Mehr Hilfsbedürftige und gleichzeitig weniger Helfer – das erwartet die Steiermark in Zukunft. Drei Organisationen berichten, warum sie schon jetzt auf Zivildiener angewiesen sind und welche Vorteile ein längerer Dienst bringen würde.
Die Demografie lügt nicht. Und sie zeigt eine interessante Entwicklung auf: Die aktuelle Zivildienst-Generation entspringt aus 4718 Burschen, die 2007 in der Steiermark geboren wurden. 2024 kamen nur noch 4097 Buben auf die Welt – sie werden 2042 wehr- bzw. zivildienstpflichtig. Bei gleichem Verhältnis zwischen „Zivi“ und „Heer“ gäbe es dadurch 250 Zivildiener weniger. 1653 werden es laut Zahlen des Bundeskanzleramts sein.
Gleichzeitig altert die Bevölkerung. Laut Statistik Austria wird die Gruppe der Über-65-Jährigen bis 2042 um 29 Prozent wachsen. Das Ergebnis: Ein Zivildiener wird 222 Senioren zur Verfügung stehen. Aktuell sind es 149.
„Zivile Landesverteidigung stärken“
Vor diesem Hintergrund begrüßen steirische Organisationen eine mögliche Verlängerung des Zivildiensts auf zwölf Monate. Vom größten Träger, dem Roten Kreuz, heißt es auf Anfrage: „Es ist richtig und wichtig, auf die geänderten geopolitischen Herausforderungen zu reagieren und sowohl die militärische als auch die zivile Landesverteidigung zu stärken.“
Im Vorjahr leisteten insgesamt 1903junge Steirer Zivildienst. Davon 688 im Rettungswesen, 592 in der Sozial- und Behindertenhilfe und 213 in der Altenbetreuung. Jährlich entscheiden sich gut 40 Prozent der Tauglichen für den Zivildienst.
Zudem sei der Zivildienst wichtig für die Freiwilligengewinnung – mehr als zwei Drittel bleiben als freiwillige Sanitäter erhalten. Auch die Caritas erhofft sich eine „bessere Integration in die Teams“, wodurch „mehr Verantwortung übertragen“ werden könne. Allerdings: „Wir sehen auch klar die Nachteile einer längeren Verpflichtung, etwa das Verpassen von Einstiegsphasen ins Studium oder in die Ausbildung.“
In weiterer Folge müsse außerdem die Vergütung der „Zivis“ entsprechend angepasst werden. So bekommt die Caritas als Trägerorganisation der Kategorie zwei nur einen Teil der Kosten vom Bund rückerstattet. Eine Verlängerung sollte keine zusätzliche finanzielle Belastung bedeuten.
Dasselbe Berechnungsmodell gilt für die steirische Aids-Hilfe, wo stets zwei junge Männer ihren Dienst leisten. Geschäftsführer Manfred Rupp möchte sie nicht missen: „Zivildiener sind für uns eine wichtige Ressource – sie leisten wertvolle Arbeit im Team, gewisse Leistungen gibt es nur dank ihrer Unterstützung.“
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