Das Hietzinger Pallottihaus schließt für immer seine Pforten: kein Einzelfall. Immer mehr Kirchen werden – oft unbemerkt – zu etwas anderem als Gotteshäuser, zumindest für Katholiken.
Weihnachten konnte die Gemeinde der heimeligen Pallottikirche in der Hietzinger Auhofstraße dort durch eine Gnadenfrist noch feiern (die „Krone“ berichtete), Ostern geht sich nicht mehr aus: Am Sonntag endet die 65-jährige Geschichte des Gebäudes als Gotteshaus.
Die Kirche mit ihrem verwaisten Gästehaus gehört dem Orden der Pallottiner. Ihr Glaube verlangt „Dienst an den Orten, wo er gerade benötigt wird“, und liefert damit schon die Erklärung für die Schließung: Während katholische Gemeinden in Afrika und Asien wachsen, schrumpfen sie hier: In Wien gibt es noch etwa 500.000 Katholiken.
Selbst in der viel kleineren Stadt der 1970er Jahre waren es 1,3 Millionen. Das erklärt den damaligen Kirchen-Bauboom ebenso wie jetzt die Schließungen, denn die Pallottikirche ist alles andere als ein Einzelfall.
Die Erzdiözese ist dabei, die Zahl der Kirchen an die Zahl der Gläubigen anzupassen. Weitere werden voraussichtlich folgen.
Stellungnahme der Erzdiözese Wien
Lieber an andere Gläubige abgeben als aufgeben
Sieben ihrer eigenen Kirchen hat die Erzdiözese in den letzten zehn Jahren aufgegeben. Einige gibt es auch als Bauwerke nicht mehr: Die Stadlauer „VOEST-Kirche“ wurde etwa als unsanierbar 2020 abgerissen. Dazu kommen Gotteshäuser von Ordensgemeinschaften wie den Pallottinern oder die 2023 profanierte Kirche der Kreuzschwestern in Meidling. Es gibt aber auch Kirchen und Kapellen, die weltlichen Eigentümern gehören und nur von der Erzdiözese betreut wurden. Ein Beispiel ist die 2022 aufgegebene Kirche im Wiener Arsenal.
Wenn möglich, übergibt die Erzdiözese ihre Kirchen an andere Konfessionen: Die Kirche am Schöpfwerk wurde 2022 serbisch-orthodox. Seit der Jahrtausendwende kamen fünf orthodox-christliche Konfessionen auf diese Art an Kirchen in Favoriten, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring, Währing und Floridsdorf. Christoph Schönborn wollte so als Erzbischof gewährleisten, dass die Häuser weiter dem Glauben dienen. Sein Nachfolger Josef Grünwidl möchte die Praxis fortführen.
Für die Pallottikirche gibt es aber noch keine Pläne. Der Orden hätte eine Nutzung zugunsten der Gemeinschaft, etwa als Kindergarten, gern gesehen. Der Bezirk bot statt konkreter Vorschläge allerdings bloß eine „ausgestreckte Hand“ der Gesprächsbereitschaft an.
Zwei Kirchen in der Nachbarschaft wollen die eingeschworene Pallotti-Gemeinde aufnehmen. Viele von ihnen hängen jedoch so sehr an „ihrer“ Kirche, dass sie von nun an vor allem im privaten Rahmen zusammenkommen wollen.
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