei abgehakt und der Sanierungsgrad bei 99,9 Prozent. „Es kommt nur noch ganz selten zu kleinflächigen Auswaschungen“, erklärt Hamedl. Auch noch nach rund 15 Jahren, wohlgemerkt …

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